Das FiBL war am Tropentag* 2026 in Göttingen stark vertreten und beteiligte sich an Workshops, wissenschaftlichen Sessions und Vernetzungsaktivitäten zu internationalem Biohandel, Agrarökologie, Agrobiodiversität, Klimaresilienz und nachhaltigen Ernährungssystemen. Die FiBL-Expert*innen brachten Perspektiven ein, die von globalen Marktdaten und kleinbäuerlichen Wertschöpfungsketten über Agroforstwirtschaft, und Bodenfruchtbarkeit bis hin zu politischer Unterstützung für resiliente Agrarsysteme reichten.
Internationaler Biohandel auf dem Prüfstand
Wie kann der internationale Handel mit Bioprodukten verlässlich, nachhaltig und zugleich zugänglich für Produzent*innen im Globalen Süden gestaltet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt des Workshops "International Trade with Organic Products" (Internationaler Handel mit Bioprodukten), der am 16. September 2026 stattfand. Der Workshop war Teil des neuen "International Network for Organic Trade" (INOT), einer Initiative des deutschen Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). INOT hat zum Ziel, den internationalen Dialog zum Biohandel zu stärken und Politik, Wissenschaft und Praxis enger miteinander zu verknüpfen.
Das FiBL brachte zwei sich ergänzende Perspektiven ein. Helga Willer, FiBL-Forscherin mit Schwerpunkt auf globalen Statistiken und Märkten des biologischen Landbaus, eröffnete den Workshop mit aktuellen Daten und Trends zur weltweiten Biolandwirtschaft, zu Biomärkten und insbesondere zum internationalen Handel, letztere basierend auf den Daten, welche von der Europäischen Union und den USA herausgegeben werden. Die Daten zeigen sowohl das Wachstum des internationalen Biohandels als auch seine Konzentration auf eine vergleichsweise kleine Zahl von Ländern – insbesondere in Lateinamerika – und auf Produktgruppen wie tropische Früchte und Futtermittel.
Die Diskussion zeigte zugleich, wie schwierig internationale Vergleiche weiterhin sind. Die Erfassungsmethoden unterscheiden sich zwischen der EU und den USA teilweise erheblich. Zusammen machen diese beiden Märkte schätzungsweise rund drei Viertel des weltweiten Biohandelsvolumens aus.
Toralf Richter, FiBL-Experte für Wertschöpfungsketten und Märkte, ordnete diese Zahlen im Kontext internationaler Lieferketten ein. Besondere Aufmerksamkeit galt den Auswirkungen steigender Zertifizierungskosten auf Kleinbauernorganisationen. Neue EU-Anforderungen an die Gruppenzertifizierung können die Kosten für grosse Produzentengruppen erheblich erhöhen. Gleichzeitig können hohe Preise auf konventionellen Märkten die Attraktivität einer Biozertifizierung verringern.
Im Workshop wurden zudem Fragen der Handelsintegrität, sowie die zunehmende Komplexität von Bioanforderungen in verschiedenen Märkten diskutiert. Ein möglicher Lösungsweg liegt in einer stärkeren gegenseitigen Anerkennung beziehungsweise Gleichwertigkeit von Standards, wodurch sich die Notwendigkeit separater Zertifizierungen für jeden einzelnen Exportmarkt verringern liesse.
Daraus ergibt sich auch eine mögliche Rolle für INOT: Statt neue Strukturen aufzubauen, könnte das Netzwerk vor allem als Plattform für Lernen und Dialog dienen – indem es Handelshemmnisse ausfindig macht, Erfahrungen aus verschiedenen Ländern zusammenführt und praktikable Ansätze für einen glaubwürdigeren und faireren internationalen Biohandel entwickelt.
Resilienz im Mittelmeerraum: Projekte und Perspektiven zusammenbringen
Harun Cicek, FiBL-Experte für Landwirtschaft in Trockengebieten und stellvertretender Leiter der FiBL-Gruppe Agrarökosystem-Innovation & Umsetzung, organisierte am 16. Oktober eine gemeinsame Session mit zehn Projekten, die im Rahmen von PRIMA – der Partnerschaft für Forschung und Innovation im Mittelmeerraum (Partnership for Research and Innovation in the Mediterranean Area), einem von der EU unterstützten Forschungs- und Innovationsprogramm – gefördert werden, sowie zwei Horizon Europe-Projekten, die im Mittelmeerraum tätig sind.
Die Session führte Erkenntnisse und Perspektiven eines breiten Spektrums von Akteur*innen zusammen und fasste erste Erfahrungen zu Wasserernte, Agroforstwirtschaft, vernachlässigten und wenig genutzten Arten, Kreislaufwirtschaft und zum Water-Energy-Food-Ecosystems (WEFE) Nexus zusammen – einem integrierten Ansatz, der die Wechselwirkungen zwischen Wasser, Energie, Nahrungsmittelproduktion und Ökosystemen betrachtet.
Zu den übergreifenden Themen gehörten Upscaling, sozioökonomische Teilhabe, Gender, Marktintegration und Politikkohärenz. Der Workshop bot zudem Gelegenheit zur Vernetzung zwischen Forscher*innen, Praktiker*innen und politischen Entscheidungsträger*innen. Weitere Informationen finden sich auf der Website des Projekts TRANSFORMED.
Agrobiodiversität, lebendige Landschaften und politische Rahmenbedingungen
Amritbir Riar, Leiter der FiBL-Gruppe Resiliente Anbausysteme, und Marc Cotter, FiBL- Wissenschaftler mit Schwerpunkt auf tropischen Produktionssystemen, Agrarökologie und nachhaltigen Landnutzungssystemen, beteiligten sich an einem Vorkonferenz-Workshop, der am 15. September gemeinsam mit der Regierung des indischen Bundesstaates Karnataka und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ durchgeführt wurde.
Unter dem Titel "From Living Landscapes to Living Policy: Institutionalizing Agrobiodiversity Conservation for Climate-Resilient Agroecological Transformation" (Von lebendigen Landschaften zu lebendiger Politik: Die Erhaltung der Agrobiodiversität institutionell verankern für eine klimaresiliente agrarökologische Transformation") brachte der Workshop Landwirt*innen, Saatguthüter*innen, Forscher*innen, politische Entscheidungsträger*innen und Fachleute aus der Entwicklungszusammenarbeit zusammen.
Wie kann die Erhaltung von Landsorten und von Landwirt*innen getragene Agrobiodiversitätsinitiativen durch bäuerliche Beteiligung, geeignete Anreizsysteme sowie dauerhafte institutionelle und politische Unterstützung gestärkt werden? Ausgehend vom Joida Organic Block im Bundesstaat Karnataka– einer regionalen Initiative mit dem Ziel, ein gesamtes landwirtschaftlich geprägtes Gebiet in Richtung ökologischer und agroökologischer Produktion zu entwickeln – sowie von europäischen Bioregionen (Biodistricts) wurde diese Frage in Präsentationen, Paneldiskussionen und partizipativen Sessions erörtert,
Beide nahmen ausserdem an der 37. Mitgliederversammlung von ATSAF teil, einem internationalen Netzwerk für Forschung zu tropischer und subtropischer Landwirtschaft und Ernährungssystemen (Council for Tropical and Subtropical Agricultural Research), die am 16. September im Rahmen des Tropentags stattfand. Marc Cotter ist assoziiertes Vorstandsmitglied von ATSAF.
Weitere FiBL-Beiträge
FiBL-Forschende waren zudem mit wissenschaftlichen Arbeiten zu Bioanbaustrategien und Bodenfruchtbarkeit in Kenia, zur Verringerung der Treibhausgasintensität, zu klimaresilientem Kakaoanbau sowie zur langfristigen Agroforstforschung in Bolivien beteiligt.
Insgesamt spiegelten die FiBL-Beiträge mehrere der zentralen Themen des Tropentags 2026 wider: Agroökologie, resiliente Produktionssysteme, kleinbäuerliche Landwirtschaft, Agrobiodiversität, nachhaltige Wertschöpfungsketten und die Entwicklung von Ernährungssystemen, die auf Klima- und Marktdruck reagieren können.
*Der Tropentag ist eine jährlich stattfindende internationale Konferenz zu Forschung und Entwicklung in den Bereichen Landwirtschaft und Ernährungssysteme in den Tropen und Subtropen. Sie bringt Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und politische Entscheidungsträger*innen aus aller Welt zusammen.
Autor*innen: Helga Willer, Toralf Richter, Harun Cicek, Amritbir Riar, Marc Cotter
Weitere Informationen
Kontakte
Links
- tropentag.de: Website Tropentag
- troptentag.de: Workshops
- organic-world.net: Biolandbau-Statistik
- prima-med.org: Website von PRIMA, der Partnerschaft für Forschung und Innovation im Mittelmeerraum
- transformed-prima.eu: Website von TransforMed
- transformed-prima.eu: Session From Demonstration to Transformation: Integrated Solutions for Water, Food, Agroforestry & Ecosystems in the Mediterranean


