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Thema: Biolandbau und Klimaschutz

Biolandbau und Klimaschutz auf www.fibl.org

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Markus Steffens
(Dr. rer. nat)

Departement für Bodenwissenschaften
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FiBL
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Müller Adrian
(Dr. sc. nat.)

Department of Socio-Economic Sciences
FiBL
Ackerstrasse 113
CH-5070 Frick

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Fax +41 (0)62 865-7273
adrian.mueller(at)fibl.org

Carbon Credits for Sustainable Landuse Systems (CaLas)

Das Ziel des CaLas Projekts (2009-2012) war es, für die erhöhte Kohlenstoffsequestrierung im biologischen Landbau eine international anerkannte Methodologie für den Clean Development Mechanism (CDM, Kyoto-Protokoll) oder Voluntary Carbon Market zu entwickeln. Diese soll durch nachhaltige Landnutzungspraktiken den Handel von CO2-Zertifikaten ermöglichen.

Im Projekt wurde zuerst in einer Metaanalyse möglichst genau erfasst, wie gross der relative Unterschied in der Kohlenstoffsequestrierung zwischen biologischen und konventionellen Anbausystemen ist. Um ein vollständigeres Bild zu gewinnen, wurde dieser Ansatz auch angewendet um mögliche Unterschiede bei den bodenbürtigen Treibhausgasemissionen aufzudecken. Bei der Methodologienentwicklung zeigte sich, dass aufgrund der institutionellen Anforderungen eine Umstellung auf Biolandbau nicht Grundlage einer Methodologie sein kann und dass Bodenkohlenstoffsequestrierung sich im CO2-Zertifikatemarkt noch besonderen Herausforderungen stellen muss. Es wurde deshalb eine sehr spezifische CDM-Methodologie zur Vermeidung von Biomasseverbrennung auf landwirtschaftlichen Flächen entwickelt.

Meta-Analyse - Literaturstudien

Wie verschiedene Fallstudien zeigen, hat der Biolandbau ein grosses Potential, Kohlenstoff in den Böden zu binden und die Emissionen im Vergleich zum konventionellen Landbau zu vermindern. Das Ziel dieser Metastudien war es, diese Erkenntnisse zu verallgemeinern und auf der Basis einer umfassenden Literaturübersicht erstmals alle verfügbaren Daten zur Sequestrierungsleistung des Biolandbaus und zu dessen Emissionscharakteristik (CH4, N2O) zu sammeln.

Dies führt zu einer verlässlicheren Beurteilung der Sequestrierungsleistung und des Emissionsreduktionspotentials des Biolandbaus im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft und ermöglicht es, Bereiche anzugeben, für die gesicherte Resultate vorliegen, aber auch Forschungslücken zu identifizieren.

Die Studien basieren einerseits auf einer umfassenden Literaturrecherche, die soweit möglich auch die graue Literatur berücksichtigt und zu allen vorliegenden Daten auch die Hintergründe erfasst (z.B. bis zu welcher Tiefe ein Bodenprofil erhoben wurde, um Daten zur Sequestrierungsleistung zu erhalten); andererseits wurden die Daten mit Hilfe formaler Meta-Analyse-Methoden aggregiert, um Durchschnittswerte zu ermitteln. Schliesslich wurden noch Metaregressionen durchgeführt, um Einflussfaktoren für die gefundenen Unterschiede zwischen den Anbausystemen zu identifizieren.

Die Resultate zur unterschiedlichen Kohlenstoffsequestrierung von biologischer und nicht-biologischer Bewirtschaftung  wurden in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) am 30. Oktober 2012 publiziert. Die Resultate zu den entsprechenden unterschiedlichen Treibhausgasflüssen (Emissionen) wurden in der Zeitschrift Science of the Total Environment (STOTEN) publiziert.

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Entwicklung einer Methodologie für CO2-Zertifikate aus nachhaltigen Landnutzungssystemen

Dieses Potenzial könnte im Prinzip zu einem Teil durch verschiedene boden-konservierende und humus-aufbauende landwirtschaftliche Methoden genutzt werden. Dazu gehören z.B. "no-till"- bzw. "reduced-till"-Landwirtschaft, Biolandbau, vermehrter Einsatz von Precision Farming-Techniken und Agroforstsysteme, welche ein-, mehr- und langjährige Pflanzen in Kombination nutzen. Dabei sind vor allem die komplexeren und multifunktional ausgerichteten Landbausysteme (Biolandbau, Agroforst) interessant, weil für sie der Grundsatz der Weltbank im BioCarbon Fund besonders zutrifft: „Deliver cost-effective emission reductions, while promoting biodiversity conservation and poverty alleviation“.

Ergebnisse

Es zeigte sich jedoch, dass die Anforderungen für ein zuverlässiges Monitoring bei einer carbon-offset Methodologie basierend auf Bodenkohlenstoffspeicherung sehr hoch sind. Im Voluntary Carbon Market bestünde zwar die Möglichkeit, Methodologien mit tieferen Anforderungen zu entwickeln, dies würde aber die Nachhaltigkeit untergraben, da die ausgewiesene Minderungsleistung zu unsicher bliebe. Zusätzlich stellen sich einem systemischen Zugang wie der Umstellung auf biologische Bewirtschaftung, im CO2-Markt grosse Hürden, da die Vergleichbarkeit der Outputs in der Baseline und nach der Umstellung ein Problem sein kann, die Festlegung der Systemgrenzen und die korrekte Quantifizierung aller involvierter Aspekte.

Das FiBL hat sich deshalb entschieden, eine sehr spezifische Methodologie zu entwickeln, die gut mit dem Biolandbau zusammengeht, höchsten Qualitätsansprüchen genügt, und einen neuen Bereich für CO2-Zertifikate erschliesst. Deshalb wurde eine Methodologie zur Vermeidung von Biomasseverbrennung in der Zuckerrohrproduktion für den CDM entwickelt und eingereicht, welche dann Ende 2012 vom Executive Board des CDM angenommen wurde.

Parallel dazu wurde ein Fachartikel zur optimalen Klimapolitik in der Landwirtschaft mit besonderem Fokus auf Kohlenstoffsequestrierung verfasst. Er befasst sich vor allem mit der Frage, ob projektbasierte Politikinstrumente wie CO2-Zertifikate oder aggregiertere Ansätze, bei denen Default-Values verwendet werden können, da sich die grossen Unsicherheiten bei der Quantifizierung ausmitteln, geeigneter sind. Dieser Artikel wurde bei der Zeitschrift Carbon Management publiziert und findet sich hier. Es zeigt sich, dass projektbasierte Ansätze für die Landwirtschaft und insbesondere für systemische Ansätze wie den Biolandbau nicht geeignet sind.

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