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Homöopathische Mastitisbehandlung
und -prophylaxe

Wirksamkeitsprüfung homöopathischer Mastitisprophylaxe und -therapie im Engadin und in Brodowin

Peter Klocke , Sylvia Garbe, Michael Walkenhorst, Jörg Spranger

In den Jahren 1997 und 1998 wurden unabhängig voneinander zwei Studien durchgeführt, die zum Ziel hatten, praktische Erfahrungen in der Anwendung von homöopathisch-anthroposophischen Kombinationspräparaten bei der medikamentellen Kontrolle von Euterentzündungen wissenschaftlich zu prüfen. Am Teilprojekt im Engadin nahmen 27 überwiegend biologisch bewirtschaftete Betriebe teil, während in Deutschland ein grosser Demeterbetrieb in Brodowin, 150 km nördlich von Berlin, mit etwa 300 Kühen am Versuch partizipierte. In beiden Projekten wurden die Tiere im placebokontrollierten Blindversuch mit einem homöopathischen Kombinationsmittel zum Ende der Laktation prophylaktisch behandelt. Die Therapie klinischer Euterentzündungen erfolgte je zur Hälfte mit Homöopathika und mit standardisierten Lokalantibiotika. Im Engadin wurde zudem der Betreuungseffekt in den Betrieben unter Beachtung verschiedener betrieblicher Gegebenheiten ermittelt.

Die homöopathischen Behandlungen lagen zwar primär hinter denen nach Antibiose in beiden Teilprojekten zurück, aber alle Tierbesitzer äusserten sich zufrieden mit dem Ergebnis. Probleme im Behandlungserfolg gab es bei Infektionen mit massiv euterpathogenen Keimen (Staphylococcuus aureus und Streptokokken) sowie bei älteren Kühen, bessere Ergebnisse bei colibedingten Infektionen und solchen mit anderen Staphylokokken. Auch sprachen Färsen gut auf die homöopathischen Behandlungen an. Bezeichnend war der Heilungserfolg bei Primär-Therapieversagern in Brodowin, die wegen erfolgloser Ersttherapie jeweils mit der anderen Therapieform behandelt wurden. Sie zeigten bakteriologisch-klinisch das beste Heilungsergebnis.

Wir führen dieses Ergebnis hypothetisch auf einen Kombinationseffekt zurück, der durch Räumung des Infektionsherdes durch Antibiotika und Stärkung der Abwehr durch Homöopathika gekennzeichnet ist. Letztere allein vermögen in vielen Fällen bei massiver Euterschädigung offensichtlich nicht den Körper zur Selbstheilung zu veranlassen. Die blosse Eliminierung der Erreger mittels Antibiotika zeitigt häufig nur vorübergehende Erfolge, die offenbar durch zusätzliche homöopathische Behandlung stabilisiert werden können.

Die Homöopathika zeigten gegenüber den Antibiotika schlechtere Ergebnisse, wenn man die strengen Kriterien der International Dairy Federation (IDF) unter Einbeziehung der Zellzahl in der Milch wenige Wochen nach Behandlungsende zugrunde legt. So erklärt sich auch, dass im Engadin die Heilung von unterschwelligen (subklinischen) Euterentzündungen in diesem Sinne praktisch nicht gelang. Dagegen zeigten sich im weiteren Laktationsverlauf in beiden Teilstudien keine Unterschiede mehr in den Behandlungsgruppen bezüglich der Zellzahl. Dies ist als Indiz zu werten, dass homöopathisch behandelte Tiere im Vergleich zur Antibiose länger benötigen, um als geheilt gelten zu können. Ein weiteres, für uns entscheidendes Ergebnis ist, dass alle Betriebe in beiden Projekten im Verlauf der Versuche keine Verschlechterung der Eutergesundheit verzeichnen mussten.

In einem zweiten Ansatz wollten wir prüfen, ob Homöopathika in der Lage sind, präventiv zu verhindern, dass die Tiere in der Folgelaktation eine Mastitis entwickeln. Während die Ergebnisse im Engadin hierzu noch analysiert werden, konnte in Brodowin der Trend des Erfolges der antibiotisch-homöopathischen Kombinationstherapie bestätigt werden. Infizierte, gemessen an der durchschnittlichen Zellzahl nur geringgradig geschädigte Euter entwickelten deutlich weniger Mastitiden, wenn sie zusätzlich zur Antibiose ein Homöopathikum erhielten. Dieser Effekt blieb sowohl bei den höhergradig vorgeschädigten Eutern als auch bei den nicht infizierten, ohne Antibiose trockengestellten Tieren aus.
 
Dass das Gesamtkonzept richtig war, konnte in Brodowin an der Verbesserung der Eutergesundheit und Milchleistung, vor allem im ersten Projektjahr belegt werden. Noch eindrücklicher war der Effekt im Engadin, wo sich im Vergleich die Zellzahlen und die Zahl behandelter Euterentzündungen vom Beginn  der Studie bis nach ihrem Ende dramatisch verbesserten.

Obwohl noch nicht alle der umfangreichen Ergebnisse analysiert worden sind, kann schon heute gesagt werden, dass die gewählten homöopathischen Konzepte in Verbindung mit der Fürsorge für Tier und Betrieb eine gangbare und von den Landwirten sehr akzeptierte Alternative zur bisherigen Praxis des Tiergesundheitsmanagements darstellen. Die Studien können daher als Basis für eine erfolgreiche Umsetzung der neuen Bioverordnungen in der EU und der Schweiz gesehen werden.

Weitere Informationen über Ergebnisse des Brodowin-Projektes sind in einem Artikel in "Ökologie und Landbau" von Klocke et al. (2000) zu finden.

Die Dissertation von Sylvia Garbe: Untersuchungen zur Verbesserung der Eutergesundheit bei Milchkühen unter besonderer Berücksichtigung des Einsatzes von Homöopathika ist auf der Homepage Digitale Dissertationen der FU Berllin abrufbar.

Für die Unterstützung des Projektes danken wir der Firma Weleda AG, Arlesheim, die neben der Grundfinanzierung die Homöopathika bereitstellten, den kantonalen Landwirtschafts- und Veterinärämtern von Graubünden in Chur, der Soliva-Stiftung, dem Bundesamt für Veterinärwesen der Schweiz sowie der Bayer AG, Leverkusen und Veterinaria AG, Zürich.

 
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Last Update 27.10.2005 | Comments: webmaster@fibl.org

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