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Weideschlachtung: Positive erste Ergebnisse für Pionierprojekt

Rinder in einer kleinen Koppel mit Hochsitz

Für die Weideschlachtung bringt Landwirt Nils Müller die Tiere in ihrer vertrauten Gruppe in eine separate Koppel mit Hochsitz, von wo aus er das zu schlachtende Tier ins Visier nimmt (Bild: Gabriela Müller)

Der Transport ins Schlachthaus und das hektische Umfeld sind für die Tiere Stressfaktoren, die Leiden verursachen und negative Auswirkungen auf die Fleischqualität haben. Mit Unterstützung von FiBL und VIER PFOTEN hat Landwirt Nils Müller deshalb die Einführung der in der Schweiz bisher verbotenen Weideschlachtung vorangetrieben. Heute sind in Forch erste positive Ergebnisse vorgestellt worden.

(Frick, 9.6.2015) Es ist eine Premiere für die Schweiz: Nach einem langwierigen Verfahren hat Landwirt Nils Müller im vergangenen Dezember vom Veterinäramt Zürich eine beschränkte Teilbewillligung für zehn Weideschlachtungen direkt auf seinem Betrieb erhalten. Das tierfreundliche System sorgt dafür, dass die Schlachttiere bis zum Tod in der vertrauten Umgebung verbleiben können. Auf dem Bauernhof Zur Chalte Hose in Forch ZH haben die Verantwortlichen des Projekts nach drei erfolgreichen Weideschlachtungen am Dienstagvormittag die ersten positiven Ergebnisse ihrer Arbeit vorgestellt.

"Für mich gibt es keine bessere Variante mehr"

Für das neue Verfahren haben Müller und seine Frau Claudia Wanger eine separate Koppel mit einem angrenzenden Hochsitz eingerichtet. Von dort kann der Landwirt, der zu diesem Zweck die Jägerausbildung absolvierte, das zur Schlachtung ausgewählte Tier aus kurzer Distanz ins Visier nehmen und mit einem Schuss gezielt betäuben. Anschliessend muss das Rind innerhalb von 90 Sekunden von einem Frontlader angehoben werden, damit es schnell entblutet werden kann. Mit einem Spezialanhänger bringt Müller den Schlachtkörper darauf in das nahe gelegene Schlachtlokal, wo es weniger als eine Stunde nach dem Tod zerlegt wird.  

"Bereits nach drei Schlachtungen gibt es aus meiner Sicht für meine Tiere keine bessere Variante mehr, den letzten Tag in ihrem Leben zu gestalten", sagte Landwirt Nils Müller an der Medienkonferenz. "Man sieht und spürt, dass die Tiere keinerlei Stress ausgesetzt sind, da sie in der gewohnten Umgebung bleiben und ihre Herde zum Zeitpunkt der Betäubung um sich haben".

Verhaltensforscherin Johanna Probst vom FiBL bestätigte den Befund des Landwirts: "Das Separieren aus der Herde, das Verladen auf den Transporter, der Transport an sich, sowie die Fixierung zur Betäubung am Schlachthof sind belastende Situationen für die Tiere", so Probst, "Rinder sind Herdentiere und eine Separierung bedeutet daher meistens Stress. Bei der Weideschlachtung fällt dieser belastende Schritt weg, da mehrere Rinder in die Weidekoppel gebracht werden und das zu schlachtende Tier erst vor dem Schuss ausgewählt wird", bilanzierte Probst.

"Tierschutz soll nicht am Weidezaun aufhören"

Eric Meili, Projektverantwortlicher beim FiBL sieht das neue Verfahren als Chance für auf tierfreundliche Haltung spezialisierte Rindermäster: "Die Weideschlachtung ist eine Nische für Schlachtung mit grösstmöglichem Tierwohl und Fleischqualität", so Meili, "wir sind überzeugt, dass das Verfahren eine gute Möglichkeit für direktvermarktende Produzenten ist, um den hohen Ansprüchen an die Haltung bis zur Schlachtung gerecht zu werden. Weideschlachtung wird damit zur Garantin für hochwertiges Fleisch von Tieren, die würdig leben und sterben durften", erklärte er in Forch.

"Für uns ist es wichtig, dass das Tierleid durch die Weideschlachtung wesentlich verringert wird", begründete Sabine Hartmann von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN das Engagement für das Projekt. Dieses stehe zudem für einen respektvollen Umgang mit dem Tier bis in den Tod: "Tierschutz soll nicht am Weidezaun aufhören, sondern bis an das Lebensende gewährleistet sein", sagte Hartmann. "Zudem glauben wir, dass das Projekt Weideschlachtung wegweisend ist", ergänzte sie. Immer mehr Konsumenten weltweit lehnten die industrielle Intensivtierhaltung und ethisch fragwürdige Produkte ab. Mit diesem Projekt habe die Schweiz eine grosse Chance, zu einer Vorreiterin in Sachen Tier- und Konsumentenschutz zu werden.

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