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Adrian Müller

Müller Adrian
(Dr. sc. nat.)

Departement für Sozioökonomie
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FiBL-Stellungnahme: Kraftfutter oder Grasland - Welches ist die ökologischere Fleischproduktion?

Ein saftiges Stück Rindfleisch kann etwas Wunderbares sein, speziell wenn bei der Herstellung die Umwelt wenig belastet wurde. Nach solchem Fleisch sucht die umweltbewusste Konsumentenschaft. Doch welches Fleisch hat die beste Ökobilanz?

(17.07.2016) 

Eine neue Studie der Schweizer staatlichen Agrarforschungsanstalt Agroscope zeigt, dass die kraftfutterbasierte Rindermast geringere Umweltwirkungen pro Kilo Fleisch als die Weidemast hat – ausser bei der Abholzung von Regenwald.

Solche Resultate scheinen irgendwie unbefriedigend – zu Recht! Denn was fehlt, ist der Blick auf das Gesamtsystem und einige dafür wichtige Aspekte bilden diese Ökobilanzen nicht ab.

  • Erstens können intensive Systeme trotz tiefen Umweltwirkungen durch zugekauftes Kraftfutter hohe Einträge an Stickstoff und Phosphor pro Hektar verursachen. Dies hat Überdüngung und Biodiversitätsverluste zur Folge.
  • Zweitens werden weder Tierwohl noch artgerechte Fütterung beachtet. In der Intensivmast haben Tiere selten bis nie Weidegang und verschiedene Stressfaktoren beeinträchtigen das Tierwohl.
  • Drittens haben Rinder in der Weidemast täglich Auslauf. Sie fressen Gras von Weiden, die im Idealfall nicht zum Acker und somit ohne Tiere nicht zur Nahrungsmittelproduktion taugen würden. In der Intensivmast werden Ackerfrüchte wie Mais, Getreide und Soja verfüttert. So entsteht direkte Konkurrenz zu Nahrungsmitteln.
  • Viertens sind Ökobilanzen blind für die Gesamtmengen, die produziert und konsumiert werden. Diese sind aber für die Beurteilung der Umweltbelastung genauso wichtig wie die Umweltbelastung pro Kilo Fleisch.

Die Umweltbelastung pro Kilo zeigt, wo ein System in sich optimiert werden kann. Darauf gibt diese neue Studie Hinweise.

Wenn wir aber weniger Fleisch konsumieren würden, könnten wir es uns leisten, dieses mit höheren Umweltwirkungen pro Kilo zu produzieren. Dies liesse dann zu, auf Aspekte wie Tierwohl, Biodiversität und extensive Graslandnutzung zu achten. Idealerweise ist ein System also nicht nur effizient, sondern es stimmen auch die totalen Mengen mit der Tragfähigkeit der Umwelt überein - bei optimaler Nutzung der natürlichen Ressourcen wie Grasland.

Und was heisst das für die irritierte Konsumentenschaft? Milch und Fleisch in moderaten Mengen geniessen - von Tieren, die Gras fressen!

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tagesanzeiger.ch: Glückliche Kühe, traurige Umweltbilanz