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Internationales Expertenkomitee fordert einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft

Mann an Rednerpult vor Power-Point-Präsentation.

Dr. Emile A. Frison bei seinem Referat anfangs Oktober 2016 an der ETH. zVg (iPES-Food)

Unser Welternährungssystem braucht einen radikalen Wechsel: Weg von der industrialisierten Landwirtschaft, hin zu diversifizierten Agroökosystemen. Das ist Schlussfolgerung von Dr. Emile Frison, führender Autor des Berichts "From Uniformity to Diversity" des iPES-Food Experten-Komitees (International Panel of Experts on Sustainable food system). Zur Diskussion dieses Paradigmenwechsels hatte das World Food System Center der ETH Zürich am vergangenen Mittwoch geladen. Dabei wurden Messwerkzeuge, die die Nachhaltigkeit von Ernährungssystemen messbar machen – wie beispielsweise das vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) entwickelte SMART-Tool – als wichtige Faktoren für einen erfolgreichen Wandel herausgestellt.

Die Veranstaltung wurde mit einem Vortrag von Dr. Frison, Vorsitzender des iPES-Food-Experten-Komittes, eröffnet. Laut Frison sind die Lock-ins, also die Faktoren, welche das Fortbestehen der industrialisierten Landwirtschaft gewährleisten, klar identifizierbar. Ebenso die negativen Auswirkungen dieses Systems – sei es auf Ökologie, Gesundheit oder soziale Gerechtigkeit bezogen. Schwieriger ist die genaue Definition des Soll-Zustandes. Dabei stellt vor allem die Frage "Wie soll der Übergang zu diesem Soll-Zustand aussehen?" eine grosse Herausforderung dar. Für die iPES-Experten ist ein Wandel der Subsistenzlandwirtschaft wie auch der industriellen Produktionssysteme unabdingbar und eine reine Industrialisierung der Subsistenzlandwirtschaft keine nachhaltige Lösung.

Trotz der zunächst ausweglos erscheinenden Situation, hinterliess das Referat hoffnungsvolle Zuhörer, denn Veränderungen sind im Gange. So sind (oder werden) sich laut Dr. Frison viele  Produzierende und Konsumierende und zunehmend auch federführende landwirtschaftliche Organisationen der Problematik der industrialisierten Nahrungsmittelproduktion bewusst und streben eine Veränderung an.

Für die Experten des iPES-Food Komitees ist dabei die Entwickelung von pragmatischen Messwerkzeugen und Indikatoren, welche die Nachhaltigkeit von Ernährungssystemen messbar machen, ein essentieller Erfolgsfaktor. Solch ein Messwerkzeug (SMART) wurde vom FiBL entwickelt und ist bereits weltweit im Einsatz. Mit dem wissenschaftlich fundierten SMART-Tool können die Nachhaltigkeitsleistungen von landwirtschaftlichen Betrieben und Unternehmen im Agrar- und Lebensmittelsektor effizient analysiert und bewertet werden. Dabei verfolgt SMART den von Dr. Frison geforderten ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz. Es analysiert sowohl ökologische als auch soziale und ökonomische Aspekte und zeigt so spezifische Stärken, Schwächen und Optimierungspotentiale der Landwirtschaftsbetriebe und Unternehmen auf.

Ebenfalls zielführend sind nach Aussage von Dr. Frison alternative Vermarktungskonzepte wie  Bauernmärkte, Hofläden oder Gemüseabos. Auch die Forschung und Entwicklung wurde als wegweisend genannt, wobei hier nicht nur eine ‚nachhaltige Kopie’ des industriellen Welternährungssystems gefördert und entwickelt werden sollte. Vielmehr sollten Ansätze entwickelt werden, welche eine Ablösung des vorherrschenden Systems ermöglichen. Dabei stellen die Diversifizierung von Betrieben und Kulturlandschaften, kurze Wertschöpfungsketten statt export-orientierte Produktion und politische Anreize für nachhaltige, agrarökologische Produktionssysteme statt Anreize für produktionsgebundene Investitionen nur einige der möglichen Ansätze dar.

iPES-Food ist eine unabhängige Organisation die sich zum Ziel gesetzt hat, eine nachhaltige Lebensmittelproduktion zu fördern. Auch der bekannte Schweizer Insektenforscher Hans Herren, welcher für seine Pionierforschung in der biologischen Schädlingsbekämpfung 1995 den Welternährungspreis erhielt, ist im Vorstand.

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