Projekt Feed no Food
Medienmmitteilung "Es geht auch mit weniger Kraftfutter": Hintergrund, Bilder
Kontakt

Christophe Notz
(med. vet)
Tiergesundheit
FiBL
Ackerstrasse
CH-5070 Frick
Telefon +41 (0)62 865-7285
Fax +41 (0)62 865-7273
christophe.notz(at)fibl.org
Coop Fonds für Nachhaltigkeit
Feed no Food - Gras und Heu statt Kraftfutter fürs Rind
Wenn das Vieh Getreide frisst

- Kühe fressen Gras - aber auch mehr und mehr Kraftfutter wie Getreide und Körnerleguminosen. Dies auch in der Schweiz - obwohl hier 70 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus Grünlandflächen besteht (ohne Alpen).
Dass Kühe Gras fressen, gilt seit der Industrialisierung der Landwirtschaft nur noch bedingt. In den letzten 40 Jahren ist der Einsatz von Kraftfutter (Getreide und Körnerleguminosen) in der Wiederkäuerfütterung drastisch angestiegen. Die Züchtung von Hochleistungskühen sowie tiefe Weltmarktpreise für Futtergetreide und Eiweissträger wie Soja trieben diese Entwicklung voran: Heute wird ein Drittel der weltweiten Getreideernten an Tiere verfüttert.
Wiederkäuer sind die einzigen Nutztiere, die aus einer für den Menschen wertlosen Substanz (Gras) wertvolle Lebensmittel wie Milch und Fleisch produzieren können. Doch mit der zunehmenden Verfütterung von Kraftfutter an Milchkühe und Fleischrinder geriet die Wiederkäuerfütterung in direkte Konkurrenz mit der menschlichen Ernährung. Wegen Missernten durch Dürre oder Überschwemmungen, wegen des erhöhten Verbrauchs von Kraftfutter und Agrotreibstoffen sowie Spekulation stiegen in den vergangenen Jahren die Weltmarktpreise für Getreide massiv an. In vielen Ländern kam es zu Hungerrevolten, weil die ärmeren Menschen ihre Grundnahrungsmittel kaum noch bezahlen können.
In der Schweiz werden pro Jahr rund 1,7 Millionen (2009) Tonnen Kraftfutter an Nutztiere verfüttert. Die Hälfte des Kraftfutters wird aus Europa und Übersee in die Schweiz importiert. Im Biolandbau liegt der Eigenversorgungsgrad für Futtergetreide und Eiweissträger noch tiefer. Immerhin darf seit 2004 bei den Wiederkäuern im Biolandbau der Kraftfutteranteil pro Futterration nur noch 10 Prozent betragen.
Der übermässige Einsatz von Kraftfutter führt zu Erkrankungen der Tiere (Übersäuerung, schlechte Klauenqualität, mangelnde Fruchtbarkeit), denn der Stoffwechsel der Wiederkäuer ist nicht auf die Verdauung von stark energie- und proteinreichem Futter ausgerichtet. Zudem fördert Kraftfutter die Ausscheidung von Keimen (EHEC), die auch die menschliche Gesundheit beeinträchtigen können. Die Verfütterung grosser Mengen von Kraftfutter widerspricht zwei Grundsätzen des Biolandbaus: dem der artgerechten Tierfütterung und dem Grundsatz, dass Wiederkäuerfutter nicht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung stehen darf.
Verzicht problemlos möglich?

- Im Projekt Feed no Food stellen FiBL-Wissenschaftler die Frage, wie sich reduzierte Kraftfuttergaben oder eine reine Grundfutterfütterung auf Tiergesundheit, Umwelt und Wirtschaftlichkeit auswirken.
Kaum erforscht
Die Fütterung von Milchkühen ohne Kraftfutter wurde bisher wissenschaftlich wenig untersucht. Die Einflüsse einer Kraftfutterreduktion auf die Tiergesundheit sind erst oberflächlich erforscht worden.
Fragestellungen
- Wie wirken sich reduzierte Kraftfuttergaben auf die Tiergesundheit aus?
- Welche Auswirkungen hat die Aufwertung der Grasfütterung auf die Umwelt und die Wirtschaftlichkeit?
- Kann man auf Importe von Kraftfuttermitteln verzichten?
Das Projekt "Feed no Food" entwickelt Lösungsansätze für eine biologische Milch- und Fleischproduktion, die den Bedürfnissen der Wiederkäuer gerecht wird, faire Bedingungen für die Produzierenden in Süd und Nord fördert und das Klima schont.
Feed no Food: die Konzepte

- Die Projektbetriebe arbeiten nach vier unterschiedlichen Fütterungskonzepten, mit denen der Einsatz des Kraftfutters reduziert oder sogar ganz auf null zurückgefahren werden kann.
Das Projekt "Feed no Food" hat eine Laufzeit von drei Jahren. In dieser Zeit soll in 47 der beteiligten 74 Betriebe der Kraftfuttereinsatz reduziert oder auf Null herruntergefahren werden; 16 Betriebe sind Kontrollbetriebe mit einer Kraftfutterfütterung wie bisher und 10 Betriebe fütterten schon zu Projektbeginn kraftfutterfrei. Auf einem grösseren Milchviehbetrieb wird eine experimentelle Studie mit Herdentrennung durchgeführt.
Die meisten Projektbetriebe stammen aus dem Milchviehgesundheits-Netzwerk von pro-Q* und konnten sich für eines dieser vier Konzepte entscheiden:
- Konzept 1
Vollständiger Ausstieg aus der Verfütterung von Kraftfutter. - Konzept 2
Reduktion des Kraftfuttereinsatzes auf maximal fünf Prozent der Futterration (statt der nach Richtlinien zugelassenen zehn Prozent). - Konzept 3
Verfütterung von maximal zehn Prozent Kraftfutter. - Konzept 4
Optimierung des Fütterungsmanagements auf Betrieben, die bereits kraftfutterfrei füttern, deren Tiergesundheitsstatus aber verbesserungsfähig ist.
Das Projekt pro-Q ist inzwischen abgeschlossen; Informationen zum Projekt finden Sie hier.
Fachliche Begleitung vom Futterbau bis zur Klimabilanz

- Schritt für Schritt werden die Projektbetriebe auf dem Weg zu einer kraftfutterreduzierten Fütterungsstrategie begleitet.
Praxisanalyse
Auf Betrieben, die bereits ohne Kraftfutter arbeiten, werden die Fütterung, die Tiergesundheit und die Wirtschaftlichkeit analysiert. Ein Experiment in einer grossen Milchviehherde soll zeigen, wie Kühe auf eine Kraftfutterreduktion reagieren. Dabei wird die Hälfte der Herde sukzessive auf null Kraftfutter heruntergefahren, während die Kontrollgruppe wie anhin zehn Prozent Kraftfutter in der Ration hat. Die gewonnenen Daten bieten eine Wissensgrundlage für die Umsetzung auf den Projektbetrieben.
Umsetzung der Konzepte in den Projektbetrieben
Zu Projektbeginn werden Betrieb und Futterbau, Futtergewinnung und Fütterung sowie die Motivation der Betriebsleiterin oder des Betriebsleiters erhoben. Auf dieser Grundlage erarbeiten Projektteam und Landwirte gemeinsam eine betriebsindividuelle Strategie zur Umsetzung der Kraftfutterminimierung. Das erste Jahr dient der Einführung der neuen Strategie, das zweite Jahr der vollständigen Umsetzung. Während der ganzen Projektdauer wird die Tiergesundheit beobachtet und mit präventiven und komplementärmedizinischen Massnahmen gesichert.
Auswirkungen auf Ökologie und Ökonomie
Für die Betriebe wird eine Klimabilanz der Milchproduktion anhand von Modellen berechnet. Auch das wirtschaftliche Potenzial einer Kraftfutterminimierung auf betrieblicher Ebene wird anhand von Modellrechnungen abgeschätzt.
Das Projektteam

- Feed no Food: Damit Getreide den Menschen satt machen kann, nicht das Vieh.
Das Projektteam des FiBL besteht aus:
Christophe Notz, Silvia Ivemeyer, Peter Klocke, Ariane Maeschli, Eric Meili, Daniel Böhler, Pamela Staehli, Christian Schader, Judith Hecht, Matthias Meier und Michael Walkenhorst.
Das Projektteam arbeitet eng mit folgenden Partnern zusammen:
- Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft (SHL)
- Landwirtschaftliche Beratung
- Bestandestierärztinnen und -tierärzten
Finanzierung
Das Projekt wird finanziert durch den Coop Fonds für Nachhaltigkeit
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Weiterführende Informationen
Kontakt
Bei Fragen zum Projekt wenden Sie sich bitte an Christophe Notz
Links
- coop.ch: Projektbeschreibung auf der Website von Coop

- orgprints.org: Literatur bei Organic Eprints



