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Im Trio für den Biolandbau: Die neue Direktion des FiBL Schweiz im Interview

Im April haben Knut Schmidtke, Lucius Tamm und Marc Schärer die Leitung des FiBL Schweiz übernommen. Im Interview mit dem Magazin Bioaktuell erzählen sie, was sie umtreibt und wie es am FiBL Schweiz um die Geschlechterfrage, Kooperationen und die Finanzierung steht.

Knut Schmidtke

Direktor für Forschung, Extension und Innovation
Knut Schmidtke hat von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden ans FiBL gewechselt. Dort war der 57- jährige Agronom seit 2003 als Professor für Ökologischen Landbau und seit 2015 zusätzlich als Prorektor für Forschung und Entwicklung tätig.

Warum haben Sie sich auf Ihren Posten beworben und wie gefällt Ihnen der Wechsel in die Schweiz?
Motiviert haben mich der exzellente Ruf des FiBL Schweiz hinsichtlich Forschung und Beratung für den Biolandbau und die neuen, breit gefächerten Herausforderungen. Beruflich wie privat ist der Wechsel für mich gut gelungen, ich arbeite und lebe sehr gerne hier.

Hatten Sie früher bereits Berührungspunkte mit dem FiBL?
Als Student habe ich 1987 das erste Mal das FiBL besucht, damals noch in Oberwil. 2010 war ich mit einer japanischen Wissenschaftlergruppe in Frick. Zudem habe ich beim Forschungsprojekt «BoFru» von 2008 bis 2013 zum Thema Bodenfruchtbarkeit mit dem FiBL zusammengearbeitet.

Welche dringlichen Aufgaben sehen Sie für das FiBL?
Zurzeit ist sicher am dringlichsten, das FiBL und seine Mitarbeitenden gut durch die Corona-Krise zu bringen. Bisher konnten wir trotz Corona mehr als 95 Prozent der vorgesehenen Leistungen erbringen. Wir müssen uns aber auch neuen Herausforderungen im Biolandbau stellen. Dazu gehört beispielsweise, die Produktivität zu erhöhen, ohne dabei mehr Ressourcen zu verbrauchen oder Biodiversität zu verlieren.

Gibt es weitere neue Themen?
Wir werden uns zum Beispiel intensiv dem Grünlandmanagement im Biolandbau widmen und an neuen, smarten Technologien arbeiten, die dabei helfen, Biobetriebe auf eine regenerative Energieversorgung umzustellen.

Sie sind Direktor für Forschung, Extension und Innovation. Was kann man sich unter Extension vorstellen?
Es bedeutet vor allem Beratung, aber auch Transfer des erarbeiteten Wissens in die Praxis und das Aufnehmen von Fragestellungen und Problemen aus der Praxis in die Forschung.

Die Direktion besteht aus drei Männern. Gibt es hinsichtlich Geschlechtergerechtigkeit eine Strategie?
Das Thema ist uns sehr wichtig. Kürzlich fand dazu ein Workshop mit hoher Beteiligung der Mitarbeitenden statt, dessen Ergebnisse nun umgesetzt werden. Unter anderem werden für die Departements- und Gruppenleitungen neu Stellvertretungen eingerichtet und in vielen Fällen mit Frauen besetzt. So sollen Frauen mehr und mehr Leitungsfunktionen übernehmen. Im Juli wurde Beate Huber, die die Direktion auch in Fragen der Unternehmenskultur unterstützt, zur Präsidentin von FiBL Europe gewählt – auch ein gutes Zeichen auf diesem Weg.

Lucius Tamm

Direktor für Kooperationen
Lucius Tamm ist Agronom, seit 1994 Wissenschaftler am FiBL und seit 1999 in der Geschäftsleitung tätig. Der 57-Jährige leitet das Departement für Nutzpflanzenwissenschaften. Ab 2017 bildete er mit Beate Huber, Leiterin des Departements für Internationale Zusammenarbeit, die Vizedirektion.

Sie sind ein «alter Hase» am FiBL. Ist das von Vorteil?
Meine langjährige Erfahrung ist gerade in der Umbruchphase ein grosser Vorteil hinsichtlich Kontinuität und Verlässlichkeit gegenüber unseren Partnern. Auch wollen wir bisher wichtige Qualitäten wie Flexibilität, unternehmerisches Denken, kurze Entscheidungswege und die Praxisnähe unbedingt weiterpflegen, auch wenn das FiBL weiter wächst.

Was genau wollen Sie in Ihrer neuen Funktion erreichen?
Das FiBL ist dafür da, den Biolandbau gemeinsam mit dem ganzen Sektor voranzubringen. Viel Bio-Know-how kommt auch der übrigen Landwirtschaft zugute. Der Biolandbau muss sich weiterentwickeln, um die hohen Anforderungen an Produktivität, Umweltleistungen, Tierwohl und Einkommen der Landwirte zu erfüllen. Das Wachstum der Biolandwirtschaft in Europa schafft auch neue Herausforderungen, etwa bei der Versorgung mit biotauglichen Pflanzennährstoffen oder bei der Fütterung. Damit das FiBL dafür den bestmöglichen Beitrag leisten kann, müssen wir die Praxisnähe und Partnerschaften pflegen, Forschung und Beratung auf Topniveau machen und gut motivierte Mitarbeitende haben.

Warum braucht es einen Direktor für Kooperationen.
Das FiBL ist hervorragend vernetzt, was eines unserer Erfolgsrezepte ist, um dem Biosektor bestmöglich dienen zu können. Netzwerke müssen aber gepflegt werden und hängen stark von persönlichen Kontakten ab.

In welchen Bereichen sehen Sie diesbezüglich Potenzial?
Wir setzen ja seit Langem auf die enge Zusammenarbeit mit Partnern im In- und Ausland. Dies hat den grossen Vorteil, dass man Synergien nutzen kann und sich fachliche Kompetenzen ergänzen. Viele Forschungsfragen müssen länderübergreifend angegangen werden, sonst kommt man nicht voran. Besonders wichtig ist uns, eng mit den Organisationen zusammenzuarbeiten, die sich ganz auf den Biosektor konzentrieren. Diese sind, wie wir, oft eng mit der Praxis verbunden.

Das Direktorium für Kooperation soll wechselnd aus der FiBL-Geschäftsleitung besetzt werden. Warum?
Die Direktion wurde neu als Dreierteam aufgestellt, um die Verantwortung und die Entscheidungen breiter zu verteilen und abzustützen. Dabei ist wichtig, dass die Sichtweise und Erfahrung der Departmentsleitungen mit einfliessen können. Die Besetzung soll alle zwei Jahre wechseln.

Marc Schärer

Direktor für Finanzen und Administration
Marc Schärer leitet seit 2017 das Finanz- und Rechnungswesen am FiBL. Der 38-jährige Betriebswirtschafter FH mit einem Master of Advanced Studies (MAS) in Risk Management war zuvor in leitender Funktion im Controlling einer öffentlichen Verwaltung tätig.

Sie sind verantwortlich für die Finanzen. Woher bekommt das FiBL seine Mittel?
Die Mittelbeschaffung ist seit Anbeginn ein Dauerthema am FiBL. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind angehalten, für ihre Themen Projektgelder zu beantragen. Finanziert werden Forschung und Beratung aus staatlichen und kantonalen Mitteln, von Gemeinden, privaten Unternehmen, Organisationen und Stiftungen sowie Einzelpersonen. Zudem bearbeiten wir zahlreiche internationale Forschungsaufträge, vor allem im Rahmen des EU-Forschungsprogramms Horizon 2020.

Wie steht es um die Grundfinanzierung des FiBL?
Mit dem Entscheid des Schweizer Parlaments von Ende 2019 steigt unsere Grundfinanzierung für die nächsten drei Jahre deutlich. Das stärkt unsere Forschung und Beratung substanziell und hilft uns, Lösungen für die aktuellen und künftigen Herausforderungen der gesamten Landwirtschaft zu erarbeiten.

Sie haben einen MAS in Risk Management: Inwiefern hilft Ihnen dies bei Ihrer neuen Aufgabe?
Der Begriff Risiko wird oft negativ ausgelegt, dabei ist es ein wichtiger Erfolgsfaktor, die positive Seite des Risikos, nämlich die Chancen, zu erkennen.

Wie ist die Zusammenarbeit in Ihrer Dreierdirektion?
Es ist immer ein gemeinsames Suchen und Ringen um die beste Lösung, wenn immer möglich mit Einbezug von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dieses Selbstverständnis prägt unsere Arbeit in der Direktion. Wir sind bereits ein gut eingespieltes Team.

Was hat die neue Direktion bereits initiiert?
Wie auf Direktionsebene bereits erfolgt, werden wir auf allen Organisationsebenen die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Diese Modernisierung der internen Strukturen, die auch der Grösse des FiBL Rechnung trägt, werden wir noch dieses Jahr umsetzen. Dabei achten wir sehr darauf, die Vorteile der bisherigen schlanken und flexiblen Organisation möglichst beizubehalten.

Mit 38 Jahren sind Sie mit Abstand der Jüngste in der Direktion. Wie wohl ist Ihnen dabei?
Na ja, einer muss ja der Jüngste sein – nein, im Ernst, es macht mir Spass, mit zwei tollen Persönlichkeiten das Institut leiten zu dürfen. Und ich sehe es klar als Chance für das FiBL, wenn die Meinung einer jüngeren Generation direkten Einfluss auf Diskussionen und Entscheidungsfindungen nehmen kann.

Interviews: Theresa Rebholz und René Schulte

Das Magazin Bioaktuell wird gemeinsam von FiBL Schweiz und Bio Suisse, dem Dachverband der Schweizer Bioproduzentinnen und -produzenten, publiziert.

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