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Aufbruchstimmung in der EU-Agrarpolitik

Am 19. und 20. Juli 2010 fand in Brüssel eine Konferenz zur Gemeinsamen Agrarpolitik GAP nach 2013 statt. Erstmals wurde eine europaweite öffentliche Debatte zur Zukunft der GAP geführt. FiBL-Direktor Urs Niggli vertrat die Anliegen des Biolandbaus.

Preisverleihung an den Gewinner des Gestaltungswettbewerbs für das neue EU-Biologo. Von links nach rechts: Eu-Agrarkommissar Dacian Ciolos, Urs Niggli (Direktor FiBL), Riitta Brusila-Räsänen (Professorin für grafische Gestaltung, Finnland); Dusan Milenkovic, Gewinner des Logo-Wettbwerbs sowie die Gewinner des zweiten und des dritten Preises; Szymon Skrypczak (Designer, Polen); Loretta Dormal Marino (Vizedirektorin Generaldirektion Landwirtschaft); Elisabeth Mercier (Direktorin Agence Bio Frankreich); Rob Vermeulen (ehemaliger Präsident der Pan-European Brand Design Association). (c) Media-Consulta

(26.07.2010) 

Am 19. und 20. Juli 2010 diskutierte der EU-Agrarkommissar für Landwirtschaft Dacian Cioloş mit 600 Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtschaft, der Wirtschaft und der Gesellschaft die Neuausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik nach dem Jahr 2013. Der Kommissar lud 50 Agrarexperten ein. Unter ihnen war Urs Niggli vom FiBL; er sprach zu den Themen Klimawandel, Umweltschutz und Biodiversität und zu den Potentialen, welche der Biolandbau zur Lösung dieser Herausforderungen bietet.

Anlässlich einer Ausstellung präsentierte der EU-Agrarkommissar das neue EU-Logo für biologische Produkte, welches ab 1. Juli auf verpackten Produkten angewendet werden muss, den Medien. An beiden Anlässen war eine grosse Ausbruchstimmung spürbar.

Im Vorfeld der Konferenz hatte eine öffentliche Befragung der Bürgerinnen und Bürger zur zukünftigen Bedeutung und Ausrichtung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU stattgefunden.  Ingesamt gingen 5'700 Antworten auf der Internetseite der Generaldirektion Landwirtschaft  ein. Rund 60 Prozent der Antworten stammten aus den drei Mitgliedländern Deutschland, Polen und Frankreich. Die Mehrheit der Bürger vertrat die Meinung, dass die gesamteuropäische Landwirtschaftspolitik beibehalten und die Landwirtinnen und Landwirte auch in Zukunft finanziell unterstützt werden sollten. Gleichzeitig wurden aber auch klare Erwartungen an die Landwirtschaft geäussert: Die Lebensmittel sollten gesund, natürlich und umweltfreundlich sein. Unter gesunden Produkten wurde mehrheitlich das Fehlen von unerwünschten Stoffen und von Risiken durch Mikroorganismen und Krankheitserreger verstanden. Natürlich sollten Lebensmittel vor allem durch den Verzicht von GVO und Pestiziden sein. Und mit umweltfreundlich meinten die EU-Bürger hauptsächlich gute Wasserqualität, einen fruchtbaren Boden und keine Belastung der Luft mit Klimagasen.

FiBL-Direktor Urs Niggli betonte, dass nachhaltigen Landbewirtschaftungsformen bei der zukünftigen Agrarpolitik Vorrang haben müssten. Isolierte Massnahmen seien nicht der richtige Weg, um die zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen anzugehen. Er rief EU-Agrarkommissar Ciolos auf, in Systemansätze wie den ökologischen Landbau zu investieren. Ökologischer Landbau biete nachweislich Lösungen beim Klimawandel, sei gut für die Biodiversität, für Wasser- und Bodenqualität und erzeuge darüber hinaus hochwertige Lebensmittel. Dem Biolandbau sei deshalb bei allen Massnahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik Vorzug zu geben. Diese Position vertrat auch die Regionalgruppe EU der Internationalen Vereinigung biologischer Landbaubewegungen (IFOAM-EU-Gruppe), wie deren Präsident Christopher Stopes in Brüssel erklärte.

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