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Bio-Zierpflanzen – erster Auftritt
in der Öffentlichkeit
Anlass der Tagung vor drei Jahren in Wädenswil/CH war die
Veröffentlichung einer Studie, die vom Schweizer Forschungsinstitut
für biologischen Landbau (FiBL) in Auftrag gegeben und vom
WWF Schweiz und der COOP Schweiz finanziert worden war. Sie zeigte,
dass der biologische Anbau von Blumen und Zierpflanzen mangels
Informationen und Erfahrungen in der Praxis noch schwierig, aber
durchaus möglich ist. Produziert wurden die Bio-Zierpflanzen
damals auf der Basis der EU-Verordung bzw. der allgemeinen Richtlinien
der Verbände, denen sich einige Produzenten angeschlossen
hatten – spezielle Richtlinien für die Zierpflanzenproduktion
gab es nicht.
Ebenso waren Beratung und Weiterbildung für Produzenten oder
Umstellungswillige sowie Produzentenorganisationen in Deutschland
und der Schweiz so gut wie gar nicht vorhanden. In Holland gab
es die GEA, eine 1993 gegründete Tochtergesellschaft der Bloemenveiling
Aalsmeer, die die Produktion und den Absatz von Bioblumen durch
Weiterbildung von Produzenten und ein spezielles Verkaufskonzept
steigern wollte.
Wesentlich schwieriger als die Produktion erwies sich die Vermarktung
der Bioblumen. Die Kundschaft war sich der Bedeutung einer biologischen
Zierpflanzenproduktion für den Umweltschutz kaum bewusst und
demnach auch wenig bereit, Änderungen in Sortiment und Aussehen
der Blumen sowie höhere Preise zu akzeptieren.
Seit 1996 hat sich die Zahl der Produktionsbetriebe in der Schweiz,
in Deutschland und in Holland verdoppelt. Auch im Hinblick auf
die Vermarktung sowie die Organisation und Weiterbildung der Produzenten
hat sich in den drei Ländern einiges getan:
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Schweiz
In der Schweiz gibt es seit Januar 1996 Richtlinien für den
biologischen Zierpflanzenbau (vgl. Kasten, S. 31). Im März
1996 wurde in der Ostschweiz ein Pilotprojekt gestartet mit dem
Ziel, die Vermarktung von Bioblumen in Gartencentern zu untersuchen
und zu verbessern. Eine im Rahmen dieses Projektes durchgeführte
Kundenbefragung, die im Mai 1996 veröffentlicht wurde, zeigte
zwar, dass die Sensibilität und Kenntnis bezüglich Bioblumen
noch gering ist. Doch vor allem bei der Kundschaft, die auch sonst
Bioprodukte kauft, bestehen durchaus Kaufinteresse und Bereitschaft,
höhere Preise zu akzeptieren. Inzwischen sind einige Blumenabteilung
der Supermarktkette COOP in der Basler Region sowie einige Gartencenter
und Blumenläden mit Erfolg in die Vermmarktung von Blumen
und Jungpflanzen aus ökologischer Erzeugung eingestiegen.
Im Herbst 1996 wurde in der Schweiz die Vereinigung biologisch
produzierender Gartenbaubetriebe (VBPG) gegründet, deren ca.
50 Mitglieder sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch
treffen. Und innerhalb der BIO SUISSE (Dachorganisation der Schweizer
Biobetriebe) wurde eine Fachkommission für den Biogartenbau
geschaffen, in der neben vier Produzenten auch der Fachhandel,
Großverteiler, eine Konsumentenorganisation und die Beratung
des FiBL vertreten sind. Die Fachkommission trifft sich zwei- bis
dreimal im Jahr und bespricht Richtlinienfragen, Absatzstrategien
und die Sortimentsgestaltung.
Die Verkaufserfahrungen 1998 bestätigen, dass es größerer
Anstrengungen bedarf, die Supermarktketten am Verkauf von Bioblumen
und Biozierpflanzen zu interessieren. Wo die regionalen Einkaufsverantwortlichen
hinter dem Projekt stehen, sind die Voraussetzungen besser. |
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Gute Marktchancen
Angesichts der gegenwärtigen Lage auf dem Arbeitsmarkt
und in der Wirtschaft rangiert der Umweltschutz in der Gunst der
Verbraucher an untergeordneter Stelle. Dem entspricht ein zur Zeit
begrenztes Interesse an Bioblumen und eine eher geringe Akzeptanz
für höhere Preise. Die Prognosen für den Marktanteil
der Öko-Zierpflanzen liegen bei 3-5 %, in einzelnen Regionen
und Segmenten sogar höher. Diese Nachfrage ist noch lange
nicht bedient. Deshalb sind für Produzenten, die mit Überzeugung
und Professionalität eine Umstellung anstreben, die Chancen
gut, sich auf dem Markt zu etablieren.
Erfolgreich in der Vermarktung sind zur Zeit vor allem Betriebe,
die ihr Blumenangebot an den Sektor Kräuter und Jungpflanzen
anknüpfen sowie eine zentrale Verkaufsfläche bzw. einen
eigenen Bereich für dieses Angebot vorsehen. Außerdem
ist ein vielseitiges Sortiment von Vorteil. Zusammenschlüsse
und ein Austausch von Pflanzen sind zu empfehlen, wie sich auch
am Erfolg der o. g. Erzeugergemeinschaft „Pflanzenkontor“ zeigt,
die inzwischen einen Katalog zusammengestellt hat und ihre Ware
auch auf dem Versandweg absetzt.
Für Produktion und Handel gleichermaßen haben sich
außerdem die folgenden Empfehlungen herauskristallisiert:
- Premium-Qualitäten anbieten: bewusst auf hochwertige Ware
hinarbeiten
- Die Struktur der Kundschaft (s. Kasten) und die Möglichkeiten
der Vermarktung vor Beginn der Produktion gut ausleuchten,
danach klare Entscheidungen treffen und auf wenige Wege konzentrieren
- Frühzeitige und kontinuierliche Zusammenarbeit mit den
Abnehmern, vor allem im Hinblick auf das Sortiment
- Zusammenarbeit mit anderen Biobetrieben; Anbau- und Absatztips – auch
aus der Landwirtschaft – sowie moralische Unterstützung
können gerade in der Umstellungszeit sehr hilfreich sein
- Gute Ausbildung des verantwortlichen Personals und umfassende
Aufklärung
der Kundschaft über Vorteile der biologisch angebauten Zierpflanzen,
z. B. durch Etiketten, Flugblätter, Herkunftsangaben, Tage
der offenen Tür oder Seminare in Volkshochschulen
- Schaffung einer Blumen-Kultur im wahrsten Sinne des Wortes
durch Einbindung der Blumen in ein Umfeld aus Kunst, Sinnlichkeit
und
Naturverbundenheit.
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©
2008
FiBL Forschungsinstitut für biologischen
Landbau
Last Update
09.03.2004
| Comments: webmaster@fibl.org
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