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Müller Adrian
(Dr. sc. nat.)

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Bericht zur Gemeinsamen Agrarpolitik und Entwaldung

Anfang Mai wird ein neuer FiBL-Bericht zur Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) und Entwaldung veröffentlicht. Dieser Bericht wurde durch die NGO Fern in Auftrag gegeben. Er analysiert, ob und wie die heutige GAP zu Entwaldung in Exportländern führt und wie die nächste Reform der GAP diese Situation verbessern könnte.

(02.05.2017) 

Die Tierhaltung in der Europäischen Union (EU) ist stark von Sojaimporten aus Brasilien, Argentinien und Paraguay abhängig. Die Sojaproduktion in diesen Ländern führt zu Entwaldung und ein grosser Anteil dieser Produktion wird in die EU exportiert. Die heutige GAP enthält aber keine Anreizmechanismen, die direkt zur Entwaldung führen, da es keine spezifischen Subventionen für Futtermittelimporte gibt. Dennoch fördern natürlich einige Massnahmen der GAP die Tierproduktion im Allgemeinen, wie zum Beispiel die Marktstützungsmassnahmen für tierische Produkte. Des Weiteren setzt die GAP nur sehr beschränkt Anreize für eine nachhaltige Futtermittelproduktion und extensive Tierhaltungssysteme. Somit ist es weiterhin vorteilhaft für die Bauern, auf Sojaimporte und intensive Produktionssysteme zu setzen.

Eine reformierte GAP, die diese tierbezogenen Direktzahlungen aufheben würde, könnte somit wahrscheinlich zu etwas tieferen Tierzahlen und entsprechend weniger Futtermittelimporten und Entwaldungsrisiken führen.

Wichtiger wäre es aber, die verbleibenden Massnahmen der GAP nachhaltiger zu gestalten. Die Zahlungen könnten zum Beispiel expliziter an die Reduktion von Stickstoffeinträgen, erhöhtes Tierwohl und bessere Tiergesundheit, und eine effizientere Nutzung lokal vorhandener Ressourcen geknüpft werden. Dies würde die Anreize erhöhen, in extensiven Tierproduktionssystemen zu produzieren (zum Beispiel durch die Internalisierung externer Kosten oder die Unterstützung graslandbasierter extensiver Produktionssysteme), mit entsprechender Reduktion der Nachfrage nach importierten Futtermitteln.    

Bei einem solchen Fokus auf eine Reduktion der Tierproduktion ist es aber unabdingbar, auch die Nachfrageseite und den Konsum zu betrachten. Andernfalls würde die reduzierte Produktion in der EU einfach durch vermehrte Importe kompensiert werden und die Ursachen der Entwaldung würden deshalb nur verlagert und nicht vermieden werden. So lange die Konsumenten aber grosse Mengen an billigen tierischen Produkten nachfragen und solange die Landwirtschaft diese Nachfrage zu erfüllen vermag wird die kraftfutterbasierte Massentierhaltung dominieren. Deshalb sind eine Reduktion des Konsums und eine viel stärker mit geschlossenen Kreisläufen arbeitende Landwirtschaft zentral, um die mit der Produktion importierter Futtermittel einhergehende Entwaldung zu vermindern. 

Wir brauchen deshalb auf drei Ebenen klare Botschaften von der nächsten Reform der GAP: Erstens müssen die Massnahmen aufgehoben werden, die die intensive Massentierhaltung, welche auf importierten Futtermitteln basiert, unterstützen. Diese Systeme führen zu Entwaldung und tragen zu den grossen Stickstoffüberschüssen in der EU bei. Zweitens sollten die verbleibenden Massnahmen Tierproduktionssysteme fördern, die das vorhandene Grasland und regional anfallende Nebenprodukte und Abfälle nutzen. Nur so kann die Landwirtschaft innerhalb der Grenzen der Tragfähigkeit der Umwelt in der EU operieren. Drittens sollte die nächste Reform der GAP einen grossen Schritt weg von einer reinen Agrarpolitik in Richtung einer umfassenden Ernährungspolitik bringen. Dies würde die Förderung der Nachhaltigkeit von der Produktionsseite her mit der Förderung von Konsumseite her zusammenbringen. Weniger intensive und mehr extensive Produktion ist ohne die Importe zu erhöhen nur möglich, wenn sich die Konsummuster in Richtung tieferen Konsums tierischer Produkte und verminderter Nahrungsmittelabfälle wandeln.

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