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Jörg Spranger verstorben

Jörg Spranger

Jörg Spranger, Foto: Thomas Alföldi, FiBL

Menschen vor einer Kuhweide

Das Gründungsteam von FiBL Deutschland in Loheland (bei Fulda) im Jahr 2001

(08.01.2016) 

Kurz vor Weihnachten, am 16. Dezember 2015, verstarb vollkommen unerwartet Jörg Spranger. Der gelernte Landwirt, Tierarzt mit landwirtschaftlicher Dissertation, Querdenker mit weitreichenden Visionen und grosser Begeisterungsfähigkeit baute das Departement Nutztierwissenschaften am FiBL in den Jahren 1997 bis 2004 von Grund auf neu auf.

Von Anfang an legte er grossen Wert auf den Facettenreichtum der Tierforschung am FiBL: Tierzucht, Haltung und Management, präventive Bestandesmedizin und komplementäre Therapiemethoden waren für ihn eine unzertrennbare Kombination um einen hohen Tiergesundheitsstatus (nicht nur) auf biologisch wirtschaftenden Betrieben zu garantieren. Ein grosses Anliegen war ihm das dem Nutzen übergeordnete Wohl der Tiere, für das wir als tierhaltende, als tierpflegende Menschen eine enorm hohe Verantwortung tragen. Hier hat er in ganz besonderer Weise auch die Arbeit von Michael Rist aufgegriffen und weitergeführt.

Jörg Spranger hat die Ausrichtung des FiBL um die Jahrhundertwende entscheidend mitgeprägt. FiBL Schweiz gründete im Jahr 2000 den Verein FiBL Deutschland e.V. Die ursprüngliche Idee war es, die Forschungstätigkeit von Jörg Spranger (3. von rechts) in Brodowin, welche zusammen mit dem Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin durchgeführt wurde, institutionell abzusichern. Der Betrieb Brodowin bot mit 300 Milchkühen und grossen Eutergesundheitsproblemen ideale Voraussetzungen für den ganzheitlichen Forschungsansatz der Bestandesmedizin. Es war auch angedacht, dass FiBL Deutschland e.V. ein wissenschaftliches An-Institut der FU Berlin werden sollte.

Bereits im Jahre 2001 wurde sichtbar, dass FiBL Deutschland breiter als nur in der Tierforschung aufgestellt werden sollte. Die ehemaligen Fachspezialisten des gerade zu diesem Zeitpunkt aufgelösten deutschen Dachverbands AGÖL (Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau), welche zu FiBL Deutschland e.V. stiessen, brachten zahlreiche weitere Themen und Dienstleistungen ein.  Jörg Spranger, beseelt von seiner ganzheitlichen Arbeit mit den Tieren (am liebsten mit Kühen), konnte sich mit dieser Entwicklung nicht anfreunden.

Jörg Spranger fühlte sich sehr, wenn auch nicht unkritisch, der biologisch dynamischen Landwirtschaft und der anthroposophischen Medizin verbunden, was im Jahr 2005 ausschlaggebend für die Gründung des IAVET (Institut für Anthroposophische Veterinärmedizin) in Frick war, unter dem Dach des FiBL. Dieses Institut sollte ganz auf die anthroposophischen Aspekte der Gesunderhaltung von Nutz- und Heimtieren fokussieren. Im Zusammenhang mit dem IAVET betrieb Jörg Spranger eine Tierarztpraxis in Dornach – er war auch immer mit Leib und Seele praktischer Tierarzt und konnte so nicht zuletzt Forschung und Praxis miteinander verbinden. Zu dieser Zeit entstand auch das von ihm herausgegebene "Lehrbuch der anthroposophischen Tiermedizin".  Leider war es sehr schwierig, diese Art der Forschung, Praxis und Beratung zu finanzieren. Das Institut musste im Jahr 2008 wieder geschlossen werden.

Jahrzehnte lang hatte sich Jörg Spranger dafür eingesetzt, dass komplementärmedizinische Therapieverfahren im Studium der Tiermedizin einen grösseren Stellenwert erhalten sollten. In den letzten vier Jahren hat er sehr erfolgreich die Ausbildung zum diplomierten Tierheilpraktiker an der Akademie Paramed in Baar auf- und ausgebaut, konsequenter Weise mit dem Ziel hieraus einen staatlich anerkannten Studiengang zu entwickeln. Er blieb mit ehemaligen Kolleginnen und Kollegen des Departements für Nutztierwissenschaften weiterhin im Kontakt und drei von ihnen haben für Paramed einzelne Vorlesungen und Übungen angeboten. Mit nur 65 Jahren war er noch voller Energie. Vor kurzem erst hatte er zusammen mit einem Tierheilpraktiker wieder eine Praxis gegründet. 

Impulse, die er mit seinem Schaffen setzte, wirken weiter.

Michael Walkenhorst und Urs Niggli

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