Diese Website unterstützt Internet Explorer 11 nicht mehr. Bitte nutzen Sie zur besseren Ansicht und Bedienbarkeit einen aktuelleren Browser wie z.B. Firefox, Chrome

Wie reagieren Bodenökosysteme auf zukünftige Klima­veränderungen?

Vor einem Alpengipfel stehen Regendächer auf einer Wiese, darunter knien Personen und arbeiten am Boden.

Auf der Hälfte der Probenahmestellen im Kanton Graubünden wurden mithilfe von Dächern und Kammern zukünftige Klimabedingungen mit geringerem Niederschlag und höheren Temperaturen simuliert. (Foto: FiBL, Ralf C. Müller)

Eine Person sitzt am Boden und baut eine Klimakammer ab.

Über zwei Jahre simulierten die Klimakammern unter den Regendächern einen Temperaturanstieg. Während dieser Zeit erfassten Datenlogger die Temperaturen an sechs Messstellen über und unter der Erde (bis zu einer Tiefe von 30 cm) sowie die Bodenfeuchte in zwei Tiefen. (Foto: FiBL, Ralf C. Müller)

Zwischen den Regendächern sind viele rote Schirme aufgespannt, unter denen Personen arbeiten.

Weil die Wetterbedingungen in der Region rasant wechseln, musste das Team improvisieren, um einen optimalen Zustand der Bodenproben zu gewährleisten. (Foto: FiBL, Dominika Kundel)

Zwischen den Regendächern sind viele rote Schirme aufgespannt, unter denen Personen arbeiten.

Bei der Feldarbeit waren deutliche Vegetationsunterschiede bei unterschiedlichen Bewirtschaftungs­intensitäten erkennbar. In diesem Bild ist das intensivste Bewirtschaftungs­­system zu sehen. Foto: FiBL, Dominika Kundel

Auf dem Vegetationsausschnitt blühen Pflanzen in verschiedenen Farben, ein Schild markiert den Probeort.

In diesem Bild ist das Bewirtschaftungs­system mittlerer Intensität zu sehen. (Foto: FiBL, Dominika Kundel)

 	Auf dem Vegetationsausschnitt ist der Löwenzahn bereits verblüht.

Die Vegetation war unter trockeneren und heisseren Bedingungen fortgeschrittener als die der zugehörigen Kontrollflächen. Zusätzlich war die Biomassenmenge unter den simulierten Klimabedingungen geringer. (Foto: FiBL, Dominika Kundel)

Steigende Temperaturen sowie häufigere, intensivere und länger anhaltende Dürren belasten die Bodenökosysteme zusätzlich zur intensiven Landnutzung. Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts BIOservicES analysiert das FiBL gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam Bodenproben unter anderem aus dem Schweizer Kanton Graubünden, um ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge zu gewinnen.

Bodenorganismen spielen eine entscheidende Rolle: Sie zersetzen abgestorbenes Material, recyceln Nährstoffe, die Pflanzen zum Wachsen benötigen, erhalten die Bodenstruktur und tragen letztlich zur Gesundheit von Pflanzen und Menschen bei.

Auswirkungen von Hitze auf das Bodenleben

Wenn Pflanzen durch Hitze oder Dürre gestresst werden, verlangsamt sich ihr Wachstum, und sie verändern die Menge und Qualität der Wurzelexsudate, die sie an den Boden abgeben. Dadurch verringern sich die Nahrungsressourcen für das Bodenleben. Gleichzeitig stellen trockene und heiße Bedingungen für viele Organismen eine direkte Herausforderung dar, da sie die zum Überleben benötigte Feuchtigkeit einschränken.

Veränderungen in den Pflanzengemeinschaften können zudem die Vielfalt der unterirdisch verfügbaren Nahrungsquellen verringern. Wiederholte Dürren und Hitzewellen können die Bodenbedingungen verschlechtern, indem sie den Boden austrocknen und seine Wasserverfügbarkeit verringern. Dadurch werden die Lebensräume vieler Bodenorganismen eingeschränkt.  Zusammengenommen können diese Veränderungen die Bodenökosysteme schwächen.

Besseres Verständnis der Zusammenhänge

Um diese Auswirkungen besser zu verstehen, wurde im schweizerischen Graubünden durch das FiBL ein Klimawandel-Experiment durchgeführt. Die Alpen sind für solche Forschungsarbeiten von hoher Relevanz, da sie äußerst empfindlich auf Erwärmung reagieren und Umweltveränderungen früher und intensiver zeigen als viele andere Gebiete. Zudem erbringen die Alpen wichtige Ökosystemleistungen, wie beispielsweise die Trinkwasserversorgung für weite Teile Europas. Deshalb können Veränderungen in dieser Region weitreichende Auswirkungen haben.

An drei Standorten mit Grünland unterschiedlicher Bewirtschaftungsintensität simulierten das Projektteam mithilfe von Dachkonstruktionen zukünftige Klimabedingungen. V-förmige Regenrinnen reduzierten den Niederschlag um etwa 50 Prozent, während nach oben offene Kammern die Lufttemperatur um etwa zwei Grad Celsius erhöhten. An jedem der drei Standorte wurden je fünf Kontrollparzellen mit normalen Klimabedingungen und fünf Versuchsbereiche mit simulierten zukünftigen Klimabedingungen eingerichtet. Das Experiment fand im Zeitraum zwischen Mai 2024 und 2026 statt.

Wichtige Forschungsfragen und -grundlagen

Die Proben werden auf physikalische, chemische und biologische Indikatoren untersucht, darunter Bodenstruktur, Nährstoffgehalt sowie die Vielfalt und Funktion bodenlebender Organismen. Dazu gehört die Identifizierung von Bakterien, Archaea, Pilzen, Protisten, Mikroarthropoden, Isopoden, Tausendfüßern, Insekten, Spinnen, Nematoden und Regenwürmern mittels verschiedener Methoden, darunter auch DNA-basierte Analysen. Erste Ergebnisse aus der Auswertung der Probenahmen können Ende 2027 erwartet werden.

Bisher wurden in der Schweiz lediglich 13 Prozent der landwirtschaftlichen Böden detailliert untersucht und klassifiziert. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, das Verständnis der Schweizer Böden weiter zu vertiefen. Sie können zudem als wertvolle Grundlage für Entscheidungen zur Landnutzung in einem sich rasch wandelnden Klima, sowie für zukünftige Forschungsarbeiten dienen.

Das Projekt wird durch die europäische Kommission und das Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) finanziell unterstützt.

Autor*in: Dominika Kundel, Ralf Müller

Weiterführende Informationen

Kontakt

Dominika Kundel

Link

fibl.org: Das Projekt "BIOservicES" in der FiBL-Projektdatenbank