Optimierung der Legehennenhaltung mit Grünauslauf:
Untersuchungen zu Auslaufnutzung und Grünauslaufmanagement
Helen Hirt, Veronika
Maurer, Esther
Zeltner
Die zunehmende Nachfrage nach ökologisch produzierten Eiern führte
dazu, dass in der Schweiz viele von der Marktsituation profitieren
wollten und neu z.T. mit geringen Erfahrungen und mit relativ grossen
Herden in die Eierproduktion eingestiegen sind. Nach wenigen Jahren
zeigten sich aber bereits grosse Probleme unter anderem in der lokalen
Übernutzung des Grünauslaufes.
Uns interessierte zunächst die folgenden 2 Fragen:
- Frage 1
Hat die Herdengrösse bei Legehennen einen Einfluss auf die Nutzung
des Grünauslaufes?
- Frage 2
Wie lässt sich die Grasnarbe im Grünauslauf intakt halten?
Herdengrösse und Auslaufnutzung
Laut der Verordnung (EG) Nr. 1804/1999 zur ökologischen Tierhaltung
in Europa ist bei den Legehennen eine Herdenobergrenze von 3000
Tieren und 4 m2 Auslauffläche pro Legehenne vorgeschrieben.
In der Schweiz sind für den Auslauf 5 m2 pro Tier vorgeschrieben
und es gibt bei den Labelorganisationen kagfreiland und BIO SUISSE
eine Herdenobergrenze von 500 Tieren. Es stellt sich dabei die Frage,
ob eine solche Herdenobergrenze hauptsächlich den Konsumentenerwartungen
nach kleinen idyllischen Produktionsformen entgegen kommt, oder
ob es dabei tatsächlich um das Wohlergehen der Tiere geht.
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Abb. 1: Hat die Herdengrösse bei Legehennen einen Einfluss
auf die Nutzung des Grünauslaufes?
(Foto Thomas Kalt)
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Es wurden dazu folgende Untersuchungen durchgeführt: Auf insgesamt
12 Praxisbetrieben im Schweizer Mittelland wurde die Auslaufnutzung
von Legehennen in Herden mit 50, 500 und 3000 Tieren untersucht
(je 4 Betriebe pro Herdengrösse). Die Herden mit 50 bzw. 500 Legehennen
waren auf ökologisch bewirtschafteten Betrieben, die nach gleichen
Labelproduktionsvorschriften produzieren, eingestallt.
Die Herden mit 3000 Legehennen waren auf Betrieben mit integrierter
Landwirtschaft (Coop NATURAplan). Der Hauptunterschied zu den beiden
kleineren Herden liegt in einer grösseren Tierdichte und nicht ökologischer
Fütterung. Alle Tiere hatten intakte (ungekürzte) Schnäbel, einen
eingestreuten und überdachten Aussenklimabereich (Kaltscharraum)
sowie Zugang zu einem Grünauslauf (Weide). Der Grünauslauf war optisch
jeweils in 12 Teilfelder (3 quer, 4 längs) eingeteilt. Im Sommer
1999 wurden an drei vollen Lichttagen im Abstand von etwa einem
Monat 12 mal über den ganzen Tag verteilt alle Tiere je Teilfeld
ausgezählt (Scan Sampling).
Grünauslaufmanagement
Obwohl das Huhn kein eigentliches Weidetier ist und beispielsweise
für das Staubbaden einen kahlen Boden braucht, hat eine intakte
Grasnarbe wichtige Funktionen:
- Grüne Pflanzen nehmen einen Teil der Nährstoffe auf, die im
Auslauf anfallen, und tragen dazu bei, die Auswaschung zu verhindern.
- Ein dichter Pflanzenbewuchs verhindert die Verschlämmung der
Bodenoberfläche und Bodenerosion durch Wasser und Wind und gewährleistet
damit langfristig die Bodenfruchtbarkeit.
- Ein bewachsener Boden fördert die Entwicklung der Regenwürmer
und der oberirdisch lebenden Gliedertiere.
- Pflanzen bieten Nahrung und Beschäftigung für die Hühner.
- Ein grüner Auslauf spiegelt auch am ehesten die Vorstellung
der Konsumentinnen und Konsumenten.
Folgende Untersuchungen wurden zum Grünauslaufmanagement durchgeführt:
Während der ganzen Vegetationsperiode wurde auf den 12 oben beschriebenen
Betrieben das aktuelle durchgeführte Grünauslaufmanagement und der
entsprechende Grasnarbenzustand aufgenommen.
Abb. 2: (Foto Helen Hirt)
Wie lässt sich die Grasnarbe
im Grünauslauf intakt halten?
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Zusätzlich wurde in einer experimentellen Untersuchung der Effekt
von Wechselweiden (1000 Tiere mit ganzer Auslauffläche, 1000 Tiere
mit Wechselweide von je ¼ der Auslauffläche), bzw. der Effekt eines
Holzschnitzelvorplatzes auf den Grasnarbenzustand untersucht (2x500
Tiere mit direktem Zugang zum Grünauslauf und 2x500 Tiere mit 10m
Holzschnitzelvorplatz vor dem Zugang zum Grünauslauf).
Einmal pro Monat wurde am Ende des stallnächsten ¼ des Grünauslaufes
die Bodenbedeckung (in %) und die Bewuchshöhe (in cm) aufgenommen.
Ergebnisse
In der nachfolgenden Tabelle sind die wichtigsten Untersuchungsergebnisse
zusammengestellt.
Tab. 1: Legehennen: Auslaufnutzung und Grasnarbenzustand auf Praxisbetrieben
und im Experiment (Sommer 1999).
Durchschnitt (Min. – Max.).
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Untersuchung auf 12 Praxisbetrieben |
experimentelle Untersuchung |
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50 Tiere/
Herde 1 |
500 Tiere/
Herde 1 |
3000 Tiere/
Herde 2 |
1000 Tiere/
Herde 1 |
1000 Tiere/
Herde 1 |
| Grünauslauf: |
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| 1. Wechselweide |
1 von 4 Betrieben |
keiner |
2 von 4 Betrieben |
ja |
nein |
| 2. Fläche (m²/Henne) |
6.05 (1.58-11.07) |
5.06 (1.68-7.93) |
0.74 (0.38-1.88) |
5 |
5 |
| 3. Auslaufdauer
(h) |
11.9 (9.5-13.75) |
7.5 (4.5-10.5) |
5.9 (2-7.75) |
6 |
6 |
| Auslaufnutzung:
% Legehennen im Auslauf: |
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| 4. ganze Auslauffläche |
41.2 |
29.5 |
19.5 |
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| 5. im stallnächsten
Viertel |
26.4 |
15.4 |
10.3 |
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|
| 6. im stallfernsten
Viertel |
2.3 |
1.8 |
2.6 |
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| Grasnarbenzustand
im stallnächsten Viertel |
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| 7. durchschnittliche
Bodenbedeckung (%) |
32.3 |
1.3 |
37.7 |
25 |
2 |
| 8. duchschnittliche
Bewuchshöhe (cm) |
9.4 |
0.1 |
5.3 |
4.6 |
1.3 |
1 BIO SUISSE/kagfreiland
2 Coop NATURAplan
Der Grasnarbenzustand war in Betrieben mit Wechselweiden (1) deutlich
besser als bei Dauerweiden. Die Grasnarbe war dichter (7) und der
Bewuchs höher (8).
Aber auch die Herdengrösse hat einen Einfluss: Die Auslauffläche
pro Tier war in Herden mit 3000 Legehennen am kleinsten (2). Je
grösser die Herde war desto kürzer war die Zeit, in welcher die
Tiere auf die Weide konnten (3) und je kleiner die Herde war desto
mehr Tiere nutzten den Grünauslauf (4). Die meisten Legehennen hielten
sich im ersten Viertel des Grünauslaufes, direkt vor dem Stall,
auf (5) und auch die Hennen in kleinen Herden waren nur selten am
Ende der Weide zu sehen (6). Es ist unklar, weshalb Legehenne in
grossen Herden den Auslauf schlechter nutzen.
Der Grasnarbenzustand war in den verschiedenen Herdengrössen vergleichbar.
Der Zugang zum Grünauslauf wurde aber in den grossen Herden sehr
viel restriktiver gehandhabt (3). Das Hauptproblem bei allen Herden
war die ungleichmässige Nutzung des Grünauslaufes. Diese führte
vor allem im stallnahen Bereich zu einer grossen Übernutzung und
vielfach Zerstörung der Grasnarbe. Der Grasnarbenzustand bei Wechselweiden
war deutlich besser. Holzschnitzel im stallnahen Bereich bewirkten
vor allem, dass sich der kahle Bereich vor dem Stall vergrösserte.
Das gleiche galt für Beton- Schotter- und Steinvorplätze. Ein Vorteil
war jedoch, dass der Platz vor dem Stall bei Holzschnitzeln trockener
und sauberer war.
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