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Thema: Biodiversität

Biodiversität auf www.fibl.org

Kontakt

Lukas Pfiffner
(Dr. phil-nat, Ing.Agr. ETH)

Departement für Nutzpflanzenwissenschaften
Leitung Pflanzenschutz-Agrarökologie
FiBL
Ackerstrasse 113
CH-5070 Frick

Telefon +41 (0)62 865-7246
Fax +41 (0)62 865-7273
lukas.pfiffner(at)fibl.org

Funktionelle Agro-Biodiversität zur Aufwertung von Bioapfelanlagen

EcoOrchard - ein EU-CORE Organic Plus Projekt

Bioobstbauern leiden immer wieder unter Ertragsausfällen und Qualitätseinbussen, welche durch Schädlinge verursacht wurden. Die im biologischen Anbau zur Verfügung stehenden Pflanzenschutzmittel reichen nicht immer aus, um die Schädlinge in Schach zu halten. Dies erhöht das wirtschaftliche Risiko der Apfelproduktion. Der massgeschneiderte Einsatz Funktioneller Agro-Biodiversität (FAB), zum Beispiel die gezielte Förderung von nützlichen Insekten und Bestäubern, kann Schädlingsregulation und andere Ökosystemleistungen wie natürliche Bestäubung verbessern. Allerdings fehlen erprobte Fördermassnahmen und Instrumente, den Nutzen messbar zu machen. Letztlich braucht es praxisnahe Bewirtschaftungsverfahren, um FAB in die Obstanlagen zu integrieren.

Projektbeschreibung

Ziel des Projektes EcoOrchard, an dem neun europäische Länder beteiligt sind, ist die Entwicklung geeigneter Strategien und Massnahmen zur Förderung der FAB in der biologischen Apfelproduktion. Dazu werden Blühstreifen - bestehend aus diversen blütentragenden, wilden Pflanzenarten - in den Fahrgassen zwischen den Baumreihen gepflanzt. Es gilt herauszufinden, wie weit FAB den Schädlingsbefall reduzieren kann. Diese Blühstreifen sollen verschiedene Nützlinge wie räuberische Insekten und Spinnen und Parasitoide substantiell fördern, um Schädlinge wie Mehlige Apfelblattlaus (Dysaphis plantaginea) und Apfelwickler (Cydia pomonella) unter der Schadenschwelle zu halten.

Neben faunistischen und floristischen Untersuchungen zur Eignung angesäter Blühstreifen wird auch ein angepasstes Habitat- und Pflegemanagement entwickelt sowie die Anbautechnik optimiert. Um diese ökologischen Fördermassnahmen erfolgreich in Obstanlagen zu implementieren, werden entomologische und botanische Versuche in verschiedenen Praxis-Apfelanlagen in sechs europäischen Länder durchgeführt. Neben der Erfassung der Effektivität der Massnahmen, steht dabei die direkte Erprobung in der Praxis und das Feedback der Produzenten im Vordergrund. In Fragebögen wird das bestehende Wissen von Obstproduzenten und Beratern zum Thema FAB erhoben, um Wissenslücken und Hindernisse für die Umsetzung zu erkennen. Zudem werden praxistaugliche Methoden und Indikatoren zur Erfassung der spezifischen Nützlinge erarbeitet, die die Umsetzung den Betrieben erleichtert und den Landwirten den direkten Nutzen vor Augen führt.

Durch die Erstellung eines webbasierten Themenportals (EBION: ebionetwork.jki.bund.de) entsteht ein aktives Netzwerk, in dem die erarbeiteten Ergebnisse und Empfehlungen für die Praxis dokumentiert und diskutiert werden können.

Hauptprojektaktivitäten

  • Identifizierung vielversprechender Methoden, Werkzeuge und Monitoring-Techniken zur Integration der FAB ins Apfelanbausystem.
  • Prüfung von nützlingsfördernden Blühstreifen in sechs Ländern.
  • Entwicklung optimierter Bewirtschaftungsmethoden und Techniken für Blühstreifen
  • Implementierung eines europäischen Netzwerkes für den Austausch von praktischen Erfahrungen und wissenschaftlichen Resultaten für die Weiterentwicklung der FAB in Dauerkulturen wie zum Beispiel Apfelanlagen.
  • Durch den partizipativen Ansatz mit Landwirten und anderen Stakeholdern sollen Probleme frühzeitig erkannt und innovative Lösung gemeinsam entwickelt werden.

Nutzen und Potentiale funktionaler Biodiversität

Die Einbettung funktioneller Biodiversität in Anbausysteme soll dazu beitragen, dass

  • die Wirtschaftlichkeit der Betriebe verbessert wird,
  • die Nachhaltigkeit der Produktion gefördert wird,
  • dem Markt eine stabilere Menge an hochwertigen, biologisch produzierter Früchte zur Verfügung gestellt werden kann,
  • das Gemeinwohl durch die geringere Pestizidspritzungen verbessert wird,
  • Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna geschaffen wird und
  • die Landschaft ästhetisch bereichert wird.

Projektdauer

2015-2017

FiBL-Projektteam

Projektpartner

  • Lene Sigsgaard, University of Copenhagen, Denmark (Koordinatorin)
  • Dorota Kruczyńska, Małgorzata Sekrecka, InHort, Poland
  • Marc Tchamitchian, Servane Penvern, Aurélie Cardona, Arnaud Dufils, Ecodéveloppement, INRA, France
  • François Warlop, GRAB, France
  • Annette Herz, Julius Kühn-Institut, Germany
  • Mario Porcel, SLU, Sweden
  • Markus Kelderer, Josef Telfser, VZ-Laimburg, Italy
  • Laura Ozolina-Pole, Baiba Ralle, Latvian Plant Protection Research Centre, Latvia
  • Laurent Jamar, CRA-W, Belgium
  • Maren Korsgaard, EcoAdvice, Denmark