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Situationsanalyse und Entwicklungsperspektiven milchviehhaltender Betriebe in Bergregionen

Problemstellung und Projektziele

Sinkende Erzeugerpreise für Milch und Fleisch und begrenzte Standortpotentiale erschweren in den Bergregionen der Grenzgebiete Schweizer Jura, Schwarzwald und Vogesen eine wettbewerbsfähige Produktion. Das Projekt hat zum Ziel, die agrarwirtschaftlichen und -politischen Rahmenbedingungen zu konkretisieren, welche einen Beitrag zur Existenzsicherung nachhaltig wirtschaftender Milchviehbetriebe in diesem Gebiet leisten können. Am Beispiel von repräsentativen Haupterwerbsbetrieben wird die ökologische und ökonomische Situation untersucht (nur Schweizer Jura und Schwarzwald). Aus diesen Fallstudienbetrieben und dem regionalen Kontext werden Modellbetriebe entworfen und Entwicklungsperspektiven anhand von Szenarien überprüft. Dabei wird von Voraussetzungen ausgegangen wie beispielsweise weiterhin sinkende Erzeugerpreise, Beibehaltung der Milchkontingentierung, umweltgerechte Bewirtschaftung und artgerechte Tierhaltung.

Methodisches Vorgehen

Die Untersuchung stützt sich primär auf Berechnungen von Modellbetrieben. Der in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Beratung entwickelte Modellbetrieb als Grundlage zur Überprüfung von Entwicklungsszenarien umfasst im Schweizer Jura eine Flächenausstattung von 35 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche (89 % Dauergrünland), 8 Hektaren Wald und 1,8 Arbeitskräfte. Das Milchkontingent von 100 000 kg wird mit 22 Milchkühen erfüllt. Im Schwarzwald verfügt der Ausgangsbetrieb über 41 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche (93 % Dauergrünland), 15 Hektaren Wald und 2 Arbeitskräfte. Mit 28 Milchkühen kann eine Quote von 144 700 kg ermolken werden.

Auf der Grundlage der Fallstudienanalyse werden bei den ökonomischen Berechnungen Pflegemassnahmen an bestehenden und neuen Pufferstreifen entlang von Waldrändern, Gehölzen und Fliessgewässern berücksichtigt. Die Ergebnisse der Szenarioberechnungen für den modellierten Milchviehbetrieb im Schweizer Jura zeigen, dass sich das landwirtschaftliche Einkommen (Gewinn) mit den Massnahmen der Agrarpolitik (AP) 2002 um 12 000,- Fr. pro Betrieb und Jahr verringert. Im Schwarzwald kann die Milchkuhprämie den Milchpreisrückgang im Rahmen der AGENDA 2000 nicht ausgleichen. Ohne Anpassungsmassnahmen verringert sich der Gewinn um rund 5 000,- DM pro Jahr.

Ergebnisse

Einkommenssicherung ist sowohl durch Milchleistungssteigerungen als auch durch Low-Input-Systeme möglich. In beiden Varianten müssen jedoch Milchkontingente und Flächen zugepachtet werden. Low-Input-Verfahren weisen bei hohen Grundfutterleistungen und arbeitsextensiven Vollweidesystemen eine hohe Arbeitsproduktivität auf. Umbaulösungen (Anbindestall zu Laufstall) in Verbindung mit Flächen- und Milchkontingentzupacht sind mittelfristig betriebswirtschaftlich sinnvoll. Neubaulösungen sollten nur in Form von Kooperationen durchgeführt werden. Das untersuchte extensive Weidemastverfahren stellt eine betriebswirtschaftliche Alternative zur Milchproduktion dar, wenn sie im Nebenerwerb betrieben werden kann. Der biologische Landbau ist bei Biomilchpreisaufschlägen von 8 Rp./kg bzw. 6 Pf./kg Milch wirtschaftlich interessant. Deutlich wird in allen Varianten, dass die Betriebe eine gewisse Flächenausstattung vorweisen müssen, um rentabel zu wirtschaften und im Haupterwerb bleiben zu können (Schweizer Jura >40 ha, Schwarzwald ca. 50 ha).

Schlussfolgerungen

Die betriebswirtschaftlichen Kalkulationen zeigen, dass Milchviehbetriebe im Untersuchungsgebiet mittelfristig einem hohen Einkommensdruck ausgesetzt sind. Betriebe, die sich strukturell und/oder hinsichtlich ihres Produktionsprogrammes nicht weiterentwickeln, werden Einkommenseinbussen erleiden. Für landwirtschaftliche Betriebsleiter, die weiterhin im Haupterwerb wirtschaften wollen, gibt es somit keine Alternativen zu unternehmerischen Anpassungsstrategien.

Ohne spezifische Fördermittel wird in der Landwirtschaft im Untersuchungsgebiet langfristig kein ausreichendes Familieneinkommen erwirtschaftet. Die Gespräche mit den Landwirten haben gezeigt, dass Ängste und Vorurteile überbetriebliche Zusammenarbeitsformen behindern. Sozioökonomische Beratungen zur Bildung von Kooperationen sind deshalb verstärkt einzusetzen. Low-Input-Systeme der Milchproduktion stehen erst am Anfang der Entwicklung. Sie sind durch wissenschaftliche Arbeiten und intensive Beratung zu fördern. Erwerbskombinationen im Dienstleistungs- und Tourismusbereich sind ein wichtiges Standbein für viele Betriebe. Durch gezielte, regionsspezifische Aus- und Weiterbildungsmassnahmen können Hemmnisse der Landwirte in diesem Bereich überwunden und eine breite Umsetzung erreicht werden. Eine zwischen allen Beteiligten im ländlichen Raum koordinierte und partizipative Regionalentwicklung, wie sie in der AGENDA 2000 und durch verschiedene Initativen angedeutet und teilweise umgesetzt wird, muss verstärkt und ausgebaut werden.

Projektlaufzeit: 1996 bis 1999

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Kontakt

Otto Schmid

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Weiterführende Links

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© 2008 FiBL Forschungsinstitut für biologischen Landbau
Last Update 18.10.2006 | Comments: webmaster@fibl.org