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Langzeitstudie aus Bolivien: Agroforstsysteme und Bioanbau liefern beachtliche Kakaoerträge

Mehrere reife Kakaoschoten wachsen an den Ästen eines Kakaobaums inmitten dichter tropischer Vegetation.

Ein 14-jähriger Kakaobaum in einem dynamischen Agroforstsystem trägt Früchte. (Foto: FiBL, Johanna Rüegg)

Luftbild von zwei nebeneinanderliegenden Anbauflächen, links mit dichtem Baumbestand in unterschiedlichen Höhen und rechts mit lückigerer und einheitlicher Vegetation.

Luftbild des SysCom-Langzeitversuchs in Bolivien: Biokakao-Monokultur (rechts) und biologisch gemanagtes komplexes Agroforstsystem (links). (Foto: FiBL, Marco Picucci)

Mehrere grüne und rötlich-braune Bananenstauden liegen auf großen Blättern am Boden.

Verschiedene Bananensorten werden in den dynamischen Agroforstsystemen mit Kakao kombiniert. (Foto: FiBL, Johanna Rüegg)

Zwei Personen wiegen geöffnete Kakaofrüchte und deren Inhalt auf dem Boden eines tropischen Anbausystems.

Zwei Mitarbeiter des Sara-Ana-Zentrums für Forschung und Bildung wägen den Kakaoertrag pro Baum in einem dynamischen Agroforstsystem des SysCom Versuchs. Im Zwei-Wochen-Rhythmus erhebt das lokale Team den Kakaoertrag pro Baum und die Menge an kranken Früchten, da Kakao das ganze Jahr hindurch Früchte trägt. (Foto: FiBL, Laura Armengot)

Fruchtstände mit gelben, grünen und orange-roten Pfirsichpalmenfrüchten sind auf grossen Blättern ausgelegt.

Die Pfirsichpalme (Bactris Gasipaes) ist eine Palmfrucht aus dem Amazonasgebiet, welche sich gut mit Kakao in Agroforstsystemen kombinieren lässt. Die Frucht wird gekocht gegessen und schmeckt ähnlich wie Maroni oder Kürbis. (Foto: FiBL, Johanna Rüegg)

Luftaufnahme eines vielfältigen Agroforstsystems mit Kakao, Bananen und verschiedenen Baumarten.

14-jähriges dynamisches Agroforstsystems mit mehreren Kronenschichten: Kakaobäume stehen im Schatten von Frucht-, Wertholz- und Biomassebäumen, deren Kronen durch regelmässigen Schnitt klein gehalten werden. (Foto: FiBL, Marco Picucci)

Nachhaltige Anbausysteme wie Bioanbau und komplexe Agroforstsysteme können bei der Kakaoproduktion Erträge erzielen, die weit über den Durchschnittserträgen der Länder liegen, die Hauptproduzenten von Kakao sind. Der einzigartige SysCom-Langzeitversuch des FiBL und seiner Partner liefert dazu über einen Zeitraum von 15 Jahren empirische Ertragsdaten.

Im SysCom-Programm vergleicht das FiBL seit fast 20 Jahren mit lokalen Partnern biologische und konventionelle Anbausysteme in Bolivien, Indien und Kenia – in Bolivien liegt der Fokus auf Kakaoanbausystemen. 

Die Ergebnisse aus Bolivien zeigen, dass komplexe Agroforstsysteme Lebensmittelproduktion und Ökologie erfolgreich vereinen. Der Versuch vergleicht seit 2008 fünf Kakaoproduktionssysteme in Alto Beni: Komplexe, mehrschichtige Agroforstsysteme werden mit Kakao-Monokulturen verglichen, ausserdem biologischer mit konventionellem Anbau. 

Die vom FiBL publizierte Studie "Competitive yields in organic and agroforestry cacao cropping systems: results from 15 years of a long-term systems comparison trial in Bolivia" (Link dazu unten) zeigt die Erträge von Kakao und Begleitkulturen und beschreibt im Detail, wie sich die Systeme über 15 Jahre entwickelt haben und was aus den Resultaten für die Biokakao- und Agroforst-Praxis abgeleitet werden kann.

Erträge klar über den Durchschnittserträgen der grössten Produzentenländern

Die durchschnittlichen Erträge in den konventionellen und biologischen Kakao-Monokulturen lagen in der Vollertragsphase bei etwa 1300 Kilogramm Trockenkakaobohnen pro Hektare, bei den drei Agroforst-Systemen bei durchschnittlich 736 Kilogramm. Zum Vergleich: die Ertragsdaten der fünf grössten Kakaoproduzenten (Elfenbeinküste, Ghana, Indonesien, Ecuador und Kamerun) lagen im Jahr 2022 gemäss FAOSTAT bei etwa 533 Kilogramm pro Hektare. 

Auch wenn die erzielten Erträge in den Agroforstsystemen nur 56 Prozent der Monokulturen im Versuch entsprechen, sind sie beachtlich – insbesondere, da es sich um Agroforstsysteme mit hoher Komplexität handelt (300 bis 800 Schattenbäume pro Hektare, bis zu über 50 Begleitarten). 

Frühere und laufende Studien im selben Versuch zeigen, dass die Erträge neben dem Anbausystem auch stark von der Kakaosorte und der Architektur der Kakaobäume abhängen. Im Versuch sind 12 Kakaosorten mit unterschiedlichem Produktionspotential gemischt, die potenziellen Erträge könnten somit je nach Sortenwahl, aber auch mit dem entsprechenden Kronenaufbau, noch gesteigert werden.

Die Ergebnisse der Studie belegen zudem, dass die Kakaoerträge durch die Lichtverfügbarkeit begrenzt sind. Dies ist aus der Literatur bekannt. Neu in dem Versuch ist, dass die Schattenbäume in allen drei untersuchten Agroforstsystemen regelmässig geschnitten wurden, um den Zielkonflikt zwischen hoher Baumdichte, zugunsten Ökologie und Wertholzproduktion, sowie dem Lichteinfall für die Kulturen zu managen. Dieser regelmässige Baumschnitt hat noch einen weiteren Effekt: Er ersetzt in Agroforstsystemen die Düngung, indem er die Nährstoffkreisläufe beschleunigt. 

Diversifizierung der Produktion und hohe Systemerträge in Agroforstsystemen

Der entscheidende Vorteil der Agroforst Systeme liegt jedoch in der Produktvielfalt – bis zu 22 verschiedene Kulturen in 15 Jahren – und den damit verbundenen höheren Gesamterträgen und Biomasseproduktion. In Agroforstsystemen waren die Gesamterträge fast sieben Mal höher als in den Monokulturen. 

Die hohe Diversität an Produkten – je nach System darunter zum Beispiel Bananen, Kaffee, Avocados, Ingwer oder Kurkuma – führt potenziell zu mehr Ernährungssicherheit und zu mehr Selbstbestimmung bei den Produzent*innen. Während Kakao meist für den Export kultiviert wird, werden die Begleitkulturen oft für den lokalen Markt oder zur Selbstversorgung angebaut.

Empfehlungen für das Design und Management von Bioagroforstsystemen

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Praxis:

  • Kombination von Arten: In komplexen Agroforstsystemen können verschiedene Kulturen kombiniert werden, die sich in Bezug auf den Produktionszeitraum (einjährig, kurzlebig und langlebig), den Wuchstyp und den Lichtbedarf unterscheiden. Und das auf der gleichen Fläche!
  • Bio ohne Ertragseinbussen: Die Ergebnisse zeigen, dass biologische Kakaoproduktion mit Kompostdüngung ähnliche Erträge erzielen kann wie konventionelle Produktion mit synthetischem Dünger. In Agroforstsystemen können synthetische Düngemittel (zumindest teilweise) durch Pflanzen ersetzt werden, die viel Biomasse erzeugen und als Mulch dienen. Dieses Prinzip aus dem dynamischen oder syntropischen Agroforst wurde in der Studie erfolgreich getestet.
  • Wichtigkeit des Managements: Bei einer hohen Dichte an Begleitbäumen, ist deren regelmässiger Rückschnitt essenziell, um die Lichtverfügbarkeit zu garantieren und befriedigende Kakaoerträge zu erzielen.

Umfassende ökonomische Analyse soll zeigen, wo Barrieren für Bio- und Agroforstsysteme sind

Zusammen mit einer Reihe von Publikationen, welche die positiven Effekte von Agroforst belegen (zum Beispiel auf die Biodiversität, den Kohlenstoff- und den Wasserkreislauf), zeigen die neuen Resultate, dass biologische Agroforstsysteme gleichzeitig eine beeindruckende Produktivität erbringen und damit einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der lokalen Bevölkerung leisten können. Die im Vergleich mit intensiven Monokulturen geringeren Erträge der Hauptkultur Kakao und das Management der Schattenbäume stellen jedoch eine Herausforderung für die Praxis dar.

Im Langzeitversuch wurden von Beginn an Daten zum Einsatz von Arbeit und Material detailliert dokumentiert. Basierend auf diesen Daten arbeitet das Forschungsteam derzeit an einer umfassenden ökonomischen Analyse der Anbausysteme. Dies wird aufzeigen, wo es ökonomische oder politische Massnahmen benötigt, um diese produktiven und ökologischen Anbausysteme zu fördern. Eine Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist laut den Forschenden entscheidend, um komplexe Agroforstsysteme für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern realisierbar und attraktiv zu machen. Dazu gehören auch Angebote in den Bereichen Beratung, Weiterbildung und Dienstleistung wie zum Beispiel der Schnitt der Schattenbäume.

Die Studie wurde als Teil des SysCom-Programms (Farming System Comparison in the Tropics) durchgeführt und von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), dem Entwicklungsdienst Liechtenstein (LED), der Biovision Stiftung und dem Coop Nachhaltigkeitsfonds finanziert.

Weitere Informationen

Kontakt

Studie

Rüegg, J., Saj, S., Schneidewind, U., Milz, J., Schneider, M., & Armengot, L. (2025). Competitive yields in organic and agroforestry cacao cropping systems: results from 15 years of a long-term systems comparison trial in Bolivia. Agronomy for Sustainable Development, 45(6), 76. https://doi.org/10.1007/s13593-025-01073-8

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