"Es gab keine Diskussion, die nicht engagiert geführt wurde, wenn Hildegard Fässler mit dabei war. Sie liebte den politischen Diskurs", berichtet Claudia Friedl. "Dabei vertrat sie klar linke Positionen, aber nicht stur, sondern mit Respekt vor dem Gegenüber und auch mit Humor. Ihre politischen Interessen fokussierte sie auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik. Aber auch die Landwirtschaft war ihr ein wichtiges Anliegen und sie diskutierte gerne über die ökologischen und ökonomischen Herausforderungen der Branche", so Claudia Friedl, die selbst von 2013 bis vor kurzem für die SP, die Sozialdemokratische Partei der Schweiz, im Nationalrat war.
"Als anerkannte Konsument*innenschützerin wirkte sie nie eindimensional", sagt Claudia Friedl. "Ihr war die Umweltverträglichkeit der landwirtschaftlichen Produktion ebenso wichtig wie die soziale Sicherheit der Bäuerinnen und Bauern." So erstaunte es nicht, dass Hildegard Fässler 2007 in den Stiftungsrat des FiBL aufgenommen wurde, den sie bis 2013 als Vizepräsidentin zusammen mit Martin Ott leitete.
Nach ihrem Rücktritt aus dem Nationalrat legte die studierte Mathematikerin und langjährige Mittelschullehrerin das Amt im Stiftungsrat nieder. "Ich durfte es für sie übernehmen und erkannte rasch, dass neben einer grossen Affinität zum Biolandbau der direkte Zugang zu den Behörden wichtig ist", so Claudia Friedl. "Das hatte Hildegard Fässler verinnerlicht und mit ihrer Bodenständigkeit auch glaubhaft vertreten. Hilde war mir immer ein Vorbild."
Hildegard Fässler konnte viel Türen öffnen
Martin Ott, der den Stiftungsrat des FiBL von 2007 bis 2022 präsidiert hatte, erzählt: "Ursprünglich hatten wir die damalige Berner Ständerätin Simonetta Sommaruga für den Stiftungsrat vorgesehen. Wir benötigten dringend mehr Unterstützung von Bern und mehr Akzeptanz und Unterstützung aus der Politik für das FiBL." Simonetta Sommaruga habe ihm aber empfohlen, stattdessen Hildegard Fässler anzufragen und übernahm dies gleich selber. "Hilde machts", sagte Simonetta Sommaruga kurz darauf.
Gerade, weil sie laut Martin Ott kein "Bioszenenmensch" gewesen ist, habe Hildegard Fässler dem FiBL "mit der ihr eigenen unkomplizierten und wohltuend unaufgeregten und unideologischen Art viele Türen öffnen können". Sie sei stets bereit gewesen, für das FiBL bei den Bundesbehörden treu und verlässlich hinzustehen. In der internen Arbeit im Stiftungsrat sei ihr Blick eher auf die Frauenrechte und die Förderung der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im FiBL gerichtet gewesen. Beide Themen hätten damals laut Martin Ott durchaus noch Luft nach oben gehabt.
"Kluge und wache Gesprächspartnerin"
"Mit Hildegard Fässler hatte das FiBL eine starke und wirkungsmächtige Fürsprecherin. Ich persönlich hatte in ihr eine kluge und wache Gesprächspartnerin. Die Gespräche mit ihr halfen mir, die richtige Distanz und Nähe zum FiBL zu suchen, welche für die Wirksamkeit der Aufgabe des Stiftungspräsidenten wichtig war. Dafür bin ich Dir liebe Hilde sehr verbunden."
Am 17. Juni 2026 ist Hildegard Fässler kurz vor ihrem 75. Geburtstag gestorben.
