Schorfstrategie mit RIMpro
Der Pflanzenschutz bei schorfanfälligen Sorten ist im biologischen Obstbau sehr anspruchsvoll. Nebst wirksamen Pflanzenschutzpräparaten und einer optimalen Applikationstechnik spielt die Wahl der Behandlungszeitpunkte eine entscheidende Rolle für den Erfolg bei der Schorfbekämpfung. Seit einigen Jahren prüfen wir den Einsatz des computergestützten Warnprogrammes RIMpro unter den schweizerischen Bedingungen im Bioapfelanbau. Die 5 Referenzstationen stehen im Wallis, der Waadt, Frick und der Ostschweiz und werden während der Saison alle 2 Stunden aktualisiert, sodass topaktuelle Informationen zur Verfügung stehen. Um die Aussagekraft der Modellrechnungen zu verbessern, berücksichtigen wir je nach Verfügbarkeit auch zusätzliche Informationen aus Messungen des Ascosporenausstosses von Agroscope, vom FiBL und kantonalen Beratungsstellen.
Das Kernstück von RIMpro ist die Modellierung von Ascosporen-Ausstoss und Angabe des Infektionsrisikos (‚RIM-Wert’, rote Kurve in der Grafik). Mit Hilfe dieser Angaben können im Frühjahr diejenigen Phasen erkannt werden, die für den Bekämpfungserfolg entscheidend sind. Die effiziente Bekämpfung der Ascosporeninfektionen legt die Basis für den Erfolg (oder Misserfolg) bei der Schorf-Regulierung in der Sekundärsaison (Sommerkonidien).
Im Begleittext zu jedem Standort finden Sie aktuelle Kommentare und Tipps, die von unserem Beratungsteam erarbeitet werden. Wir veröffentlichen neu auch die geplanten und durchgeführten Pflanzenschutzmassnahmen am Standort Frick in unserer Referenzanlage. Die Daten und Informationen der Referenzstandorte sind als Anhaltspunkte für die Praxis gedacht. Die Interpretation der Informationen und den Bezug auf die eigene lokale Situation muss jeder Produzent selbst vornehmen.
Beispiel für eine Pflanzenschutzstrategie
Wir empfehlen Ihnen, die ‚klassische’ Strategie (Behandlungen vor Niederschlagsereignissen) mit Schorfbehandlungen bei hohen Infektionsrisiken zu ergänzen. Bei extrem hohem Infektionsrisiko und starker Abwaschung sollten auch Behandlungen ins nasse Laub durchgeführt werden. Diese Behandlungen werden gezielt in Risikoperioden gesetzt, d.h., falls der RIM-Wert (rote Linie) auf > 300 ansteigt und sofern während einem Infektionsereignis der Spritzbelag abgewaschen wird (in der Regel bei >15 mm Niederschlag). In der Saison 2005 wurden am Standort Frick in der stark anfälligen Testanlage 16 Behandlungen gesetzt im Zeitraum vom Austrieb bis am 7. Juli 2005. Im Sommer werden die Behandlungen wie bisher weitergeführt. Sofern die Anlage völlig frei ist von Primärinfektionen, können die Behandlungsintervalle je nach Sorte ausgedehnt werden.
Um Resistenzdurchbrüche bei Vf-Sorten zu verhindern, sollte auch bei schorfresistenten Sorten während der Ascosporenflugperiode ein minimaler Pflanzenschutzdurchgeführt werden. Sinnvollerweise werden auch hier Perioden mit einem hohen Rimwert abdeckt.
 |
|
Beispiel für eine Pflanzenschutzstrategie
Vergrösserte Ansicht
Weitere Informationen:
Romandie:
Jean-Luc Tschabold
FiBL
Frick: Lucius Tamm, Andi Häseli
|