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Dierauer Hansueli

Hansueli Dierauer
(Dipl.-Ing. Agr. ETH)

Ackerbau
Departement für Beratung, Bildung und Kommunikation
FiBL
Ackerstrasse 113
CH-5070 Frick

Telefon +41 (0)62 865-7265
Mobil +41 (0)79 743-3402
Fax +41 (0)62 865-7273
hansueli.dierauer(at)fibl.org

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Schweizer Biokartoffeltagung im Zeichen des Kampfs gegen die bösen drei

Rhizoctonia, Drahtwurm sowie die Kraut- und Knollenfäule sind die grössten Probleme im biologischen Kartoffelbau. Anlässlich der kürzlich in Frick abgehaltenen FiBL-Tagung zum Thema zeigte sich, dass Bekämpfungsstrategien vielschichtig sind und teilweise kollidieren mit anderen wichtigen Elementen des Biolandbaus, zum Beispiel Fruchtfolge und Gründüngung.

Drahtwurm in einer Kartoffel

Der Drahtwurm ist ein robustes Wesen: Die Larve des Ackerschnellkäfers kann ein Jahr ohne Futter und Wasser auskommen. Bild: Hansueli Dierauer, FiBL

Gegen Krautfäule resistente und nicht resistente Kartoffelpflanzen

Grosse Unterschiede: Die gegen Krautfäule resistente Sorte Vitabella und ihre anfälligen Nachbarinnen in einem Versuch am Reckenholz. Bild: Hansueli Dierauer, FiBL

Teilnehmer der Biokartoffeltagung 2013

Interessierte Zuhörer an der FiBL-Kartoffeltagung. Bild: Adrian Krebs, FiBL

Christian Landzettel während seiner Präsentation

Der deutsche Berater Christian Landzettel präsentierte unter anderem Strategien gegen Rhizoctonia. Bild: Adrian Krebs, FiBL

(16.12.2013) 

Der Biokartoffelanbau ist an sich eine Erfolgsgeschichte. Seit Jahren steigt die Anbaufläche in der Schweiz  mehr oder weniger kontinuierlich und hat sich nun bei ca. 500 Hektaren eingependelt. Ertragsmässig gab es allerdings zuletzt zwei schwache Jahrgänge zu verdauen: Wegen schwierigen Witterungsbedingungen sackte die Ernte schon 2012 gegenüber dem Vorjahr abrupt von über 15'500 auf nurmehr gut 13‘200 Tonnen ab. Heuer war ein weiterer Rückgang zu beklagen. Die Ernte wird auf 12‘141 Tonnen geschätzt. Laut Hansueli Dierauer vom FiBL sei das primäre Ziel im Biokartoffelanbau, die starken Ertragsschwankungen auszugleichen. Von diesen sind konventionelle Anbauer weniger betroffen, da sie mehr Möglichkeiten haben, um auf ungünstige Bedingungen zu reagieren.

Export und der Preis steigen stark

Wie Sabine Haller von Bio Suisse an der unlängst in Frick durchgeführten Kartoffeltagung des FiBL erklärte, haben aufgrund der schlechten Ernte 2013 die Importe von Biokartoffeln in Knospequalität stark zugenommen. Bis Ende Oktober sind bereits über 400 Tonnen importiert worden, gegenüber 0 Tonnen im Vorjahr und deren 113 im Jahr 2011, dies auch, weil die Verkäufe im Detailhandel stark zulegen konnten (Plus 18,3 Prozent 2012). Im Gegenzug hat der Preis kräftig zugelegt, im Moment liegt er bei 107 Franken für 100 Kilo Lagerkartoffeln, 12 Franken mehr als im Vorjahr.

Da das Wetter ja immer noch nicht agronomisch beeinflussbar ist, fokussierten die weiteren von Hansueli Dierauer geladenen Referenten an der gut besuchten Tagung auf praktische Anbaufragen, namentlich die Krankheits- und Schädlingsbekämpfung. Dabei zeigte sich, dass es unverändert drei grosse Probleme sind, die den Biokartoffelbauern Sorgen machen: Drahtwürmer, sowie die Pilzkrankheiten Rhizoctonia sowie Kraut- und Knollenfäule.

Bodenverdichtung begünstigt Schädlinge

Produzent Hermann Arni aus dem bernischen Hettiswil berichtete, er sei aus der Milchschafproduktion ausgestiegen, weil er mit den dreijährigen Kunstwiesen-Fruchtfolgen zum „Drahtwurm-Züchter“ geworden sei. Die Larve des Schnellkäfers gedeiht besonders gut in diesen mehrjährig ungestörten Verhältnissen, wo es unter der grünen Decke feucht und kühl bleibt. Ohne Tiere hat Arni nun umgestellt auf nurmehr einjähriges Kleegras.

Christian Landzettel, Kartoffel-Berater des deutschen Produzentenverbands Bioland legte den anwesenden Bauern gar nahe zugunsten der Drahtwurm- und Rhizoctonia-Bekämpfung ganz auf Kunstwiese und Gründüngung zu verzichten. Rhizoctonia gedeiht in den genannten Verhältnissen ähnlich gut wie der Drahtwurm. Positiv auf die Entwicklung des Pilzes wirken sich nämlich auch  Schichten von unverrotteter organische Substanz aus, wie sie nach dem Einarbeiten von Kunstwiesen und Gründüngungen gerne zurückbleiben. Zudem warnte Landzettel vor den Auswirkungen schweren Geräts und der oft damit einhergehenden Bodenverdichtung, die zu undurchlässigen Böden und Begünstigung der Drahtwurm-Entwicklung beitrage.

Hoffnung auf Resistenzzüchtung

Der deutsche Berater unterstrich im Einklang mit den anwesenden Produzenten die Wichtigkeit eines schnellen Auflaufens, denn je schneller die Pflanze an die Oberfläche gelangt und Wurzelwerk aufbauen kann, desto robuster wird sie gegenüber den genannten Schädlingen. Dafür braucht es nicht etwa besonders lange Keime am Saatgut, sondern eher kurze. Diese sind weniger anfällig auf Bruchschäden, die oft auftreten, wenn langkeimiges Saatgut in den Setzmaschinen manipuliert wird.

Grosse Hoffnungen setzt Landzettel in die Resistenzzüchtung, wie sie in der Schweiz auch von Agroscope betrieben wird. Es gebe unterdessen Sorten, wie etwa Allians, die bei gleichem Infektionsdruck 5-7 Tage länger gesund bleibt, als etwa Ditta, in Deutschland eine der am meisten gepflanzten Biokartoffeln. Im Weiteren empfahl er zur Reduktion der Krautfäule-Gefahr Tröpfchenbewässerung statt Beregnung, man dürfe die Krautfäule nicht „herbeiregnen“, warnte er. Zudem müsse man Krankheitsnester wenn immer möglich schnell manuell entfernen. Beobachtung des Bestandes sei pures Gold, meinte er fast poetisch. Wenn Kupfereinsatz nötig werde, dann gelte es dieses richtig einzusetzen: Knapp vor dem Epidemiebeginn angesetzte Erstapplikation habe die höchsten Erfolgsaussichten.

Seit 40 Jahren ohne Kupfer

Einen Kontrapunkt setzte zum Abschluss der Zürcher Oberländer Biopionier Ernst Frischknecht, der seit 40 Jahren ohne Kupfereinsatz Kartoffeln anbaut. Zwar ist es nur eine kleine Flächen unter einem Hektar, die Frischknecht bewirtschaftet, diese sei aber aufgrund der nahen Schrebergärten hohem Krankheitsdruck ausgesetzt. Als seine Erfolgsrezepte sieht er eine gute Bodendurchlüftung ohne Stauschichten und der Einsatz von gut verrottetem Kompost. Gelinge es nicht, diese Verhältnisse herzustellen, so fördere man quasi das Wachstum von Drahtwürmern und Pilzkrankheiten.

Text: Adrian Krebs

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