Spezielle Optimierungen für den Internet Explorer 11 stehen noch an. Bitte nutzen Sie derweil zur besseren Ansicht einen aktuelleren Browser wie z.B. Firefox, Chrome

Österreichs Legehennenhaltung als Modell für eine Tierwohlwende am Beispiel der Mastgeflügelhaltung

Projekttitel in der OriginalspracheÖsterreichs Legehennenhaltung als Modell für eine Tierwohlwende am Beispiel der Mastgeflügelhaltung
Abstract

Die proaktive Haltung der Legehennenbranche hat gemeinsam mit den vermarktenden Strukturen eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Österreich kann stolz von sich behaupten, seit 1.1.2020 als einziger EU-Mitgliedsstaat legehennenkäfigfrei zu sein und somit EU-weit die tiergerechteste Legehennenhaltung zu haben. Anzahl der Betriebe und der Legehennen, die Struktur der Betriebe, die Eierpreise und der Selbstversorgungsgrad haben sich mit der Branchenentscheidung zum frühzeitigen Käfigende in Österreich positiv entwickelt.

Die einfache Modellierung einer Tierwohlwende für den Masthühnerbereich zeigt, dass ein Mehr an Platz je Masthuhn ggf. in Kombination mit einer langsamer wachsenden Genetik mit Erzeugungsmehrkosten von 7-46 % veranschlagt werden muss. Ausgehend von den Erfahrungen im Legehennenbereich kann die Umsetzung einer Tierwohlwende im Mastgeflügel empfohlen werden.

Detaillierte Projektbeschreibung

In der Haltung von Legehennen nimmt Österreich innerhalb der EU eine Sonderstellung ein. Durch die gemeinsame Entscheidung der österreichischen Geflügelbranche ist mit 1.1.2020 die Haltung von Legehennen in Käfigen Geschichte. Der Vergleich mit den weiteren EU-Staaten bestätigt den entscheidenden Einfluss von politischen Rahmensetzungen. Während Österreich bereits käfigfrei ist, hat der ausgestaltete Käfig innerhalb der EU-28 noch immer mit 50,4 % die absolute Mehrheit. Laut der Europäischen Bürger*inneninitiative (EBI) „End the cage age“ müssen in Summe in Europa noch immer 300 Millionen Nutztiere im Käfig leben. Die 2019 von 170 Organisationen und über 1,6 Millionen Menschen unterstützte Initiative will dieser wenig tiergerechten Haltung von Tieren in der Landwirtschaft in der EU ein Ende setzen (https://www.endthecageage.eu/). Weltweit betrachtet stammen gar 95-99 % aller produzierten Eier noch immer aus dem Käfig (Wurzer, 2019).

Wie es dazu kommen konnte, den Legehennenkäfig in Österreich früher als der Rest der EU zu verbannen war ein wesentlicher Teil der 2019 von Vier Pfoten – Stiftung für Tierschutz an das Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL vergebenen Studie „Österreichs Legehennenhaltung als Modell für eine Tierwohlwende am Beispiel der Mastgeflügelhaltung“.

Erwartungsgemäß lässt sich nicht der eine, alles entscheidenden Faktor isolieren. Vielmehr fußt Österreichs nutztierhaltungstechnische Pionierleistung auf einer Kombination aus dem Wirken visionärer, kommunikativer Persönlichkeiten im Tierschutz, in der landwirtschaftlichen Praxis, im Handel, in der Wissenschaft, in der Politik und in der Wirtschaft. Dieser Schulterschluss erlaubte es auf Basis klar und einfach kommunizierbarer Vermarktungsnormen verbindliche Branchenlösungen. Das gemeinsam erarbeitete Gesamtpaket bot allen Beteiligten eine hohe Planungssicherheit und die Aussicht auf ein gedeihliches Wachstum.

Reduziert man die Fülle der für die positive Entwicklung der österreichischen Legehennenwirtschaft entscheidenden Handlungen auf das Skelett, dann bleibt die meist symbiontisch funktionierende Kombination aus Vier Pfoten (Heli Dungler), Toni’s Freilandeier (Toni Hubmann), Billa (Karl Wlaschek), Zentrale Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Geflügelwirtschaft ZAG (Michael Wurzer), Nutztierwissenschaften (Helmut Bartussek und Knut Niebuhr) und den gesetzlichen Rahmenbedingungen (z. B. EU-weit definierte und ausgelobte Vermarktungsnormen für Eier).
Warum in Österreich gerade die Legehennenhaltung hinsichtlich Tiergerechtheit innerhalb der EU eine Vorrangstellung einnimmt, hängt laut Meinung der 20 befragten Expert*innen vor allem mit dem existenziellen Henne-Ei-Mythos und darauf aufbauend mit dem Ei als für sich verpacktes, symbolträchtiges Lebensmittel zusammen. Ein wesentlicher Grund dürfte auch darin zu finden sein, dass das Ei auch in tiergerechten Produktionsvarianten vergleichbar wenig kostet.

Das gerne vorgebrachte Argument, dass ein Mehr an Mindest-Tierwohl das kleine Österreich vom agrarischen Weltmarkt entkopple und in der Folge negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der kleinstrukturierten österreichischen Landwirtschaft habe, können die Zahlen nicht bestätigen. Vielmehr haben sich der Legehennenbestand, die Anzahl der legehennenhaltenden Betriebe und die erzielten Eiererlöse seit Österreichs Alleingang zum frühzeitigen Käfigausstieg positiv entwickelt. Die Schritt für Schritt umgesetzte Verbesserung der österreichischen Legehennenhaltung machte vielmehr österreichische Eier im Lebensmittelhandel zu einer Konstanten, zumal die Eier wegen ihrer vielfältigen Garantien und Qualitäten nicht beliebig austauschbar sind.
Aufbauend auf dieser einmaligen Nutztierhaltungs-Erfolgsgeschichte sollte in einem zweiten Teil der Studie modelliert werden, inwieweit dieses „Österreichische Tierwohlerfolgsmodell“ auf die Hühnermast umlegbar wäre. Die sechs modellierten Szenarien variierten ausgehend von der guten landwirtschaftlichen Praxis Extensivierungsvarianten hinsichtlich der eingesetzten Genetik und der Besatzdichte im Stall bzw. Zusatzplatz im Außenbereich.

Das Ergebnis der Modellierung zeigt eine Erhöhung von landwirtschaftlichen Produktionskosten um 7 % (Szenario 3; mit lediglich Außenscharraum und ansonsten keinen Veränderungen gegenüber den herkömmlichen Broilermastverfahren) bis 46 % (Szenario 4; Haltungssystem nach Bio-Vorschriften und langsam wachsende genetische Herkünfte). Inwiefern der Markt diese höheren Erzeugerpreise verträgt, konnte im Rahmen der gegenständlichen Modellierungen nicht ermittelt werden.

Finanzierung/ Donor
  • Vier Pfoten - Stiftung für Tierschutz Österreich
Projektbeirat
  • Heli Dungler, Gerald Dick, Eva Rosenberg (alle Vier Pfoten)
  • Reinhard Geßl (FiBL Österreich)
FiBL-Projektleitung/ Kontakt
FiBL-Mitarbeitende
Rolle des FiBL

Projektleitung

Forschungsschwerpunkte
Änderungsdatum 16.03.2020
Zurück zur Übersicht/ Suche