Teilnehmende aus den Bereichen Landwirtschaft, Beratung und Forschung lernten vormittags den aktuellen Stand eines Kosten-Nutzen-Rechners für biodiversitätsfördernde Maßnahmen kennen. Das digitale Werkzeug wird im FarmBioNet-Projekt entwickelt und soll Betrieben künftig eine Orientierung geben, welche betrieblichen Kosten mit unterschiedlichen Maßnahmen verbunden sein können. Zudem wird betrachtet, welche möglichen Leistungen beziehungsweise Vorteile ihnen gegenüberstehen.
Im einem Workshop stellten Mitarbeitende des FarmBioNet den aktuellen Stand des Tools vor, um es mit den Teilnehmenden in seiner Praxistauglichkeit zu prüfen. Diese Validierung findet in allen elf Partnerländern statt und soll helfen, den Kosten-Nutzen-Rechner weiterzuentwickeln.
Realistische Bewertung aus der Praxis ist wichtig
Um zu einer Einschätzung des Tools zu gelangen, wurden drei im Vorfeld ausgewählte biodiversitätsfördernde Maßnahmen intensiver betrachtet und diskutiert. "Wir haben den Erhalt von Feuchtgebieten, die Bewirtschaftung von Brachflächen sowie den Erhalt und Schutz artenreicher Dauergrünlandflächen diskutiert", sagt Projektleiterin Carolin Vogelsang. Dabei zeigte sich schnell, wie wichtig die Erfahrungen aus der Praxis für eine realistische Bewertung sind. "So kann es beispielsweise einen erheblichen Unterschied machen, ob Landwirt*innen eine Maßnahme auf Eigentums- oder Pachtflächen umsetzen", erklärt Vogelsang.
Nach der Theorie ging es am Nachmittag hinaus in die Praxis, um den Betrieb und seine Flächen genauer kennenzulernen. Mit dem Auto ging es zu zwei unterschiedlichen Weiden, auf denen jeweils Herden der charakteristischen Highland-Rinder grasten.
Einblicke in Grünlandbewirtschaftung
Betriebsleiter Martin Holm gab dabei Einblicke in rund 30 Jahre ökologische Grünlandbewirtschaftung und in viele größere und kleinere Entscheidungen, mit denen er Biodiversität in den Betriebsalltag integriert. Ein spannender Ansatz betrifft die Entwurmung der Rinder. Holm entwurmt sie nicht mehr prophylaktisch mit chemisch-synthetischen Mitteln. Stattdessen bewertet er den Gesundheitszustand der Tiere durch engmaschige Kontrollen und behandelt sie, wenn nötig. Der Landwirt betont in diesem Zusammenhang: "Unsere Herde hat sich mit der Zeit immer stärker immunisiert und steht gesundheitlich top da." Durch solche Konzepte reduziert er den Einsatz von Entwurmungsmitteln. Das wiederum fördert dungbewohnende Insekten.
Gerade solche Beispiele machten deutlich, dass Biodiversitätsförderung nicht nur aus einzelnen sichtbaren Maßnahmen besteht, sondern auch durch betriebliche Entscheidungen in Tierhaltung und Bewirtschaftung beeinflusst werden kann.
"Der Betriebsbesuch bot viel Raum für Fragen und offene Diskussionen darüber, welche Ansätze sich bewährt haben, wo Zielkonflikte entstehen und wie sich Naturschutz, Tierhaltung und wirtschaftliche Anforderungen miteinander verbinden lassen", sagt Projektleiterin Carolin Vogelsang und ergänzt: "Der Tag in Worpswede hat genau das gezeigt, worum es FarmBioNet geht: Praxiswissen sichtbar zu machen, Erfahrungen miteinander zu teilen und gemeinsam daran zu arbeiten."
