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Kontakt

Rolf Mäder
(Dipl.-Ing. agr.)

Bereichsleiter
FiBL
Kasseler Straße 1a
D-60486 Frankfurt

Telefon +49 (0)69 7137699-71
Fax +49 (0)69 7137699-9
rolf.maeder(at)fibl.org

Qualitätssicherung

Am wichtigsten ist die Sicherheit

Mit dem Wachstum der Biobranche wachsen auch die Ansprüche an Sicherheit und Professionalität. Das Betrugsrisiko steigt, je beliebter Bioware wird. Mit Sicherheit und Transparenz können Hersteller punkten. Doch das kostet viel Geld und erfordert viel Know-how. Das FiBL Deutschland entwickelt in Zusammenarbeit mit den Partnerinstituten und weiteren Spezialisten praktische Lösungen, wie Anbieter die Sicherheit ihrer Waren verbessern können.

"Wir betreuen viele unterschiedliche Projekte im Themenbereich Sicherheit über die ganze Wertschöpfungskette hinweg, von der Erzeugung bis zur Kontrolle", erklärt Rolf Mäder, Experte für Qualitätssicherung und Gentechnik am FiBL Deutschland. Beim Saatgut fängt es an. Die Saatgutdatenbank organicXseeds (www.organicXseeds.de) gibt es schon seit mehr als zehn Jahren. Sie bietet eine aktuelle Plattform für alle, die ökologisches und gentechnikfreies Saat- und Pflanzgut nach EU-Standards anbieten oder danach suchen. Wie sich ungewollte Gentechnikeinträge in Bioprodukte vermeiden lassen, erfahren Erzeuger und Händler im Praxishandbuch "Bioprodukte ohne Gentechnik".

Keine Gentechnik durch die Hintertür

Kritiker bezeichnen die CMS-Technik (cytoplasmatisch-männliche Sterilität) als "Gentechnik light". Diese Technik wird in der modernen Züchtung eingesetzt, um beispielsweise von Kohlarten und Chicorée leichter Hybriden herstellen zu können. Die gesetzlichen Regelungen inklusive der EU-Ökoverordnung lassen die Verwendung von CMS-Sorten zu, eine Kennzeichnung ist nicht vorgeschrieben. Anbauer wissen deshalb nie sicher, ob die Methode eingesetzt wurde, wenn sie Saatgut kaufen. Die deutschen Anbauverbände wie Demeter, Bioland und Naturland haben sich freiwillig verpflichtet, nur CMS-freies Saatgut zu verwenden. Um das zu gewährleisten, entwickelte das FiBL Deutschland eine Datenbank (www.iqseeds.eu), in der Sorten gelistet sind, die ohne CMS-Technik erzeugt wurden. Die Datenbank unterstützt die Gärtnerinnen und Landwirte bei der Auswahl geeigneter Sorten unabhängig davon, ob das Saatgut ökologisch oder konventionell erzeugt wird.

Der nächste Schritt in der Wertschöpfungskette ist der Anbau. Seit 2006 gibt das FiBL die "Betriebsmittelliste für den ökologischen Landbau in Deutschland" heraus. Diese Positivliste schafft Transparenz und Sicherheit darüber, welche Betriebsmittel in der ökologischen Landwirtschaft eingesetzt werden dürfen. Die Liste umfasst beispielsweise Düngemittel, Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmittel sowie Komposte (www.betriebsmittelliste.de).

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Zweifelsfrei aus der Region

Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher wollen Lebensmittel, die in ihrer Region erzeugt und verarbeitet wurden. Am FiBL Deutschland laufen aktuell zwei Projekte zur effizienten Überprüfung der Herkunft von Lebensmitteln.

Jede Region hat ganz spezifische Wachstumsbedingungen, die sich in der chemischen Zusammensetzung der Lebensmittel niederschlagen. Ist der Weizen aus dem Taunus, die Kartoffel aus der Rhön? Für einige Lebensmittel können Laboranalysen hier inzwischen bereits Antworten mit hoher Zuverlässigkeit liefern. Dazu ist eine Datenbank mit Referenzwerten notwendig.

Im Projekt Wasserzeichen wurden die Referenzen für Lebensmittel von Weizen über Äpfel bis zu Fleisch und Milch in verschiedenen definierten Regionen in Hessen erhoben. Anschliessend wurden entsprechende Testprodukte mit regionaler Auslobung im Einzelhandel gekauft und auf ihre Herkunft überprüft. Das Ergebnis: "Die Isotopenanalyse ermöglicht es Herstellern und Handel schon jetzt, die regionale Herkunft der Produkte effizient zu überprüfen und zu sichern", erklärt Rolf Mäder. Der Nachteil: Der Aufbau von Referenzdaten für eine Region ist relativ teuer und aufwendig. Im neuen Projekt Isotrace wird eine kostengünstigere Variante erprobt. Erzeuger von regional ausgelobten Waren geben Rückstellproben ab, die als Vergleichsmaterial für Stichprobenprüfungen von Rohwaren und Produkten des jeweiligen Erzeugers dienen.

Weiter geht es in der Wertschöpfungskette mit der Verarbeitung. Mit der FiBL-Liste Ökoverarbeitung haben die Verarbeiter ein Werkzeug in der Hand, das beispielsweise für Desinfektions-, Hilfs- und Zusatzstoffe angibt, ob im Herstellungsprozess die gesetzlichen Vorschriften eingehalten wurden.

Immer aktuell zertifiziert

Besitzt mein Lieferant überhaupt ein aktuelles Zertifikat? Es gab schon Fälle, in denen Betriebe trotz Aberkennung ihres Zertifikats noch sechs oder zwölf Monate weiter lieferten. Deshalb betreibt das FiBL Deutschland gemeinsam mit diversen Ökokontrollstellen und der IFOAM die bioC-Datenbank (www.bioc.info). Hier können Verarbeitungsbetriebe jederzeit zweifelsfrei überprüfen, ob ihre Lieferanten ein lupenreines Zertifikat aufweisen. In einem geschützten Bereich können sich Verarbeiter und Händlerinnen Lieferantenlisten anlegen. Ändert sich der Zertifizierungsstatus eines Lieferanten, erhalten die Inhaberinnen der Lieferantenlisten eine Benachrichtigung per E-Mail. Das erleichtert den Verarbeitungsbetrieben zum einen die Arbeit, weil das Einsammeln und Verwalten von Zertifikatskopien entfällt, und sie sind immer auf dem aktuellen Stand.

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Lückenlose Rückverfolgbarkeit

Für die Absicherung über alle Stufen der Wertschöpfungskette hat das FiBL Deutschland eine technische Lösung zur lückenlosen Rückverfolgbarkeit entwickelt. Sie erlaubt auch bei zusammengesetzten Lebensmitteln wie Fruchtjoghurt oder Bier die Identifikation der an der Wertschöpfungskette Beteiligten bis zum Erzeuger, zur Erzeugerin. Das stufenübergreifende System wird beispielsweise von der Supermarktkette Feneberg aus dem Allgäu für ihre regionale Biomarke "Von Hier" konsequent angewandt. Über "Bio mit Gesicht" (www.bio-mit-gesicht.de) erfahren auch die Verbraucher, wer die Kartoffeln, das Bier oder den Käse produziert hat, bei zusammengesetzten Produkten bis hin zum einzelnen Rohstoff. Ein "Bio mit Gesicht"-Porträt mit aussagekräftigen Bildern erlaubt einen virtuellen Besuch auf dem Hof oder im Betrieb.

So hat sich das FiBL Deutschland gemeinsam mit Partnern zu einem Kompetenzzentrum für Qualitätssicherung von Biolebensmitteln entwickelt. "In der Zukunft wollen wir auf Grundlage der entwickelten Bausteine ein umfassendes Sicherungssystem aufbauen, welches Verantwortlichen in der Qualitätssicherung und Kontrollstellen hilft, die Wertschöpfungskette effizient abzusichern", resümiert Rolf Mäder.

Projekte rund um die Sicherheit

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