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Das "Grüne Marokko" auf dem Weg nach Europa

Der marokkanische Biolandbau hat grosses Potential. Erste "Leuchtturm-Betriebe" sind umgestellt, und die Produkte sind im Export gefragt. Gleichzeitig bietet er selbstversorgenden Kleinbetriebe Möglichkeiten für eine Teilnahme am Markt, was im Falle von herkunftsgeschützten Produkten bereits teilweise realisiert ist. An einem vom FiBL mitorganisierten Symposium in Agadir sind Anfang Dezember Potenziale ausgelotet und offene Fragen diskutiert worden.

Frauen beim Öffnen der Argannüsse per Hand

Manuelles öffnen der Argannuss. Bild: www.agadir2013.org

(18.12.2013) 

Marokko führt eine Agrarpolitik unter dem Namen "Grünes Marokko" mit zwei Haupt-Stossrichtungen: Die Modernisierung der grossen Betriebe zur Verstärkung ihrer Produktionskapazitäten und der Erhöhung der Export. Zweitens will man die vor allem auf Selbstversorgung fokussierten Kleinbetriebe mit schwierigen Produktionsbedingungen beim Ausbau ihrer Kapazitäten unterstützen. Damit soll auch die soziale Stabilität im Land erhalten werden.

Arganöl als Beispiel

Auch die Förderung des Biolandbaus ist ein prioritäres Anliegen von "Grünes Marokko". Dafür sollen einerseits einige grosse "Leuchtturm-Betriebe" umgestellt werden, damit sich im Export nach Europa Aufmerksamkeit für die wachsende Bedeutung des Biolandbaus in Marokko wecken lässt. Andererseits hat man festgestellt, dass die in bescheidenen Verhältnissen arbeitenden Kleinbetriebe aufgrund knapper Liquidität ohnehin schon Bio-ähnlich bewirtschaften. Diese tragen schon heute zur Produktion von gelabelten marokkanischen Lebensmitteln bei, namentlich im Bereich der geschützten Herkunftsbezeichnungen, was in vielen Haushalten bereits zu markanten Einkommensverbesserungen beigetragen hat. Ein Beispiel dafür ist die Produktion von Arganöl in über 300 Genossenschaften. Das Öl, welches für die Herstellung von Kosmetika exportiert wird hilft vielen Frauen, ihr Einkommen aufzubessern, Geld das die Haushalte benötigen um beispielsweise Ausbildungen der Kinder und Medikamente zu finanzieren.

Trotz ihrer wachsenden Bedeutung gibt es für Bio und herkunftsgeschützte Produkte wichtige Bremsfaktoren. So fehlt nach wie vor eine marokkanische Bio-Verordnung, die einen Export nach Europa erst ermöglichen würde. Im Weiteren fehlt es an technologischen Verbesserungen, die für eine erhöhte Qualität der Produkte nötig wäre, deshalb überwiegen die Verluste im Produktionsprozess oft die Ertragspotenziale. Einige Grossbetriebe haben erfolgreich umgestellt, aber das bleiben Ausnahmen. Im Falle der herkunftsgeschützten Produkte ist eines der Probleme, dass die auf europäischen Märkten erwirtschafteten Erträge nur in ungenügendem Ausmass zu den ProduzentInnen gelangen. Offene Fragen gibt es auch bezüglich Nachhaltigkeit der Produktionssysteme, gerade die Arganproduktion erfolgt in einem sehr bedrohten und fragilen Ökosystem.

150 Teilnehmer aus 27 Ländern

Um in diesen Fragen für Fortschritte zu sorgen haben das FiBL und das Institut für Agronomie und Veterinärkunde Hassan II ein Symposium organisiert. Mit dem Anlass, welcher Anfang Dezember in Agadir über die Bühne ging, sollten folgende Ziele erreicht werden:

  1. Standortbestimmung bezüglich dem Stand der Forschung für den biologischen Landbau im Mittelmeerraum.
  2. Bestandesaufnahme der Entwicklung von Marken und Labels für Qualität und Herkunftsschutz und ihrer Einflüsse auf die ländliche Entwicklung.
  3. Diskussion der Synergien und Schwierigkeiten aufgrund von Mehrfach-Labelung von Produkten (Bio und geschützte Herkunft).
  4. Etablierung eines Dialogs und einer Austausch-Plattform zwischen Forschenden, welche zu biologischen und herkunftsgeschützten Produkten arbeiten, um mögliche Synergien zu finden.
  5. Suche nach einer konvergenten Strategie zur gemeinsamen Promotion von biologischen und herkunftsgeschützten Produkten, sowie der Mittelmeer-Diät als verbindendem Element.

Am Symposium haben über 150 Personen aus 27 Ländern teilgenommen. Zum Auftakt fanden am 1. Dezember Plenumssitzungen mit zahlreichen Würdenträgern aus dem marokkanischen Landwirtschafts- und Ernährungssektor statt. Dabei konnten etliche Grundsatzfragen geklärt werden, die Degustation von Terroir-Produkten aus Marokko gehörte natürlich auch zum Programm.

Positive Bilanz der Organisatoren

Am zweiten Kongresstag diskutierte man in drei themengebundenen Sitzungen spezifischere Fragestellungen. Die Themen waren die Verwertungskette, der Herkunftsschutz und die Biolandwirtschaft. Den Teilnehmern stand es frei, zwischen den Sälen zu zirkulieren. So war es möglich bedarfsgerecht Informationen abzuholen einen neuen Standpunkt oder Bedenken einzubringen. Insgesamt wurden an den zwei Tagen über 60 Referate gehalten. Am Abschlusstag schliesslich stand eine Exkursion auf dem Programm. Nach einem Besuch bei einem Bio-Kräuterproduzenten besichtigte man auf einem zertifizierten Betrieb die Ernte und die Verarbeitung von Argan.

Die Organisatoren zogen eine positive Bilanz des Symposiums. Die Reaktionen nach dem Anlass hätten gezeigt, dass dieser thematisch und strukturell die Erwartungen erfüllt habe. Auch mit der Teilnehmerzahl zeigten sie sich zufrieden. Das Symposium habe einem wahren Bedürfnis entsprochen, heisst es in einem Analysepapier des FiBL. Die thematische Verbindung von Biolandbau und Herkunftsschutz sei neu und habe Gelegenheit geboten, Gemeinsamkeiten und Differenzen auszuloten.

Organisatoren waren neben dem FiBL das Institut für mediterrane Landwirtschaf in Bari (AMABIO), der marokkanische Verband der Biolandwirte und das IAV. Finanziell unterstützt wurde die Durchführung des Anlasses unter anderen vom marokkanischen Landwirtschafts- und Fischereiministerium, von der INRA Maroc, von der FAO und diversen weiteren Partnern. 

Text: Hélène Bougouin
Übersetzung: Adrian Krebs

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Adrian Krebs