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Thema: Biolandbau und Klimaschutz

Regenwurm im Boden

Biolandbau und Klimaschutz auf www.fibl.org

Ankündigung 2. Projektworkshop

Am 3. November 2016 organisiert das FiBL zum zweiten Mal einen Projekt-Workshop zum Thema Klimaanpassung Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Andreas Gattinger oder Adrian Müller.

Aktuelle Publikationen

1. Projekt-Workshop am 06.11.2014 in Frick, Bericht: The Potential of Sustainable Farming Systems to Promote Adaptation to Climate Change. Scientific basis and practical implications – reality and visions (245 KB)

Global Soil Week 2015, Dialogue Session am 21.04.2015, Zusammenfassung: Sustaining our soils and societies: the challenge of doing transdisciplinary research

Rural 21 - The International Journal for Rural Development: Adaptation to climate change – there is much more to it (15.06.2015)

Kontakt

Andreas Gattinger
(Dr. Dipl.-Ing. agr., M.Sc.)

Departement für Bodenwissenschaften
Leiter Klima
FiBL
Ackerstrasse 113
CH-5070 Frick

Telefon +41 62 865-0418
Fax +41 62 865-7273
andreas.gattinger(at)fibl.org

Kontakt

Adrian Müller

Müller Adrian
(Dr. sc. nat.)

Departement für Sozioökonomie
FiBL
Ackerstrasse 113
CH-5070 Frick

Telefon +41 (0)62 865-7252
Fax +41 (0)62 865-7273
adrian.mueller(at)fibl.org

Stiftung Mercator Schweiz

Dieses Projekt wird von der Stiftung Mercator Schweiz gefördert.

Das Potential von nachhaltigen Landnutzungssystemen zur Anpassung an den Klimawandel

Kurzbeschreibung

Mali, 2015. (Foto: Andreas Fliessbach, FiBL)
Landschaft in Mali

Das vorliegende Projekt widmet sich dem Potential von nachhaltigen, agrarischen Landnutzungssystemen zur Anpassung an den Klimawandel. Mit seiner Fokussierung auf die Anpassung an den Klimawandel stellt das Projekt eine inhaltliche Fortsetzung des Vorgängerprojekts "Carbon Credits for sustainable Landuse Systems (CaLas)" dar, das sich mit Strategien zur Minderung des Klimawandels beschäftigt hat. Im aktuellen Projekt, wird die bereits unter CaLas etablierte Informations- und Datenbasis genutzt und weiter ausgebaut. Übergeordnetes Ziel ist, ökonomisch und ökologisch tragfähige landwirtschaftliche Praktiken und Anbausysteme mit hohem Anpassungspotential an den Klimawandel zu entwickeln, die besonders für Kleinbauern geeignet sind.

Um dies zu erreichen, wird ein transdisziplinärer methodischer Ansatz verfolgt. Dieser verbindet spezifische naturwissenschaftlich basierte Erkenntnisse bezogen auf Feld- und Massnahmenebene mit Sozial- und Wirtschaftswissenschaften auf betrieblicher- und regionaler Ebene.

Zusätzlich sind an dem Projekt einige namhafte Institutionen beteiligt wie die African Development Bank , Biovision , Brot für alle , der Environmental Defense Fund , Helvetas , Hivos, IFOAM , RTOACC , Swissaid und die Gold Standard Foundation . Diese fördern die Umsetzung von nachhaltigen Landnutzungssystemen, die dazu beitragen, die Produktivität und Profitabilität von Kleinbauerngemeinschaften in Entwicklungsregionen zu sichern. Dieses Netzwerk begleitet und begutachtet den Projektfortschritt und die Projektergebnisse. Ausserdem stellen die Institutionen sicher, dass die Verbreitung und Umsetzung der landwirtschaftlichen Praktiken über die Projektlaufzeit hinaus erfolgt und auch ausserhalb der Zielregion Anwendung findet.

 

Aktivitäten

Das Projekt läuft von 2013 bis 2017 und ist in zwei aufeinander folgende Phasen untergliedert.

Phase I: Erstellung der wissenschaftlichen Wissensbasis (2013 – 2016)

Die erste Phase des Projektes beinhaltet die Erstellung und Zusammenführung der zurzeit fragmentierten wissenschaftlichen Wissensbasis von vielversprechenden landwirtschaftlichen Praktiken für die Klimawandelanpassung von Kleinbauern in den trockenen Regionen Afrikas. Basierend darauf, werden bereits existierende Indikatoren hinsichtlich deren Aussagekraft zur Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel geprüft sowie neue Indikatoren für diesen Anwendungsbereich entwickelt. Ausserdem werden eine umfassende Literaturauswertung und Meta-Analysen durchgeführt, um geeignete landwirtschaftliche Praktiken und Anbausysteme zu identifizieren.

Indikatorenentwicklung

In der ersten Phase des Projekts werden existierende Klimaanpassungsindikatoren analysiert und neue entwickelt. Das übergeordnete Ziel ist hierbei, Indikatoren zu bestimmen, die einfach zu messen sind und gleichzeitig eine Überprüfung des Anpassungserfolgs der landwirtschaftlichen Systeme erlauben. Dafür wurde die wissenschaftlich begutachtete Literatur zum Thema gesammelt und zusammengeführt. Dabei hat sich gezeigt, dass Wasser- und Nährstoffeffizienz messbare und überprüfbare Indikatoren für die Klimawandelanpassung von globalen Trockengebieten darstellen. Daher wurden diese ausgewählt, um verschiedene landwirtschaftliche Praktiken und Anbausysteme in den folgenden vier Metaanalysen zu vergleichen.

Steinreihen "Cordon de presses" für die Regenwassergewinnung in Mali, 2015. (Foto: Gian Nicolay, FiBL)

Metaanalyse I: Nährstoff- und Wassereffizienz landwirtschaftlicher Praktiken in Westafrika

In dieser Arbeit wurden die landwirtschaftlichen Praktiken mit der höchsten Nährstoff- und Wassereffizienz in Westafrika ermittelt und somit als potentielle Klimaanpassungsstrategien berücksichtigt. Etliche erfolgsversprechende Praktiken wie die Verwendung organischer Dünger, die Kombination organischer und anorganischer Dünger, Mischkulturen mit Leguminosen, konservierende Bodenbearbeitung, Mulchen und Regenwassergewinnung konnten identifiziert werden. Diese Praktiken wurden paarweise mit der gängigen landwirtschaftlichen Praxis in Bezug auf Nährstoff- und Wassereffizienz verglichen.

Vergleichsexperiment 2016 des Wachstums von Erbsen-Hirse-Mischkultur mit (links) und ohne (rechts) Mykorrhizaanwendung. (Foto: Lukas Schütz)

Metaanalyse II: Verbesserung der Wasser- und Nährstoffeffizienz in landwirtschaftlichen Systemen durch Bioeffektoren

Die zweite Metaanalyse des Projektes erforscht das Potential von Bioeffektoren für eine verbesserte Wasser- und Nährstoffeffizienz landwirtschaftlicher Systeme. Der Einsatz von Bioeffektoren ist eine vielversprechende Methode für die zukünftige Landwirtschaft. Sie existieren in verschiedenen Formen wie Rhizobien, Azospirillen oder Mykorrhizen. Besonders in nährstoffarmen Trockenregionen stellt der Einsatz solcher Mikroorganismen eine potentielle Lösung für die Verbesserung der Wasser- und Nährstoffeffizienz dar. Deswegen wurden auf globaler Ebene Studien über die Anwendung von Biostimulanzien gesammelt und in einem Vergleich paarweise mit der gängigen landwirtschaftlichen Praxis verglichen. Da ein Grossteil der Experimente in den Trockengebieten Indiens durchgeführt wurde, liegt der Fokus dieser Metaanalyse auf dieser Region.

Metaanalyse III: Verbesserung der Wasser- und Nährstoffeffizienz in landwirtschaftlichen Systemen durch die Integration von Agroforst in Westafrika

Agroforstsystem mit Baumwolle in Mali, 2015. (Foto: Andreas Fliessbach, FiBL)

Agroforst, die Integration von Hecken und Bäumen in die landwirtschaftlichen Flächen, stellt eine potentielle Lösung zur Reduzierung der negativen Klimafolgen für Kleinbauern dar. Diese Massnahmen mindern das Erosionsrisiko und können den Düngerbedarf reduzieren. Daher vergleicht diese Metaanalyse die Wasser- und Nährstoffeffizienz gängiger Anbauverfahren, die auf Monokultur basieren mit Agroforstsystemen. Dafür wird die Literatur zu Agroforstversuchen in Afrika analysiert. Verschiedene Praktiken in Agroforstsystemen wie die Mischkultur mit Leguminosen, Mulchen, der Einsatz von tierischen Düngemitteln und konservierende Bodenbearbeitung werden paarweise mit der gängigen landwirtschaftlichen Praxis verglichen.

Feldversuche für Pflanzenresistenzen in Mali, 2010. (Foto: Andreas Fliessbach, FiBL)

Metaanalyse IV: Der Einfluss von biologischer Landwirtschaft auf die Wasser- und Nährstoffeffizienz

Hierbei wird untersucht, ob und inwieweit die biologische im Vergleich zu konventioneller Landwirtschaft die Stickstoffeffizienz verbessert. Dafür wird die existierende Literatur zu biologischen Anbausystemen ausgewertet und mit der konventionellen Praxis paarweise verglichen. Die bis dato integrierten Studien stammen aus 15 verschiedenen Ländern und beinhalten verschiedene Praktiken des biologischen Landbaues wie die Anwendung von Kompost und Hofdüngern.

Das Projektteam in der Zweigstelle des Institut d’Economie Rurale (IER) in Sikoasso, Mali, 2015. (Foto: Andreas Fliessbach, FiBL)

Phase II: Implementierung von geeigneten Massnahmen (2016 – 2017)

Die Phase II des Projekts wendet die Erkenntnisse aus Phase I in Fallstudien in Westafrika an und validiert diese mit dem Ziel, dass die empfohlenen Klimaanpassungsmassnahmen wirksam und praktikabel für die Kleinbauern in Mali und Westafrika sind. Um dies zu ermöglichen nutzt das Projekt das existierende Netzwerk von Kleinbauern, welches im Rahmen des Projekts Syprobio vom FiBL und Helvetas in Mali etabliert wurde. Dies beinhaltet auch die Kooperation mit dem "Institut d’Economie Rurale (IER)" , dem nationalen Institut für Wissenschaft, Entwicklung und Kommunikation/Verbreitung von Landwirtschaft in Mali. Zwei Regionen in Mali wurden als Fallbeispiele für Kleinbauern ausgesucht: Kléla und Boura.

Workshop mit Bäuerinnen und Bauern in Kléla, Mali, 2015. (Foto: Andreas Fliessbach, FiBL)

Kléla ist eine kleine Stadt und ländliche Kommune in der Sikasso-Region im südlichen Mali. Die Kommune umfasst ein Gebiet von 7860 Hektar Land. In der Stadt und den 13 Dörfern leben ca. 31 300 Einwohner. Für den eigenen Bedarf und lokale Märkte werden Mais, Maishirse, Erdnüsse und Sesam kultiviert. Das Projekt arbeitet zusammen mit einer Gruppe lokaler Bäuerinnen und Bauern, um Informationen über klimarelevante Anbaumethoden zu sammeln.

Boura ist eine Stadt und ländliche Kommune in der Yorosso Gemeinde, ebenfalls in der Sikasso-Region. Sie umfasst die Stadt und 15 Dörfer mit ca. 123 000 Einwohnern. Für den internationalen Markt wird hauptsächlich Baumwolle produziert, sowohl biologisch als auch konventionell. Für den eigenen Bedarf und lokale Märkte werden hier ebenfalls Mais, Maishirse, Erdnüsse und Sesam kultiviert. Das Projektteam arbeitet gemeinsam mit dem kooperativen Verband für Biobaumwolle MOBIOM zusammen, welcher mehr als 8 000 Mitglieder umfasst. Ein Teil dieser Partnerbetriebe wird ebenfalls zu klimarelevanten Anbaumethoden befragt.

Workshop mit Bäuerinnen und Bauern in Kléla, Mali, 2015. (Foto: Gian Nicolay, FiBL)

Beide Gebiete befinden sich im subhumiden/semi-ariden Klimaraum, wo sich in den vergangenen Jahren die Niederschläge bereits deutlich spürbar verändert haben. Die lokalen Bauern müssen sich dadurch mit kürzeren Regenzeiten und Ernteverlusten auseinandersetzen. Das Projekt nutzt existierende Daten der Ausgangssituation und vergleicht diese mit den etablierten Praktiken für ein verbessertes Nährstoffmanagement, wie z.B. der Kompostierung für eine verbesserte Bodenstruktur, der Integration von Viehwirtschaft, Agroforstsysteme mit angepassten Baumarten, Regenwassergewinnung, konservierende Bodenbearbeitung, zaid-Pflanzlöchern und der Verwendung von Mulch. Um zu testen, ob diese Massnahmen für die lokalen Bauern aus sozialer, kultureller und ökonomischer Perspektive betrachtet attraktive Klimaanpassungsmassnahmen darstellen, wurden mit einem umfangreichen Fragebogen mehr als 120 Bäuerinnen und Bauern befragt. Damit soll herausgefunden werden, welche Massnahmen bereits praktiziert werden und wie sich diese Massnahmen in ihre sozialen, ökonomischen, betrieblichen und kulturellen Strukturen integrieren lassen. Die Fragebögen werden derzeit ausgewertet.

Workshop zum Projektende

Zu guter Letzt findet am Ende der zweiten Projektphase ein Workshop statt, zu dem sowohl die lokalen Bauernvertreter als auch Wissenschaftler und Politiker eingeladen werden. Hier sollen die Ergebnisse gemeinsam diskutiert und der Wissenstranfer und -austausch ermöglicht werden. Durch die Einbindung lokaler Bauernvertreter können die möglichen Anpassungsmassnahmen an lokale Bauern weiter vermittelt und durch die beteiligten Politiker der Umwelt- und Landesministerien lokale, regionale bzw. nationale politische Strukturen beeinflusst werden. Durch die wissenschaftlichen Publikationen innerhalb des Projektes werden die Ergebnisse global zur Verfügung gestellt und können somit auch in anderen Trockengebieten der Welt eine positive Klimaanpassung der Landwirtschaft unterstützen.

Weitere Informationen

Laufzeit

Dezember 2013 bis Mai 2017

Finanzierung

Förderung durch Stiftung Mercator Schweiz

Ansprechpartner

Publikationen