Kondensierte Tannine als Bestandteil eines integrierten Kontrollkonzeptes
gegen Magen-Darm-Nematoden bei Wiederkäuern
Veronika Maurer,
Felix Heckendorn
Das Projekt liefert die Grundlagen eines Einsatzes tanninhaltiger
Futterpflanzen für die Kontrolle von Magen-Darm-Nematoden bei
Wiederkäuern.
Schlüsselwörter: Magen-Darm-Nematoden, Kondensierte Tannine,
Wiederkäuer
Problemfaktor Magen-Darm-Nematoden
In Bio-Betrieben stellt der Befall mit parasitisch lebenden Magen-Darm-Nematoden
bei weidenden Jungrindern und bei kleinen Wiederkäuern einen
wesentlichen Problemfaktor für die Tiergesundheit dar. Klinische
und subklinische parasitäre Erkrankungen sind daher auch von
erheblicher wirtschaftlicher Relevanz.
Für den Tierhalter stellt sich einerseits das Problem, den
Parasitendruck auf einem vertretbaren Niveau zu halten und, andererseits,
der Forderung der Bio-Richtlinien nach einer weitgehenden Reduktion
des Medikamenten-Einsatzes nachzukommen. Klassische komplementärmedizinische
Heilmethoden wie Homöopathie und Phytotherapie brachten im
Bereich der Parasitenkontrolle bisher keine umsetzbaren Resultate
und auch andere Alternativen wie biologische Kontrollmassnahmen
sind kommerziell noch nicht verfügbar.
Deshalb beruht die Kontrolle des Parasitenbefalls auch in biologisch
bewirtschafteten Betrieben immer noch weitgehend auf der Anwendung
von Entwurmungsmitteln (Anthelminthika). Diese Problematik verschärft
sich durch die Resistenz einiger wirtschaftlich bedeutsamer Wurmparasiten
gegen seit langem eingesetzte Anthelminthika. Die Folge ist gegenwärtig
eine weitere Intensivierung des Medikamenten-Einsatzes auch auf
Bio-Betrieben. Diese Situation ist mit der Philosophie des biologischen
Landbaus nicht vereinbar.
Strategien zur nicht-medikamentösen Kontrolle von Wurmparasiten
Auf dem derzeitigen Stand der Forschung zeichnen sich für
die Weidehaltung von Rindern und kleinen Wiederkäuern unter
mitteleuropäischen Verhältnissen drei Strategien zur alternativen,
nicht-medikamentösen Kontrolle von Wurmparasiten ab. Es handelt
sich dabei
- erstens um Massnahmen, bei denen das Weidemanagement als Instrument
zur Verdünnung der Parasitenbelastung auf der Weide eingesetzt
wird
- zweitens um eine neue biologische Kontrollstrategie, basierend
auf der Verfütterung von Sporen nematophager Pilze
- drittens um den Einsatz tanninhaltiger Futterpflanzen.
Die beiden erstgenannten Strategien bewirkten in Versuchen eine
Reduktion des Endoparasitenbefalls; bei kleinen Wiederkäuern
und bei erstsömmrigen Rindern sind für eine ausreichende
Kontrolle der Magen-Darm-Würmer jedoch weitere Massnahmen nötig.
Anthelminthischer Effekt kondensierter Tannine
Diverse Studien (meist aus Neuseeland und Skandinavien) zeigen
einen anthelminthischen Effekt verschiedener Pflanzenarten, der
auf deren erhöhten Gehalt an kondensierten Tanninen zurückgeführt
wird und sich gegen die adulten Parasiten im Wirtstier und, in in
vitro Versuchen, auch gegen die Larvenstadien richtet.
Gezielte Nutzung von Futterpflanzen
Die gezielte Nutzung derartiger Futterpflanzen hätte das Potenzial,
sich zu einem tragfähigen Pfeiler eines integrierten Kontrollkonzeptes
gegen Magen-Darm-Nematoden bei Wiederkäuern zu entwickeln.
Kondensierte Tannine schützen zudem Futterprotein vor dem mikrobiellen
Abbau im Pansen und können auf diese Weise die Proteinversorgungslage
des Wiederkäuers verbessern, was sich positiv auf Wachstum,
Milch- und Wollproduktion auswirken kann. Kondensierte Tannine haben
auch eine schützende Wirkung gegen Blähungen bei weidenden
Tieren.
Damit Pflanzen mit einem hohen Gehalt an kondensierten Tanninen
jedoch sinnvoll eingesetzt werden können, müssen sie den
Gegebenheiten der entsprechenden Region angepasst sein. Zentral
sind ihre Eignung für übliche Futterbausysteme sowie die
klimatischen Ansprüche. Weltweit ist noch in keiner Region
eine entsprechende Strategie praxisreif und es existieren zu diesem
Thema insbesondere keine Untersuchungen aus der Schweiz und aus
dem benachbarten Ausland
.
Kontakt
Felix Heckedorn,
FiBL
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