Auszüge aus dem FiBL-Dossier
"Bio fördert Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt"
Am Anfang stand die Frage: Ist Biolandbau machbar?
Schnell muss die moderne Forschung sein, zwei oder drei Topfversuche
in der Klimakammer und schon ist wieder ein wissenschaftliches
Paper produziert.Wie ein Urgestein steht dagegen der DOK-Versuch
des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und
der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarökologie
und Landbau (FAL) in dieser kurzlebigen Forschungswelt. Wer kann
es sich heute noch leisten, während 21 Jahren zu messen, zu
beobachten, Zahlenberge statistisch auszuwerten und zu interpretieren?
Es ist eine grosse Leistung des Bundesamtes für Landwirtschaft,
den DOK-Versuch während so langer Zeit zu finanzieren. Toll
ist auch, mit wie viel Engagement die Teams der beiden beteiligten
Institutionen seit 1977 arbeiten. Bereits läuft die vierte
Fruchtfolgeperiode, sie dauert vom 22. bis zum 28. Jahr des Langzeitversuchs
und wird 2006 abgeschlossen sein. Und wieder ist eine Gruppe von
Biobauern beratend dabei und hilft den Wissenschaftlern, die Anbausysteme
praxisgerecht zu optimieren.
Das Forschungsprojekt DOK ist völlig unerwartet zu einem
topaktuellen Thema geworden. Fachleute entwerfen Konzepte für
ein Langzeitmonitoring für gentechnisch veränderte Nutzpflanzen
und Mikroorganismen. Der DOKVersuch zeigt, dass Effekte auf Agrarökosysteme
tatsächlich erst nach vielen Jahren abschliessend bewertet
werden dürfen, will man nicht Gefahr laufen, falsche Schlüsse
zu ziehen.
Zu Beginn der 70er-Jahre zeigten sich die landwirtschaftliche
Praxis und die Forschung dem Biolandbau gegenüber sehr skeptisch.
Ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger
schien damals eine Pflanzenproduktion nicht möglich. Biobauern
wurden beargwöhnt, obwohl sie bereits grosse Erfolge in der
Praxis vorweisen konnten. Die Forschung, welche am privaten FiBL
zart knospte, sollte zuerst einmal beweisen, dass bio kein Hirngespinst
ist. 1974 erhielten deshalb die damalige Eidgenössische Forschungsanstalt
für Agrikulturchemie und Umwelthygiene (FAC) und das FiBL
vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) den Auftrag, in einem
Langzeitversuch die drei Landbausysteme biologisch- dynamisch (D),
organisch-biologisch (O) und konventionell (K) zu vergleichen.
Dies war das erste vom Bund finanzierte Forschungsvorhaben zum
Thema Biolandbau. Mit der Auflösung der FAC ging die Federführung
für den DOK-Versuch an die FAL über.
Das Versuchsdesign des DOK-Versuches (Parzellen auf einem Standort
nach zufälliger Verteilung angelegt; alle Parzellen an die
Nährstoffkreisläufe von Bauernbetrieben des jeweiligen
Landbausystems angeschlossen) erwies sich als geeignet, immer wieder
neue und aktuelle Fragen zu beantworten.
Heute bezweifelt niemand mehr, dass bio funktioniert! Vielmehr
interessiert die Öffentlichkeit und die politischen Entscheidungsträger,
ob Bioprodukte analytisch oder organoleptisch besser sind und ob
sie eine höhere Vitalqualität haben. Weiter: Wie wirken
sich die Anbaumethoden auf die Bodenstruktur aus? Werden Abbauprozesse
im Boden beschleunigt oder gebremst? Schadet der chemische Pflanzenschutz
langfristig den Bodentieren? Verhindert der Biolandbau oder die
integrierte Produktion im Acker Oberflächenerosion? Dutzende
von Labors und Institute aus der ganzen Welt haben im DOK-Versuch
Pflanzen, Mikroorganismen, Tiere oder Bodenproben untersucht. Tausende
von Forschungsresultaten geben ein neues Verständnis von der
Nachhaltigkeit. Das FiBL-Dossier Nr. 1, welches bereits nach sechs
Monaten nachgedruckt werden musste, zeigt, wie attraktiv langjährige
Vergleichsforschung sein kann.
Urs Niggli, Direktor FiBL

Forscher, Feldequipe und beratendes Gremium aus Biolandwirten
anlässlich der jährlich stattfindenden Flurbegehung (1991):
Gemeinsam werden Massnahmen und etwaige Änderungen für
die biologischen Verfahren besprochen. Für die damalige Zeit
bahnbrechend waren praktizierende Landwirte schon in die Versuchsplanung
einbezogen worden. |