Lebensmittel, die im Müll landen, verschwenden weit mehr als nur Nahrung: Mit ihnen gehen auch Ackerfläche, Wasser, Energie, Arbeitskraft und Geld verloren, gleichzeitig entstehen vermeidbare Treibhausgasemissionen. Darauf macht der von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem UN-Umweltprogramm (UNEP) gemeinsam am 29. September begangene International Day of Awareness of Food Loss and Waste aufmerksam.
Der UN-Aktionstag steht 2026 unter dem Motto "Transformative Potential of Reducing Food Loss and Waste" und unterstreicht, dass weniger Lebensmittelverluste und -verschwendung zugleich Ernährungssicherheit stärken, natürliche Ressourcen schonen, Emissionen reduzieren und wirtschaftliche Kosten senken können.
Mehr als eine Milliarde Tonnen Lebensmittel gehen jährlich verloren
Die globale Dimension ist erheblich: Weltweit gehen jedes Jahr mehr als eine Milliarde Tonnen Lebensmittel verloren. Rund 19 % der für Konsument*innen verfügbaren Lebensmittel landen in Haushalten, Gastronomie und Handel im Abfall. Weitere rund 13 % der Lebensmittelverluste entstehen nach der Ernte und noch vor dem Einzelhandel.
Gleichzeitig waren laut aktuellem UN-Bericht ("The State of Food Security and Nutrition in the World") im Jahr 2025 rund 645 Millionen Menschen von Hunger betroffen. Etwa 2,1 Milliarden Menschen – mehr als 25 % der Weltbevölkerung – waren von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen.
Selbst in Österreich sind laut aktuellen Schätzungen bereits 12 % bzw. 1,1 Mio. Österreicher*innen von moderater bis schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen, wovon 4,6 % bzw. 420.000 Personen unter schwere Ernährungsarmut fallen.
Großes Potenzial auch in Österreich
Auch in Österreich ist das Einsparpotenzial beträchtlich – so fallen hierzulande pro Jahr ca. 1,2 Millionen Tonnen vermeidbarer Lebensmittelabfall an. Das entspricht täglich etwa 140 Lkw-Ladungen genießbarer Lebensmittel, die im Müll landen. Rund 50 bis 60 % der vermeidbaren Lebensmittelabfälle fallen in privaten Haushalten an.
Berechnungen, die die FiBL-Forscher Martin Schlatzer und Thomas Lindenthal in ihren aktuellen Arbeiten aufgreifen, zeigen zudem, dass eine Halbierung vermeidbarer Lebensmittelabfälle in einem vierköpfigen Haushalt rund 38 Euro pro Monat einsparen kann. Gleichzeitig können gemäß FiBL-Ernährungsstudie 2025 auf Haushaltsebene rund 8 % der mit der Ernährung verbundenen Treibhausgasemissionen vermieden werden.
Lebensmittelverschwendung ist Schätzungen zufolge für rund 10 % der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Reduktion von Lebensmittelabfällen ist daher weit mehr als ein Einzelaspekt nachhaltiger Ernährung. Sie ist ein wichtiger Hebel, um mehrere Ziele gleichzeitig voranzubringen: weniger Ressourcenverbrauch und Treibhausgasemissionen, geringere Kosten für Haushalte und ein effizienterer Umgang mit wertvollen Lebensmitteln.