Bio-Blumen in den Handel!
In Kürze beginnt wieder die Blumensaison in Deutschland.
Aber die Vermarktung von Bio-Schnittblumen ist nach wie vor schwierig,
eine flächendeckende Lieferfähigkeit des Handels gibt
es nicht. Einzelne Naturkostgroßhändler wie Dennree,
Elkershausen oder Paxan bieten Kräutertöpfe, Beet- und
Balkonpflanzen und manchmal auch Schnittblumen an. Der Naturkostgroßhändler
Weiling möchte im nächsten Jahr einsteigen. Der konventionelle
Blumenhandel bietet in einigen Floristikfachgeschäften fair
gehandelte Blumen mit einem Flowerlabel an, allerdings sind diese
nicht "bio".
Auf der Bio Fach Messe in Nürnberg im Februar diesen Jahres
und unmittelbar danach gab es verschiedene Veranstaltungen zum
Thema Öko-Zierpflanzen. Bei der Bio Fach hatte die Messeleitung
erstmals einen separaten Bereich für Öko-Zierpflanzen
zur Verfügung gestellt. Dort nutzte ein knappes Dutzend Erzeuger
die Gelegenheit erfolgreich, sich einer neuen Kundschaft vorzustellen.
Ein Gemeinschaftsstand der Anbauverbände informierte über
Bezugsquellen und Hintergründe von Zierpflanzen aus kontrolliert
biologischem Anbau. Zwar gibt es rund 120 Öko-Erzeuger bundesweit,
die Schnittblumen, Kräutertöpfe oder Beet- und Balkonpflanzen
anbieten. Über die Direktvermarktung auf Wochenmärkten
und im Hofladen geht der Verkauf jedoch meist nicht hinaus. Dieter
Gaissmayer, der eine bekannte Staudengärtnerei in Illertissen
führt, kritisierte während einer Zierpflanzenveranstaltung
auf der Bio Fach deutlich die Anbauverbände. Seiner Meinung
nach tun diese viel zu wenig, um den Öko-Zierpflanzenbereich
aufzubauen.
Die Bio-Blumen Vermarktung stand Ende Februar im Mittelpunkt einer
Veranstaltung mit dem Titel "Bio-Blumen in den Handel!" in
der Evangelischen Landjugendakademie in Altenkirchen. Mit 40 Teilnehmern
vom Anbauer über Naturkosthandel und Verbandsvertreter bis
zur Wissenschaft waren die unterschiedlichsten Bereiche vertreten,
um gemeinsam auszuloten wie eine Vermarktungsstruktur für
Schnittblumen und Topfpflanzen aufgebaut werden könnte.
Der nordrhein-westfälische Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium
Thomas Griese, der zu Beginn der Tagung ein Grußwort an die
Versammelten richtete, konstatierte "einen wachsenden Bedarf
an Bio-Blumen". Er sieht zudem die Notwendigkeit verstärkt
an die Öffentlichkeit zu treten, um dort die Notwendigkeit
von ökologischen Alternativen deutlich zu machen.
Der Vertreter des Landwirtschaftsministeriums von Rheinland-Pfalz,
Herr Stumm, wies auf die erstaunliche Entwicklung des Öko-Anbaus
in den letzten Jahren hin, und versprach sich von der Tagung einen
deutlichen Anstoß für die weitere Entwicklung des Öko-Zierpflanzenanbaus.
Erfreulicherweise verfolgten auch mehrere Vertreter konventioneller
Verbände und Fachzeitschriften die Tagung mit großem
Interesse. In verschiedenen Beiträgen wurden Ergebnisse von
Verbraucherbefragungen auf Hamburger Wochenmärkten vorgestellt, über
Erfahrungen in der Blumenvermarktung in Holland und der Schweiz
berichtet sowie über mögliche öffentlichkeitswirksame
Kampagnen mit Vertreterinnen von Verbraucherzentrale und Verbraucher
Initiative diskutiert.
Mit dem Titel "Bio-Planzen habens in sich" stellte Otto
Schmid vom schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau
(FiBL) ein soeben in der Schweiz erschienenes 12-seitiges Broschürchen
vor, das zur Information der Verbraucher an den Verkaufsstellen
von Bio-Blumen in den nächsten Monaten eingesetzt wird. Diese,
mit einem roten Tulpenstrauß verzierte Broschüre, diente
in verschiedenen Diskussionsbeiträgen auf der Altenkirchener
Blumentagung als hervorragendes Beispiel für eine Infokampagne
wie sie auch in Deutschland umgesetzt werden sollte. In der Schweiz
werden die Bio-Blumen mit dem "Bio-Suisse-Knospe" Label
ausgelobt. Auch hierzulande sollte neben den Verbandswarenzeichen
das ÖPZ über kurz oder lang für diese Zwecke einsetzbar
sein. Eine klare Absage erteilten die Beteiligten der Blumentagung
der Neuentwicklung eines eigenständigen Bio-Blumenlabels.
Vor allem Stephanie Ludes von der Verbraucher Inititiative und
Elke Meißner, Verbraucher Zentrale Düsseldorf, sprachen
sich dagegen aus, da es sowieso schon einen unüberschaubaren
Umweltzeichen Dschungel gäbe.
Am Ende der Tagung war man sich einig, dass nach Möglichkeit
eine bundesweite Plattform geschaffen werden sollte. Anbauverbände,
Großhandel sowie Verbraucher- und Umweltverbände könnten
durch eine gemeinsame Initiative der Vermarktung von Bio-Blumen
zum Durchbruch verhelfen. Ein gemeinsames "Bio-Blumenbüro" könnte
für die Herausgabe von Infomaterialien, Plakaten, Stickern
(für Blumensträuße) und Produkttafeln zuständig
sein. Dort könnten auch Fachseminare organisiert werden, zum
einen für die Weiterbildung von Naturkostladnern wie auch
für die Beratung der Großhändler, die in die Blumenvermarktung
einsteigen wollen. Deutlich wurde auf der Tagung hervorgehoben,
dass das Handling und der Transport dieser empfindlichen Frischware
nicht ganz einfach ist und einige Kenntnisse voraussetzt.
Ein ganz handfestes Ergebnis der Altenkirchener Tagung war die
Zusage des nordrhein-westfälischen Naturkostgroßhändlers
Weiling im kommenden Jahr eine Bio-Blumen Aktion für seine
400 belieferten Naturkostfachgeschäfte in Angriff zu nehmen.
Praktischerweise waren zwei Schnittblumenerzeuger aus der gleichen
Region anwesend, die das Angebot mit großem Interesse aufnahmen.
Ganz auf die Weiterbildungsbedürfnisse der Praktiker im Öko-Zierpflanzenbau
zugeschnitten, war ein deutschsprachiges Seminar in Holland auf
dem Betrieb von Wim Postema. Er hat seit mehr als 10 Jahren Erfahrungen
im Anbau und der Vermarktung von biologisch erzeugten Blumenzwiebeln
gesammelt. Die 22 Teilnehmer aus Deutschland waren laut Wim Postema
begeistert, über das Blütenmeer, das ihnen bei der Besichtigung
einer großen Tulpenschau in den Vortreibegewächshäusern
eines Betriebes präsentiert wurde. Hier konnte man nicht nur
die passende Auswahl für das eigene Sortiment treffen, sondern
auch wertvolle Tipps über Anbau, Ernte, Verpackung und Vermarktung
sammeln.
Kai Kreuzer/Karin Heinze
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