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Thema: Biolandbau und Klimaschutz

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Organic farming and Climate Change

Niggli, U.; Schmid, H. and Fliessbach, A. (2008) Organic Farming and Climate Change . International Trade Centre (ITC), Geneva.

Low Greenhouse Gas Agriculture

Niggli, U.; Fließbach, A.; Hepperly, P. und Scialabba, N. (2009) Low Greenhouse Gas Agriculture: Mitigation and Adaptation Potential of Sustainable Farming Systems . Food and Agriculture Organization of the United Nations, Rome

Klimaschutz und Biolandbau

Der Biolandbau verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig: z.B. Umweltschäden vermeiden, Biodiversität fördern, attraktive Landschaften pflegen, Tiere artgerecht halten und gute Lebensmittel erzeugen. Auch beim Klimaschutz bietet er einen Schlüssel zur Lösung: Biologische Landwirtschaft ist eine ressourcenschonende und klimafreundliche Alternative mit grossem Anpassungspotential an den Klimawandel.

Vier Gründe, warum Biolandbau das Klima schützt:

  1. Biolandbau bindet mehr Kohlendioxid im Boden
  2. Energieverbrauch ist im Biolandbau geringer
  3. Methan: Biolandbau belastet die Atmosphäre weniger
  4. Wetterextreme: Bio ist besser angepasst

Hintergrund

  1. Landwirtschaft und Klima
  2. Biolandbau: Entwicklungsbedarf
  3. Literatur

1. Biolandbau bindet mehr Kohlendioxid im Boden

Ackerböden haben natürlicherweise ein grosses Potential zur Bindung von Kohlendioxid (CO2). Aber im Laufe der Jahrtausende kam es durch die ackerbauliche Nutzung zu einem Abbau der organischen Bodensubstanz. Dieser Abbau ist zu einem grossen Teil bedingt durch intensive landwirtschaftliche Nutzung sowie durch den Einsatz von industriell hergestelltem Dünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln.

Der biologische Landbau baut den Humus auf, um die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Der Humusaufbau steigert die Stabilität und die Wasserrückhaltefähigkeit des Bodens und verringert dabei seine Erosionsanfälligkeit. Humus schafft günstigere Lebensbedingungen für die Organismen des Bodens und regt das Bodenleben an. Daneben ist ein erhöhter Humusgehalt Zeichen für vermehrte CO2–Bindung aus der Atmosphäre im Boden.

Die Düngung des Bodens mit Mist, Gülle, Kompost und anderen organischen Düngern kann zum Aufbau der organischen Bodensubstanz beitragen. Eine vorsichtige Bodenbearbeitung führt auch dazu, dass organische Bodensubstanz in den oberen Bodenschichten eingelagert wird. Ein ständiger Bewuchs des Bodens mit aktiv assimilierenden Pflanzen bewirkt zudem einen kontinuierlichen Fluss von Assimilaten durch die Wurzel in den Boden.

Im biologischen Landbau sind viele dieser Massnahmen vereint und daher bietet dieses Produktionssystem eine Vielzahl von Lösungen für den Schutz des Klimas. Mit der Förderung der organischen Bodensubstanz kann CO2 aus der Atmosphäre gebunden werden und der Ökolandbau damit dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Der Humusaufbau verbessert zudem die Anpassungsfähigkeit landwirtschaftlicher Systeme gegenüber einem sich ändernden Klima.

Forschung beweist: Bioböden speichern mehr Kohlenstoff

Kohlenstoff-Rückbindung: Anbausysteme im Vergleich

Im DOK-Versuch (Mäder et al., 2002) werden die Agrarsysteme biologisch-dynamisch, organisch-biologisch und konventionell bei gleicher Viehbesatzdichte verglichen. Das biologisch-dynamische Verfahren mit Mistkompostierung zeigt die höchsten Gehalte an organischer Substanz im Boden und verzeichnet keine Kohlenstoffverluste im Vergleich zum Beginn des Versuchs (Fließbach et al., 2007; Mäder et al., 2006). Hingegen haben das organisch-biologische Verfahren 177 Kilogramm und das konventionelle Verfahren mit Misteinsatz 209 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar jährlich verloren. Das ausschliesslich mineralisch gedüngte Kontrollverfahren (mit Strohabfuhr) hat jährliche Verluste von 270 Kilogramm Kohlenstoff pro Hektar eingefahren.

In vielen Feldversuchen weltweit zeigen die Böden des Biolandbaus weitaus deutlichere Unterschiede zu den konventionellen Vergleichspartnern (Marriot und Wander, 2006; Pimentel et al., 2005; Reganold et al., 1987; Reganold et al., 1993, Soil Association 2009). Die Soil Association etwa hat eine umfassende Studie zur Kohlenstoffsequestrierung im Biolandbau veröffentlicht. Diese vergleicht 39 Studien (über 100 individuelle Vergleiche) und kommt zu dem Schluss, das der Biolandbau eine im Schnitt 28 Pozent höhere Sequestrierungsleistung (Einlagerung von Kohlenstoff) als der konventionelle Landbau in Nordeuropa hat. Global gesehen beträgt der Vorteil von Biolandbau 20 Prozent (Studien aus Europa, Amerika und Australasien).

Reduzierte Bodenbearbeitung unterstützt den Humusaufbau

Organisch gedüngte Biolandbausysteme können ähnlich wertvolle Leistungen zur Bodenkonservierung und zum Humusaufbau wie konventionelle pfluglose Systeme erbringen (Teasdale et al., 2007; Müller et al., 2007). Die Kombination von Biolandbau und reduzierter Bodenbearbeitung ist darüber hinaus eine der effektivsten Methoden, um die Kohlenstoffsequestrierung zu erhöhen. Obwohl reduzierte Bodenbearbeitung unter Biolandbaubedingungen wegen der Unkrautproblematik schwierig ist, hat sich im Fricker Langzeitversuch zur reduzierten Bodenbearbeitung gezeigt, dass sich im Vergleich zur biologischen Pflugvariante 800 Kilogramm Kohlenstoff jährlich rückbinden lassen (Berner et al., 2008). In einem Bio-Langzeitversuch im US-Bundesstaat Maryland waren die Kohlenstoff-Rückbindungsraten noch höher (Teasdale et al., 2007).

2. Energieverbrauch im Biolandbau geringer

Mehr Effizienz im Biolandbau

Der biologische Landbau setzt auf betriebseigene Ressourcen und verzichtet so weit wie möglich auf externe Inputs. Aus diesem Grund verbraucht der Biolandbau deutlich weniger Primärenergie und der Energieverbrauch pro Flächeneinheit in der biologischen Pflanzen- und Tierproduktion liegt wesentlich niedriger als bei der konventionellen Landwirtschaft (Grönroos et al., 2006; Haas et al., 2001; Lampkin, 2007; Schader et al., 2008). Im DOK-Versuch zum Beispiel verbrauchen die Bioverfahren 20 Prozent weniger Energie pro Ertragseinheit. Dies macht den Biolandbau zwar klimafreundlicher, aber noch nicht klimaneutral.

Durch die Anwendung reduzierter Bodenbearbeitungsverfahren und den vermehrten Anbau von stickstofffixierenden Gründüngungspflanzen liessen sich der Energiebedarf und der CO2-Ausstoss nochmals deutlich senken und die Erträge steigern.

Die geringeren Flächenerträge im biologischen Landbau verringern zwar die produktbezogene Energieeffizienz (bezogen etwa auf die Kalorienmenge oder die Wertschöpfung), aber sie ist trotzdem noch meist vorteilhafter als bei konventioneller Produktion (Ziesemer, 2007). Dies gilt aber nicht für jedes landwirtschaftliche Produkt.

Hoher Energieverbrauch in der konventionellen Landwirtschaft

Der zunehmende Verbrauch fossiler Energien führt zu einer Ausbeutung begrenzter Ressourcen und verstärkt die Klimaerwärmung (Pervanchon et al., 2002). Deshalb wird eine Senkung des Primärenergieverbrauchs bzw. eine Erhöhung der Energieeffizienz auch in der Landwirtschaft angestrebt. Dabei spielt insbesondere die indirekte Energie, d.h. Energieverbrauch, der über zugekaufte Produkte (v.a. Düngemittel, Futtermittel) dem landwirtschaftlichen System angerechnet werden muss, eine wichtige Rolle (Mack et al., 2007). Besonders stark ins Gewicht fällt der industrielle Stickstoff.

Industrielle Stickstoffherstellung verbraucht viel Energie und verändert das Klima

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist eine Technologie entwickelt worden, mit der molekularer Stickstoff (N2) aus der Atmosphäre in pflanzenverfügbare Form gebracht werden kann. Dieses Verfahren ist allerdings sehr energieaufwändig. Durch den Einsatz dieses industriellen Stickstoffs war es möglich, die Erträge der Landwirtschaft erheblich zu steigern. Ein grosser Teil des gedüngten Stickstoffs gelangt jedoch ins Grundwasser, wo die Nitratbelastung seine Nutzung als Trinkwasser erschwert und hohe Kosten verursacht. Ein anderer Teil des Stickstoffs wird wieder Teil des stabilen Luftstickstoffs. Im Rahmen dieses Prozesses entsteht jedoch Lachgas (N2O) das 300-mal stärker als CO2 auf die Klimaveränderung einwirkt. Lachgas wird bei der Herstellung von industriellem Stickstoff und nach Düngung mit Nitrat- oder Ammonium-haltigen Düngemitteln aus Böden emittiert.

Biolandbau: Industrieller Dünger ist nicht erlaubt

Die Stickstoffversorgung im Biolandbau wird durch rezykliertes organisches Material (wie Mist oder Kompost) gewährleistet. Deshalb werden Ernterückstände im Biolandbau auch nicht verbrannt, was die Methan- und Lachgasemissionen reduziert. Ausserdem kann Stickstoff natürlich aus der Atmosphäre mit Leguminosen gebunden werden, und steht dann den nachfolgenden Kulturen zur Verfügung. Im biologischen Landbau sind industriell hergestellte Dünger verboten und die Mengen an Stickstoff, die im Bio-System zirkulieren, sind in der Regel deutlich kleiner, und sie sind biologisch gebunden.

Daher ist die Gefahr von Auswaschungs- oder Ausgasungsverlusten geringer als dort, wo industrieller Dünger eingesetzt wird. Es werden zwar in der Regel ein bis zwei Prozent von jeglichem Stickstoffeintrag als Lachgas emittiert. Da die Einträge im Biolandbau aber signifikant kleiner sind als in der konventionellen Landwirtschaft, sind auch diese Emissionen kleiner.

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3. Methan: Biolandbau belastet die Atmosphäre weniger

Kühe
Im Biolandbau ist die Anzahl der Tiere und die Besatzdichte limitiert. Foto: FiBL, Frick

Landwirtschaft ist grösster Methanemittent

Wiederkäuer sind aufgrund ihrer grossen Anzahl weltweit zu den wichtigsten Methanemittenten geworden. Etwa ein Drittel der landwirtschaftlich bedingten Treibhausgas-Emissionen stammen aus den Pansen der Wiederkäuer (Smith et al., 2007).

 

Biolandbau: Weniger Tiere pro Flächeneinheit

De Biolandbau limitiert die Tierzahl und –dichte aus Gründen der artgerechten Haltung und wegen der Gefahr von Nährstoffverlusten (Olesen et al., 2006; Weiske et al., 2006). Zudem ist bei der Milchproduktion eine Züchtung auf Lebensleistung sinnvoll, da so der relative Anteil der nicht-produktiven Jugendphase der Kuh verringert wird. Da Milch- und Fleischkonsum erheblich mehr Energie benötigen (und so Emissionen erzeugen) als eine vegetarisch dominierte Ernährung, sollte eine Einschränkung des Konsums von Fleisch und Milchprodukten, ggf. über eine grünlandbezogene Limitierung der Wiederkäuerproduktion, überdacht werden. Eine solche Strategie veränderten Konsums würde ideal mit einer Strategie globaler biologischer Landwirtschaft kombiniert werden können.

Der Biolandbau beinhaltet also einen Systemansatz, der die ganze Lebensmittelkette umfasst und reduziert die Methanemissionen wie folgt:

  • Geringere Tierbesatzdichte pro Fläche (Gründe: artgerechte Haltung, Vermeidung von Eutrophierung, Futter)
  • Erhöhung des Raufutteranteils und Verringerung des Kraftfutteranteils an der Futterration (Gründe: artgerechte Fütterung, präventive Tiergesundheit, Verlängerung der Nutzungsdauer; weniger Futterimport; vgl. hierzu auch FiBL-Projekt "Feed no Food")
  • keine Konkurrenz zwischen Wiederkäuerfütterung und menschlicher Ernährung
  • geringerer Anteil an Fleisch und Milch in der menschlichen Ernährung (Gründe: Gesundheit und Wohlbefinden)

Die Verfütterung von energiereichem Kraftfutter kann die Emissionen pro Kilogramm Milch oder Fleisch zwar reduzieren (Beauchemin und McGinn, 2005), zu bedenken ist jedoch, dass Wiederkäuer Raufutter von Wiesen und Weiden nutzen, welche für andere landwirtschaftliche Nutzungen nicht geeignet sind.

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4. Wetterextreme: Bio ist besser angepasst

Der Schweizer DOK-Versuch zeigt ganz klar: Bioböden (oben) haben eine bessere Wasserhaltekapazität als konventionelle Böden (unten). Bilder: FiBL, Frick

Biologische Landwirtschaft baut auf geschlossene Stoffkreisläufe und die effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen. Die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und Stabilisierung des Bodens durch Biolandbau ist vielfach belegt (Breland und Eltun, 1999; Esperschütz et al., 2007; Fließbach et al., 2007; Mäder et al., 2002; Oberson et al., 1993; Oberson et al., 2007; Oehl et al., 2004a; Oehl et al., 2003; Wander et al., 1995). Die Biomasse und biologische Aktivität im Boden ist wichtig für die Nährstoffmineralisierung und die Vielfalt der Symbiosen mit Pflanzen und macht die Systeme unabhängig von externen Inputs.

Mit einer Erhöhung des Humusgehalts und möglichst permanenter Bodenbedeckung unter Mulch oder Pflanzen kann der Regen den Boden weniger stark abschwemmen bzw. die Hitze ihn weniger stark austrocknen. Zudem erhöht ein hoher Humusgehalt die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und kann daher helfen, Trockenphasen zu überbrücken (Pimentel et al., 2005). Die Fähigkeit der Bioböden Wasser aufzunehmen kann auch bei Überschwemmungen regulierend wirken. Gesunde, fruchtbare Böden erhöhen zudem die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Schädlinge und Krankheiten. Treffen die prognostizierten negativen Effekte des Klimawandels auf die Landwirtschaft ein (erhöhte Wasserknappheit, vermehrte Wetterextreme, erhöhter Krankheits- und Schädlingsdruck,...), ist der Biolandbau eine optimale Anpassungsstrategie.

Das Potential des Biolandbaus als Anpassungsstrategie betrifft auch sozio-ökonomische Aspekte. Biolandbau hat diversifizierte Betriebssysteme mit entsprechend geringeren Risiken totaler Ernteverluste. Wegen der geringeren Inputkosten ist auch die Gefahr der Verschuldung kleiner. Zertifizierte Bioprodukte erzielen zudem höhere Preise, was die Einkommenssicherheit weiter steigert. Dies sind Vorteile, die besonders für Kleinbauern in Entwicklungsländern relevant sind.

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Hintergrund

1. Landwirtschaft und Klima

Die Landwirtschaft trägt weltweit mit zehn bis zwölf Prozent zum Klimawandel bei. Hauptquellen sind Lachgasemissionen aus der Stickstoffdüngung, der Methanausstoss der Wiederkäuer und Methanemissionen bei der Reisproduktion, Methan- und Lachgasemissionen bei der Verbrennung von Ernterückständen und unsachgemässer Mist-Bewirtschaftung, der CO2-Verbrauch für die Herstellung von Düngern und Pestiziden sowie die Abholzung von Wäldern für den Ackerbau und Weideflächen bzw. Futterproduktion für die Viehaltung.

Auch die Mechanisierung in der Landwirtschaft wie der Einsatz von Landmaschinen verbraucht viel Energie und belastet somit das Klima. Intensive Bodenbearbeitung verstärkt auch den Abbau von Humus und reduziert somit die Kohlenstoffmengen, die landwirtschaftliche Böden speichern können.

Biolandbau: Klimafreundlich

Der Biolandbau weist die im Folgenden genannten Vorteile als Klimawandel-, Milderungs- und Anpassungsstrategie auf:

  • erhöhte Kohlenstoffsequestrierung in den Böden
  • verminderter Energieverbrauch
  • reduzierter Stickstoffeintrag mit entsprechend reduzierten Lachgasemissionen
  • Vermeidung der Verbrennung von Ernterückständen
  • Optimale Viehbewirtschaftung mit tieferen Bestockungszahlen
  • Bessere Bodenqualität und –fruchtbarkeit mit entsprechend reduzierter Bodenerosion und erhöhter Wasserrückhaltefähigkeit
  • Diversifizierte Betriebssysteme mit entsprechend reduzierten Risiken

Die ökologische Landwirtschaft hat bezüglich Erträgen, CO2-Emissionen und Humusaufbau noch ein großes Optimierungspotential, welches Forschung und Beratung voraussetzt. In Anbetracht dieser Vorzüglichkeit des biologischen Landbaus ist es wichtig, dessen Förderung in Forschung, Entwicklung und landwirtschaftlicher Praxis weiter auszubauen und zu intensivieren.

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2. Biolandbau: Entwicklungsbedarf

Pfluglose Anbauverfahren haben, was die Verhinderung von Erosion und die Rückbindung von Kohlenstoff in die Böden anbelangt, gegenüber dem Pflug einen Vorteil. Der Nachteil bei konventionellen pfluglosen Anbausystemen ist jedoch, dass sie mehr Herbizide und synthetischen Stickstoffdünger benötigen um das Ertragsniveau des konventionellen Systems zu halten und dass organische Dünger nicht rezykliert werden können. Biologische Anbauverfahren mit einer reduzierten Bodenbearbeitung bieten sich als optimale Lösung an und sollten dringend technisch zu Praxisreife gebracht werden (Berner et al. 2008).

Probleme mit Krankheiten und Schädlingen sind trotz großer Fortschritte immer noch ein wesentlicher Grund für geringere Erträge. Dieses Problem muss in Zukunft offensiver über die züchterische Bearbeitung von Kulturpflanzen angegangen werden. Pflanzenzüchtung unter den speziellen Bedingungen des Biolandbaus entwickelt optimal an das System angepasste Pflanzen mit hoher Nährstoffeffizienz, was zu deutlichen Ertragssteigerungen führen kann (Reid et al., 2009; Lammerts van Bueren et al., submitted). Auch die Möglichkeiten des biologischen Pflanzenschutzes sind noch nicht voll ausgeschöpft. Häufig scheitert jedoch die Einführung neuer Produkte in diesem Bereich an den hohen Kosten der Entwicklung und Registrierung.

Schwächen in der tierischen Produktivität, welche sich auch auf die Energie- und Treibhausgasbilanz auswirken, erfordern Verbesserungen in der Züchtung, Haltung, Fütterung und Gesundheit von Tieren. Die hofeigene Futtererzeugung zum Beispiel macht die optimale Fütterung zu einer Herausforderung (Aminosäuren, Mineralstoffe und Spurenelemente), während konventionelle Tiere auf einfache Weise mit Ergänzungsfutter aus synthetischen Quellen versorgt werden können. Gesundheitsprophylaxe ist auf vielen Betrieben nicht etabliert und Tierärzte unterstützen die Ökobetriebe darin nicht. So verursachen subklinische Eutererkrankungen unnötigerweise Ertragsausfälle bei Milchkühen (Sundrum 2007). Im transnationalen Forschungsprojekt ANIPLAN wird das Problem der Eutererkrankungen jetzt angegangen. Fortschritte sind auch in der züchterischen Bearbeitung der Nutztiere vor dem Hintergrund der besonderen Bedingung von Biobetrieben zu erwarten. Auch hier hat im Jahr 2009 erstmals ein größeres europäisches Forschungsprojekt (LowInputBreeds ) begonnen.

Text: Andreas Fliessbach, Adrian Müller, Urs Niggli

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3. Literatur

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