Bernard Lehmann betont im Interview, die Zukunft der Landwirtschaft entscheide sich nicht allein am Anteil der zertifizierten Bioproduktion. Entscheidend sei viel mehr, Produktionsweisen, Wertschöpfungsketten, Konsum und politische Rahmenbedingungen gemeinsam in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern. Forschung müsse deshalb über einzelne Verfahren hinausgehen und neben Erträgen und Ernährungssicherheit auch Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimawirkungen und soziale Folgen berücksichtigen.
Biolandbau und Agrarökologie zusammendenken
Bernard Lehmann plädiert dafür, zertifizierten Biolandbau und Agrarökologie nicht gegeneinander auszuspielen. Der Biolandbau schaffe verbindliche und nachvollziehbare Standards. Agrarökologische Ansätze könnten zugleich schrittweise Verbesserungen in der gesamten Landwirtschaft ermöglichen. Beide Ansätze könnten dazu beitragen, die Abhängigkeit von externen Betriebsmitteln zu verringern und ökologische Leistungen stärker zu berücksichtigen.
Er betont zudem, dass die Transformation über die landwirtschaftliche Produktion hinausreiche: Weniger Lebensmittelverluste, eine geringere Konkurrenz zwischen Futter- und Nahrungsmittelproduktion sowie veränderte Konsummuster können nachhaltigere Ernährungssysteme fördern. Gesunde Lebensmittel müssten dabei für alle erschwinglich bleiben.
Die Rolle des FiBL
Für diesen Prozess ordnet Bernard Lehmann auch die Rolle des FiBL ein: Das Institut verbindet Forschung, Beratung und Wissenstransfer. Es entwickelt den Biolandbau auf wissenschaftlicher Grundlage weiter und macht Erkenntnisse über den zertifizierten Sektor hinaus für Agrarökologie und andere Landwirtschaftssysteme nutzbar. Der Dialog mit Praxis und Gesellschaft sei dabei, so Bernard Lehmann, keine Ergänzung zur Forschung, sondern eine Voraussetzung für ihre Wirkung.
Das vollständige Interview mit Bernard Lehmann ist auf Bioaktuell.ch erschienen (Link siehe unten).
Weitere Informationen
Tagung "Le Bio e(s)t la Suisse"
Bernard Lehmann nimmt am Donnerstag, 10. Dezember 2026 als Gastredner an der Tagung "Le Bio e(s) t la Suisse" teil. FiBL, Bio Suisse und Bioinspecta blicken 2026 auf ein Jahrzehnt gemeinsamen Engagements in der Westschweiz zurück. Zum Abschluss dieses Jubiläums findet diese Tagung statt (französischsprachig). Dabei kommen im Theatersaal von Renens im Kanton Waadt Akteur*innen der Schweizer Biobranche, politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger*innen sowie Personen zusammen, die sich für die Weiterentwicklung des Biolandbaus interessieren.
Links
- bioaktuell.ch: Interview mit Bernard Lehmann "Bio allein kann nicht alle Probleme lösen"
- 10ans.bioactualites.ch: Alle Informationen zur Tagung "Le Bio e(s)t la Suisse" (auf Französisch)
