Idyllisch am Ahémé-See gelegen, bot das Städtchen Bopa den idealen Rahmen für die Konferenz, an der rund 160 Personen teilnahmen, hauptsächlich Forschende, aber auch Vertreter*innen von Regierungsstellen, NGO und anderen Institutionen, wie der mitfinanzierenden DEZA, der schweizerischen Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit.
Den Weg für eine stärkere Verbreitung der Agrarökologie ebnen
Ursprünglich war die Veranstaltung als Abschlussveranstaltung des dreijährigen Projekts CARE r4d (Capitalization of agroecological research evidence from the r4d programme in West Africa) gedacht, doch im Verlauf der Vorbereitungen hatten die Projektpartner beschlossen, daraus eine vollwertige dreitägige Konferenz zu machen. Das Projekt zielte nicht nur darauf ab, Forschungsergebnisse aus dem grossangelegten Programm "r4D" (Research for Development), das 2024 auslief, zu verbreiten, sondern auch den Weg für eine verbesserte Umsetzung der im Rahmen des Programms getesteten und geförderten agroökologischen Praktiken zu ebnen.
Dieses gemeinsame Programm der DEZA und des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierte Forschungspartnerschaften zwischen der Schweiz und Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika, um Entscheidungsträger*innen wissenschaftliche und entwicklungspolitisch relevante Erkenntnisse zur Verfügung zu stellen.
Vielfältige Themen im Konferenzprogramm
Im Mittelpunkt der Konferenz standen intensive fachliche Diskussionen, sei es im Konferenzsaal, an den Marktständen der Projektpartner*innen oder bei deren Posterpräsentationen. Dabei fiel auf, dass in Westafrika sehr ähnliche Themen im Fokus stehen wie bei uns, wenn auch vielfach mit höherer Dringlichkeit – so etwa die Wasserknappheit oder die mangelnde Rentabilität der Landwirtschaft.
In den Referaten und Posters zu den Projekten kamen unter anderem diese Themen zur Sprache:
- Agroforst
- Biologischer Pflanzenschutz
- Ernährungssicherheit
- Mischkulturen
- Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette
- Reduzierte Bodenbearbeitung
- Sparsamer Umgang mit Wasser
- Züchtung resistenter Sorten
Auch diverse sozioökonomische Faktoren wurden angesprochen und teilweise vertieft:
- Mangelnde Rentabilität der Landwirtschaft aufgrund tiefer Produzentenpreise
- Die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft und die Förderung ihrer Ermächtigung
- Bevölkerungswachstum, Stadtflucht
- Marktzugang
Von der Forschung in die Praxis
Eine zentrale Rolle bei der Verbesserung der Situation in allen vier Ländern spielt die Weiterbildung, einerseits um die wirtschaftliche und soziale Situation der Landwirt*innen zu verbessern, gleichzeitig aber auch den Umweltgedanken stärker zu verankern. CARE r4d hatte sich deshalb zum Ziel gesetzt, agroökologischen Forschungsergebnissen aus dem r4d-Programm in Westafrika in der Praxis zu verbreiten.
Dabei setzte die FiBL-Projektleitung um Fernando Souza und Andreas Fliessbach auf transdisziplinäre Netzwerke in Mali, Burkina Faso, Ghana und Benin. Die beteiligten Projektpartner finden sich in der FiBL-Projektdatenbank. Mithilfe eines partizipativen Ansatzes ist es ihnen gelungen, im Projektzeitraum von drei Jahren über 8700 Personen direkt zu erreichen. Das Netzwerk organisierte über 100 Veranstaltungen an 53 Standorten. Die Aktivitäten umfassten Videovorführungen, Schulungen für Bäuerinnen und Bauern, Demonstrationsparzellen, Radiosendungen, Theaterstücke sowie eine Zusammenarbeit mit dem solarbetriebenen, mobilen Kino "Cinéma du Désert".
Aus der grossen Auswahl von agroökologischen Forschungsthemen wählten die Verantwortlichen für die Dissemination aus:
- Agroforst mit Bäumen aus der Familie der Leguminosen
- Bodenverbesserung mit organischem Material
- Produktion von Insekten für die Tierfütterung
Fortschritte, Hindernisse und Gründung eines Netzwerks
Die Konferenz zeigte auf, dass der grosse agrarökologische Durchbruch zwar noch nicht gelungen ist, dass es aber durchaus Fortschritte gibt. Laut Schätzungen von Charles Bertrand Pomalegni vom Forschungsinstitut Inrab in Benin wenden immerhin rund zehn Prozent der Landwirt*innen in Benin agrarökologische Methoden an; für die anderen drei Länder dürften ähnliche Zahlen gelten.
Allerdings gibt es noch markante Hindernisse auf dem Weg zu weiterer Verbreitung. Weil die Produktion aufwändiger ist, sind die Produkte teurer, was ihren Absatz erschwert. Zudem fehlen im Handel häufig die Kenntnisse. In Burkina Faso und Mali kommt in weiten Teilen der Länder erschwerend die prekäre Sicherheitssituation hinzu.
Das Projekt bestätigte aber laut Aussagen der Leitenden an der Konferenz, "dass vielfältige und forschungsbasierte Verbreitungsmethoden die Kluft zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und bäuerlicher Praxis wirksam überbrücken können". Um diesen Prozess weiterzuführen, gründeten die Beteiligten – und das ist wohl eine der zentralen Errungenschaften der Konferenz – das Westafrikanischen Agrarökologie-Netzwerks.
Für das Flechten an diesem Netzwerk bot die Veranstaltung reichlich Gelegenheit, sei es während der regelmässigen Essenspausen oder anlässlich des Abendprogramms. Einer der Höhepunkte war die Open-Air-Vorführung des Films "La Veine Verte", der die Fortschritte der Agrarökologie in Westafrika dokumentiert (weitere Infos über den Film und die mobilen Kinobetreiber*innen von "Cinéma du désert" in den Links unten).
Mehr Eindrücke über die Konferenz gibt es in einem vom FiBL erstellten Video (Link siehe unten).
Autor: Adrian Krebs, FiBL
Weitere Informationen
Kontakt
Links
- 4rd.ch: R4D-Projekt-Website
- fibl.org: Das Projekt "CARE R4D" in der FiBL-Projektdatenbank
- youtube.com: Video zur Abschlusskonferenz
- vimeo.com: Video über die Erfahrungen mit "Cinéma du Desert"
- laveineverte.org: Dokumentarfilm "La Veine verte"



