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Verbesserung der Ertragssicherheit im Steinobstbau

Andreas Häseli, Franco Weibel, Eric Wyss, Claudia Daniel & Lucius Tamm

Die Kirschenproduktion ist in verschiedenen Gegenden integraler Bestandteil der bäuerlichen Kultur. Die vor allem durch Pflanzenschutzprobleme wie Monilia, Bitterfäule und Kirschenfliege bedingte risikoreiche Kirschenproduktion ist eines der wichtigsten Hindernisse für die Umstellung auf Biolandbau.

Ziel eines vom Kanton Baselland unterstützten vierjährigen Projektes (Dauer: 1998-2001) war es, die Ertragssicherheit im biologischen Kirschenanbau zu verbessern. Im weiteren wurde auch den wirtschaftlichen Aspekten der biologischen Kirschenproduktion besondere Beachtung geschenkt. Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Projekt sind:

 
 
 

Produktion

  • Mit indirekten Massnahmen (durchlüftungsfördernder Schnitt, konsequente Entfernung der Fruchtmumien) kann der Infektionsdruck für Krankheiten wesentlich reduziert werden. Diese Massnahmen reichen aber in Jahren mit nasser Witterung wie beispielsweise 1999 und bei anfälligen Sorten nicht aus, um die Moniliakrankheit genügend zu regulieren.

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    Die Technik zur Entfernung der nach der Ernte und dem Schnitt verbliebenen Fruchtmumien mit einem Rechen an einer ausziehbaren Alustange hat sich als sehr effizient erwiesen und ist dabei, sich in der Praxis zu etablieren.

  • Die umfangreichen Versuche mit den heutigen biokompatiblen Mitteln gegen Monilia in den letzten beiden Jahren brachten nur bei trockener Witterung während der Blüte, also geringem Krankheitsdruck, eine praxistaugliche Teilwirkung. Wegen fehlender Wirkungssicherheit und hohem Aufwand können direkte Behandlungsmassnahmen deshalb zurzeit nicht empfohlen werden.

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    Erste Versuche mit einer frühzeitigen Überdachung der Kirschenkulturen schon vor der Blüte bewirkten eine befriedigende Reduktion des Blüten- und Frucht-Moniliabefalls.

  • Der Unterschied in der Krankheitsanfälligkeit von Sorte zu Sorte ist gross. Bei den Konservenkirschen haben sich selbst bei schwieriger Witterung die Sorten Dolleseppler und Wölflisteiner als robust erwiesen. Diese ermöglichen dank ihrer guten Schüttelbarkeit dazu auch eine starke Reduktion des Ernteaufwandes, was insgesamt die Wirtschaftlichkeit entscheidend verbessert.


  • Bei den Tafelkirschen mussten bei ungünstiger Witterung bei allen Sorten zum Teil grosse Ausfälle verkraftet werden. Grossfrüchtige, vom Markt stärker nachgefragte Sorten wie Star und Kordia zeigten sich auf den Biobetrieben im Vergleich zu kleinfrüchtigeren Sorten wie Schauenburger und Heidegger nicht nur anfälliger gegenüber dem Aufplatzen, sondern auch gegenüber Monilia.

  • Bei der Regulierung der Kirschenfliege bringt "Frutect", die neue Kirschenfliegenfalle mit Lockstoffen, dank der hohen Fängigkeit eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem bisherige Standardmodell "Rebell". Weitere Abklärungen zur Optimierung des Lockstoffes und des Fallentypes sind noch in Gange.

  • Versuche zur Bekämpfung der Kirschenblattläuse mit verschiedenen Biomitteln zeigten, dass für die in der Praxis auftretenden Wirkungslücken nicht in erster Linie die Mittel, sondern vielmehr eine nicht optimale Applikationstechnik verantwortlich ist.

  • Die Wirkung von Leimringen, die zum Abfangen des Frostspanners um den Stamm angebracht wurden, konnten zwar wegen dem geringen Befallsdruck in den letzten Jahren nur ungenügend quantifiziert werden. Es zeigte sich aber dabei, dass das Plazieren von Leimringen eine rationelle und effiziente Alternative zur häufig etwas wirkungsunsicheren Frühjahrs-Behandlung mit einem Bacillus thuringiensis-Präparat ist.
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Vermarktung

  • Der Verkauf von Bio-Tafelkirschen über Grossverteiler ist mit ca. 30 % noch gering. Die grossen Angebotsschwankungen von Jahr zu Jahr und während der Verkaufskampagne (Witterungseinflüsse) sowie die hohen Fixkosten für die relativ geringen gehandelten Mengen erschwerten bislang die Etablierung der Bio-Kirschen im Grossverteiler. Dank frühzeitiger Kontaktnahme und intensiver Planung aller involvierten Kreise konnten jedoch entscheidende Verbesserungen erzielt werden. Das Potential für eine weitere Marktentwicklung, im speziellen für grossfruchtige Sorten wird von allen beteiligten Seiten als gut eingeschätzt. Die erzielte Preisdifferenz zum konventionellen Preis von Fr. 1.- sollte auch in naher Zukunft realisierbar sein.

  • Bei den Konservenkirschen können mit dem Aufbau eines kontinuierlicheren Angebots die Absatzmärkte ebenfalls ausgebaut werden.

  • Durch den Einstieg von COOP in die Biokirsch-Vermarktung und im geringeren Masse durch die wachsende Nachfrage von Fabrikationsbetrieben (z.B. Bio-Fondueherstellung) ist auch eine grössere Nachfrage nach Bio-Brennkirschen entstanden. Der Produzentenpreis liegt ca. 20 bis 30 Rappen pro Kilogramm über dem von nicht-bio-Brennkirschen.
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Wirtschaftlichkeit

Die hohen Aufwendungen für Ernte und Vermarktung sowie die häufig nicht befriedigenden Erträge stehen einer ausreichenden Wirtschaftlichkeit im Wege. Neben Pflanzenschutzproblemen ist dabei eine ungünstige Witterung während der Ernteperiode hauptverantwortlich, die ein zeitgerechtes Ernten der Früchte behindert und bei einigen Sorten zum Aufplatzen der Kirschen führt. Diese Situation betrifft aber nicht ausschliesslich den biologischen Anbau.

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Fazit

Ein grosser Teil des heutigen Kirschenbestandes auf Biobetrieben ist überaltert, und vom Sortiment und zum Teil von den Anbausystemen her gesehen nicht mehr zeitgerecht. Wegen fehlendem wirtschaftlichen Anreiz wird zur Zeit kaum mehr in den Kirschenanbau investiert.

Die Forschungsarbeiten in den letzten Jahren haben aber gezeigt, dass die Ertragssicherheit und damit die Rentabilität des Biokirschenanbaus wesentlich gesteigert werden könnte.

Mit der Verwendung von robusten schüttelbaren Sorten könnten nicht nur dem Konservenkirschenanbau, sondern auch dem Hochstammanbau durch starke Reduktion der aufwendigen Erntearbeiten neue Impulse gegeben werden.

Im Tafelkirschenanbau geht der Trend zu grossfrüchtigen, knackigen, aber deshalb auch platzanfälligen Sorten, die auf niederen Anbausystemen nur mit Überdachung produziert werden können. Solche Systeme, die vom Kanton Baselland finanziell unterstützt werden, könnten mit entsprechenden Anpassungen auch für den Bioanbau eine Bedeutung erlangen, falls damit auch die Pflanzenschutzsituation, allen voran die Moniliaregulierung, verbessert werden kann.

Damit Biobetriebe wieder in den Kirschenanbau investieren, bzw. IP-Betriebe auf Bio umstellen, müssen sie neben den vorhandenen positiven Marktsignalen die Gewissheit haben, dass der Kirschenanbau durch Verbesserung der Ertragssicherheit und Verminderung des Arbeitsaufwandes auch wirtschaftlich interessant ist.

Eine unentbehrliche Hilfe zur Verbreitung innovativer Konzepte in der Praxis sind Betriebe, die mit dem Anbau neuer Systeme und Sorten eine gewisse Risikobereitschaft auf sich nehmen und durch ihre Ausstrahlung den Charakter von Pilotbetrieben annehmen können.

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Folgeprojekt: "Entwicklung einer modernen Bio-Steinobstproduktion"

In einer neuen Projektphase sollen die erfolgversprechenden Lösungsansätze für einen zukunftsweisenden Bio-Steinobstbau weiterentwickelt werden. Dies sind:

  • Versuche zur Krankheits- und Schädlingsregulierung. Im Vordergrund steht dabei bei den jeweils schon zur Blütezeit mit Plastik abgedeckten Kirschen-Anlagen die Regulierung von Monilia, Bitterfäule, Kirschenfliege, Blattläuse, Vögel und Mäuse sowie bei den Zwetschgenkulturen die Regulierung von Pflaumenwickler, Blattläusen, Zwetschgenrost und Monilia.

  • Auswirkungen der frühen Abdeckung von Kirschenkulturen auf die Kälteempfindlichkeit der Blüte, auf die Wuchsleistung und weitere Faktoren
  • Prüfung von verschiedenen Kirschen- und Zwetschgensorten auf ihre Eignung für den Bioanbau.

  • Optimierungsversuche zur Bodenpflege (Kontrolle der Unkrautkonkurrenz) und zur Baumernährung

  • Optimierung der Gesamtökologie durch Integration von ökologischen Ausgleichselementen und Verwendung von möglichst wenig umweltbeeinträchtigenden Hilfsmaterialien

  • Betriebswirtschaftliche Erhebungen zur beratungsrelevanten Dokumentation von Aufwand und Ertrag sowie für Vergleichsmöglichkeiten mit integriert bewirtschafteten Anlagen

  • Optimierung bzw. Aufbau professioneller Vermarktungsstrukturen in Zusammenarbeit mit SOV, Handelsfirmen und Grossverteiler
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© 2008 FiBL Forschungsinstitut für biologischen Landbau
Last Update 24.07.2006 | Comments: webmaster@fibl.org

Übersicht  
Produktion
Vermarktung
Wirtschaftlichkeit
Fazit
Folgeprojekt