Startseite » Themen » Klima » Hintergrund

Thema: Biolandbau und Klimaschutz

Regenwurm im Boden

Biolandbau und Klimaschutz auf www.fibl.org

Übersichtsartikel zum Thema

Mitigiating Greenhouse Gases in Agriculture (2011)
Cover Mitigating Greenhouse Gases in Agriculture (2011)

Gattinger, A. et al. (2012): Enhanced top soil carbon stocks under organic farming. Proceedings of the National Academy of Sciences - PNAS, 109 (44), S. 18226-18231.

Muller, A. et al.: (2012) Reducing Global Warming and Adapting to Climate Change: The Potential of Organic Agriculture. Working paper, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), CH Frick.

Muller, A. et al. (2011) Mitigating Greenhouse Gases in Agriculture. Diakonisches Werk der EKD e.V. for Brot für die Welt.

FAO (Ed.) (2011) Organic agriculture and climate change mitigation - A report of the Round Table on Organic Agriculture and Climate Change. Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), Natural Resources Management and Environment Department, Rome, Italy.

Niggli, U. et al.: (2009) Low Greenhouse Gas Agriculture: Mitigation and Adaptation Potential of Sustainable Farming Systems. Food and Agriculture Organization of the United Nations, Rome.

Alle FiBL-Publikationen zum Thema bei Organic Eprints

Hintergrund: Klimawandel und biologische Landwirtschaft - Fakten und Herausforderungen

Die Landwirtschaft verursacht über direkte und indirekte Emissionen etwa 20 bis 30 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Gleichzeitig gefährden die Auswirkungen des Klimawandels vielerorts die landwirtschaftliche Produktion und damit die Ernährungssicherung. Die Landwirtschaft ist also doppelt gefordert: Einerseits muss sie mit geeigneten Massnahmen den Klimawandel mindern, andererseits gilt es, Produktionssysteme zu entwickeln, die gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels möglichst stabil bleiben.

Humusaufbau mindert den Klimawandel

Das grösste Minderungspotential weisen landwirtschaftliche Praktiken auf, die den Humusaufbau fördern. Dadurch wird Kohlenstoff aus der Luft in landwirtschaftlichen Böden gespeichert. Organische Düngung und vielfältige Fruchtfolgen mit Zwischenfrüchten fördern beispielsweise den Humusaufbau. Der Klimawandel kann auch gemindert werden, indem auf Mineraldünger verzichtet wird und Ernterückstände nicht unkontrolliert verbrannt werden. Der biologische Landbau setzt konsequent auf diese Praktiken und besitzt deshalb ein bedeutendes Potential zur Minderung des Klimawandels.

Stabile Agrarökosysteme vertragen Folgen des Klimawandels besser

Die Praktiken des biologischen Landbaus führen auch zu stabileren Ökosystemen, die sich besser an die Auswirkungen des Klimawandels anpassen können. Ein höherer Humusgehalt verbessert die Wasserrückhaltefähigkeit der Böden und erhöht die Bodenfruchtbarkeit. Solche Böden sind bei Trockenheit, Extremniederschlägen, Überflutung und Staunässe weniger anfällig. Ein tieferes Düngungsniveau, Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel sowie vielfältige Fruchtfolgen erhöhen die Diversität und damit die Stabilität von Agrarökosystemen. Gleichzeitig verringern diese Massnahmen die Betriebsmittelkosten. Die Produktionsrisiken bei extremen Wetterereignissen werden so gesenkt.

Diese vorteilhaften Praktiken sind Kernbestandteil der biologischen Produktion. Sie können auch in konventionellen Systemen eingesetzt werden. Aktuell spielen sie dort jedoch noch eine untergeordnete Rolle.

Die gesamte Wertschöpfungskette beachten

Aber auch das Konsumverhalten hat einen grossen Einfluss auf die landwirtschaftliche Produktion und in Folge auf deren Minderungspotential. Übermässiger Fleischkonsum sowie Verschwendung und Verluste von Lebensmitteln (z.B. bei der Lagerung) stehen dabei im Vordergrund. Landwirtschaft und Klimawandel muss deshalb immer auch über die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet werden.

 

Die grössten Herausforderungen im Zusammenhang Landwirtschaft und Klimawandel lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Kenntnis gewisser grundlegender Prozesse ist bislang unzureichend. Hierzu gehören zum Beispiel der Einfluss des Humusaufbaus auf bodenbürtige Lachgasemissionen, die Rolle der Wurzeln beim Humusaufbau und die Berechnung der gesamten Emissionen von organischen Düngern wie Kompost von der Herstellung über die Lagerung bis zur Anwendung.
  • Es müssen Methoden der Treibhausgasinventarisierung entwickelt werden, welche die verschiedenen Leistungen landwirtschaftlicher Produktionssysteme als Ganzes abbilden. Diese Leistungen umfassen neben der Nahrungsmittelproduktion auch Ökosystemdienstleistungen wie Boden- und Ressourcenschutz.
  • Es müssen geeignete Politikinstrumente identifiziert und umgesetzt werden. Diese dürfen vielfältige und komplexe Systeme wie die Biobetriebe, bei denen Quantifizierung der Emissionen schwierig ist, nicht benachteiligen.
  • Die derzeitige Fokussierung auf Minderung des Klimawandels darf andere Nachhaltigkeitsaspekte der Landwirtschaft wie Pestizideinträge, Eutrophierung von Gewässern, Bodenversauerung oder Erosion nicht vernachlässigen.
  • Ein grosses Minderungspotential liegt darin, das Konsumentenverhalten in Richtung klimafreundlicheren Konsum zu lenken. Gesellschaftliche und politische Massnahmen zu identifizieren und umzusetzen stellt eine sehr grosse Herausforderung dar.