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40 Jahre FiBL: Zusammenarbeit mit der Praxis als tägliche Inspiration

FiBL-Direktor Urs Niggli über die Vergangenheit und die Zukunft der Forschung für den biologischen Landbau in der Schweiz.

FiBL-Team

FiBL damals: Eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern unter der Leitung von Hardy Vogtmann Ende der 1970er-Jahre in Oberwil. Foto: FiBL

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FiBL-Team Anfang der 1990er-Jahre. Foto: Thomas Alföldi, FiBL

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Das FiBL-Team heute. Foto: Thomas Alföldi, FiBL

(29.06.2013) 

Dieses Jahr wird das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick, 40 Jahre alt. Die Geschichte des Instituts reicht sogar bis ins Jahr 1966 zurück, als Philippe Matile, Professor für Pflanzenphysiologie an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, in der Tageszeitung Die Tat schrieb: „Die Kunstdüngerwirtschaft ist eine Sackgasse“. Er forderte eine Rückbesinnung auf die Humuswirtschaft, wie sie die Biobauern praktizierten.

Professor Matile setzte sich deshalb mit Nationalrat Heinrich Schalcher zusammen, der daraufhin ein Postulat im Eidgenössischen Parlament einbrachte. Schalcher wollte die Schweizer Regierung überzeugen, eine der damals noch sieben Eidgenössischen landwirtschaftlichen Forschungsanstalten dem Biolandbau zu widmen. Die Regierung sah jedoch die Notwendigkeit nicht. Die beiden Visionäre aber setzten ihren Kampf fort. Die noch kleine Gruppe von wenigen Hundert Biobauern war elektrisiert von der Aussicht, zusammen mit andersdenkenden Wissenschaftlern ihre Anliegen zu diskutieren und endlich Gehör zu finden. Als das FiBL 1973 als private Stiftung gegründet wurde, war ihm die enge Zusammenarbeit mit den Ökobauern schon in die Wiege gelegt.

Liest man in den Archiven des FiBL, eröffnet sich einem die ganze Entwicklung des modernen Biolandbaus in der Schweiz, aber auch im internationalen Bereich: So hatten die ersten Richtlinien der Vereinigung schweizerischer biologischer Landbau-Organisationen (VSBLO) – heute Bio Suisse – auf nur vier Seiten Platz; die ersten Richtlinien der Internationale Vereinigung biologischer Landbaubewegungen (IFOAM) sogar auf zwei. Die „Knospe“ entwickelte sich vom FiBL-Logo zum Zeichen für den zertifizierten Ökoanbau und schließlich zum erfolgreichen Marketinginstrument der zunehmend selbstbewussten Bio Suisse. Die Ökokontrolle wurde anfänglich noch von Beratern durchgeführt. Daraus hat sich ein modernes Kontrollsystem nach ISO-Normen entwickelt. Auch zur Entwicklung der Internationalen Biorichtlinien der IFOAM, des Codex Alimentarius der UNO-Organisationen sowie der Europäischen Union haben FiBL-Mitarbeitende beigetragen. Wichtige Meilensteine in der FiBL-Geschichte sind auch die Gründung des FiBL Deutschland und des FiBL Österreich Anfang der 2000er-Jahre.

Die Herausforderungen bleiben groß. Einerseits muss die Umstellung auf den Ökolandbau attraktiver werden. Dazu braucht es eine ganze Reihe produktionstechnischer Verbesserungen  und der entsprechenden Forschung. Den Biolandbau als Leuchtturm für die ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit auszubauen, wird uns ein großes Anliegen sein. Im diesjährigen FiBL-internen Innovationswettbewerb haben Mitarbeitende des FiBL 35 Ideen eingereicht. Die Siegeridee, nämlich die stressfreie, artgerechte und ethisch ver- antwortbare Schlachtung von Nutztieren, soll sofort angegangen werden.

Der Biolandbau ist nie zu Ende gedacht und die Märkte differenzieren sich immer stärker aus. Neue Herausforderungen sind der Anbau von Faserpflanzen für Textilien oder die Fischzucht. Es werden zudem immer mehr Bioprodukte in verarbeiteter Qualität als Convenience angeboten, was große Anforderungen an die Lebensmitteltechnologie stellt. Und die Armut und Ernährungsunsicherheit in verschiedenen Regionen beschäftigt die Weltgemeinschaft und fordert Landwirte, Berater und Forscher heraus. Der Biolandbau bleibt spannend – wie vor 40 Jahren.

Autor: Urs Niggli, Direktor FiBL Schweiz

Weitere Informationen

Kontakt

Urs Niggli, Direktor FiBL

Ausführliche Fassung des Beitrags

bioaktuell.ch; Zusammenarbeit mit der Praxis als tägliche Inspiration: FiBL-Direktor Urs Niggli blickt in die Vergangenheit und die Zukunft der Forschung für den biologischen Landbau in der Schweiz (bioaktuell 6/22013, Seite 4)

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