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Lukas Pfiffner
(Dr. phil-nat, Ing.Agr. ETH)

Departement für Nutzpflanzenwissenschaften
Leitung Pflanzenschutz-Entomologie & Agrarökologie
FiBL
Ackerstrasse 113
CH-5070 Frick

Telefon +41 (0)62 865-7246
Fax +41 (0)62 865-7273
lukas.pfiffner(at)fibl.org

Unterschätzte Wildbienen – neues Faktenblatt fasst praxisrelevante Forschungsergebnisse zusammen

Ein neues Faktenblatt des FiBL fasst die wichtigsten wissenschaftlichen Ergebnisse zusammen und listet Förder- und Schutzmassnahmen auf.

Cover Faktenblatt "Wildbienen und Bestäubung"

Unterschätzte Wildbienen. Ein neues Faktenblatt des FiBL fasst praxisrelevante Forschungsergebnisse zusammen.

(17.03.2014) 

Neuere Untersuchungen zeigen, dass Wildbienen und andere Wildbestäuber bei der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen eine entscheidende Rolle spielen. Ihre Häufigkeit und ihre Artenvielfalt haben in den letzten Jahrzehnten jedoch stark abgenommen – mit nachteiligen Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Gefährdete Bestäuber

Rund 80 Prozent der Kulturpflanzen sind auf Bestäuber angewiesen. Der wirtschaftliche Wert der ihrer Tätigkeit wird weltweit auf 153 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Etwa 80 Prozent davon wurden bisher den Honigbienen zugeschrieben. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass diese bei der Bestäubung von Kulturen eher eine untergeordnete Rolle spielen. Dies umso mehr, als in den vergangenen Jahren ihre Bedeutung in vielen Regionen durch den starken Rückgang der Imkerei und das Honigbienensterben deutlich abgenommen hat. Aber auch die Wildbienen sind stark rückläufig. Heute sind in Mitteleuropa je nach Land und Region zwischen 25 % und 68 % der Wildbienenarten gefährdet.

Zu wenig blühende Lebensräume und zu intensive Anbaumethoden

Im Rahmen der Intensivierung der Landwirtschaft wurden in den letzten fünfzig Jahren viele blüten- und kleinstrukturreiche Lebensräume zerstört. Die heutige Agrarlandschaft ist vielerorts blütenarm und ausgeräumt. Das geringe Angebot an Nahrungs- und Nistressourcen und die Verinselung blüten- und kleinstrukturreicher Flächen hat auch zu einem starken Rückgang der Häufigkeit und der Artenvielfalt der Wildbienen geführt.

Die verbreitete Anwendung teils systemisch wirkender Insektizide führt zudem dazu, dass Bienen, Schwebfliegen, Käfer und viele andere Blütenbesucher direkt abgetötet werden oder subletal im Verhalten, der Fortpflanzung und der Gehirnentwicklung negativ beeinflusst werden. Insbesondere bei Bienen liegen neueste Daten vor, die aufzeigen, dass sogar die Immunabwehr durch Pestizide gestört werden kann.

Besondere Förder- und Schutzmassnahmen für Wildbienen nötig

Um den Rückgang der Wildbienenbestände zu stoppen, braucht es blühende Landschaften, in denen – zusätzlich zu den bekannten Biodiversitätsförderflächen – massgeschneiderte, bestäuberfördernde Blühflächen eingerichtet werden. Im Vordergrund stehen die Erhaltung blüten- und kleinstrukturreicher Lebensräume, eine enge Nachbarschaft von Nahrungs- und Nistressourcen und ein kontinuierliches Blütenangebot vom frühen Frühling bis in den Spätsommer. Jede Massnahme zur Erhöhung der Menge, Vielfalt und Verteilung von Blütenpflanzen und gut besonnten Kleinstrukturen erhöht die Artenvielfalt und die Populationsgrössen der Wildbienen. Dies führt schliesslich zu einer verbesserten Bestäubung von Kultur- und Wildpflanzen.

Eine weitere Fördermassnahme ist die Beschränkung auf Pflanzenschutzmittel, die keine oder nur mässige Nebenwirkungen auf Nicht-Zielorganismen wie Insekten, andere Kleintiere und Wirbeltiere haben. Dies erfolgt am besten durch eine vielfältige Landnutzung kombiniert mit schonenden Anbauformen wie Low-Input, Bio-Ackerbau und Verzicht auf chemische Hilfsstoffe. Mit der Förderung der Wildbienen, dem Schutz der Honigbiene und der Förderung landwirtschaftlicher Nützlinge werden beträchtliche Synergien erzielt.

Biolandbau kann die Wildbienen beflügeln

Biologischer Landbau ist als Gesamtsystem vorteilhaft für die Erhaltung und Förderung der Wildbienen. Folgende Massnahmen tragen dazu bei:

  1. Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide
  2. Kein Einsatz von Kunstdüngern
  3. Vermehrter Anbau von Kleegras in Ackerfruchtfolgen, in welchen die Leguminosen Hummel- und anderen Wildbienenarten reichlich Nahrung bieten.
  4. Anwendung nicht-chemischer Unkrautregulierung, welche zu einer blütenreichen Ackerflora mit wichtigen Nektar- und Pollenspendern beiträgt.
  5. Extensive Graslandnutzung, die zu blütenreicheren, weniger grasdominierten Beständen und letztlich zu mehr insektenbestäubten Pflanzen führt.

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Lukas Pfiffner

Neues Faktenblatt

Das Faktenblatt des FiBL fasst den aktuellen Erkenntnisstand der Wissenschaft zur Bedeutung der Wildbienen bei der Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen zusammen. Es nennt die bisher bekannten Ursachen für den Rückgang der Wildbienen, stellt die Wirkung des biologischen Landbaus dar und listet Förder- und Schutzmassnahmen auf, die zusätzlich zu den bisherigen Massnahmen ergriffen werden sollten. Das Faktenblatt ist kostenlos abrufbar unter www.shop.fibl.org.

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