In der Schweiz und in Europa führen Atemwegs- und Magen-Darm-Erkrankungen bei kürzlich umgestallten Kälbern zu einem hohen Antibiotikaeinsatz. Dies macht die Notwendigkeit alternativer Strategien deutlich. Neben präventiven Massnahmen bieten Arzneipflanzen (APs) aufgrund ihrer antiviralen, antibakteriellen, immunmodulatorischen und darmunterstützenden Wirkung Potenzial für Prophylaxe und Metaphylaxe. Noch ist die Forschung zu diesem Thema bei Kälbern rar.
Das Schweizer Team der COST-Aktion "MedPlants4Vet" möchte dies mit zwei randomisierten, verblindeten, placebokontrollierten Versuchen an frisch umgestallten Kälbern im Alter von 21 bis 28 Tagen angehen. Zunächst werden die phytochemischen Profile aller APs erstellt. In Studie 1 werden Kümmel, Kamille und Salbei in zwei Dosierungen über drei Wochen mit Placebo und Echinacea bei 64 Kälbern verglichen, wobei wöchentlich Daten zu Gesundheit, Leistung, Immunstatus und Antibiotikaeinsatz erhoben werden. Die vielversprechendste Arzneipflanze wird in Studie 2 gegen Placebo und eine standardmässige orale Antibiotikatherapie getestet. Dabei werden Analysen des fäkalen Mikrobioms und Resistoms durchgeführt. Mit diesem Ansatz sollen AP-Behandlungen identifiziert werden, die Durchfall und Atemwegserkrankungen reduzieren. Gleichzeitig sollen die Zusammenhänge zwischen Immunstatus, Mikrobiota-Gleichgewicht und Resistom-Entwicklung geklärt werden. Das Projekt ist die erste umfassende Studie zu den Auswirkungen von AP auf die Darmmikrobiota und das Resistom bei Kälbern vor dem Absetzen, die von einem interdisziplinären Expertenteam durchgeführt wird.
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