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Henryk Luka
(Dr. phil, Ing. agr.)
Pflanzenschutz und Biodiversität
FiBL
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Bundesamt für Umwelt
Rote Listen - ein Instrument des Naturschutzes
Weltweit verschwinden pro Tag rund 100 Arten von der Erde. Allein in der Schweiz sind in den letzten 150 Jahren 224 Tier- und Pflanzenarten ausgestorben oder verschollen. Für welche Arten Handlungsbedarf besteht, zeigen die Roten Listen. Sie sind ein wichtiges Instrument für den Arten- und Biotopschutz.
Im Rahmen der Vorstudie "Rote Liste Kurzflügelkäfer der Schweiz" wird das vorhandene Bodenfallenmaterial aus verschiedenen Projekten bearbeitet und zentral in einer Datenbank abegelegt. Die Vorstudie soll den Wissensstand über die Kurzflügelkäferfauna (Coleoptera Staphylinidae) der Schweiz verbessern. Diese erste Projektphase dauert von 2006 bis 2010.
Ziel des Hauptprojektes (2011 bis 2016) ist es anhand umfangreicher Feldarbeiten eine erste Version der „Roten Liste der bodenlebenen Makroarthropoden“ anzufertigen. Seit 2006 laufen die Vorbereitungen für die Aktualisierung und Erstellung der Roten Listen von Laufkäfern bzw. Spinnen und Kurzflügelkäfern. Als Basis für die Bestimmung der Gefährdung der untersuchten Tiergruppen sollen neu neben reinem Expertenwissen auch Felderhebungen verteilt über die ganze Schweiz genutzt werden.
Projektleitung: Centre Suisse de Cartographie de la Faune (CSCF) ![]()
Finanzierung: Bundesamt für Umwelt (BAFU) ![]()
Projektpartner:
Bundesamt für Umwelt (BAFU), Sektion Arten und Biotope, Bern
Naturhistorisches Museum Basel ![]()
Centre Suisse de Cartographie de la Faune (CSCF) ![]()
Universität Basel, Departement Umweltwissenschaften, Institut für Biogeographie ![]()
Projektverlauf
Phase 1 (2006 bis 2010)
Ziel der ersten Evaluationsphase ist es, eine möglichst gute Datengrundlage für die Kurzflügelkäfer zu schaffen:
- Für alle Fundorte (Standorte) werden die Schweizer Landeskoordinaten, Lebensraum, Lebensraumbereich, Lebensraumskategorie, Höhenlage, Datum in eine Datenbank aufgenommen.
- Vorhandenes Kurzflügelkäfermaterial aus Bodenfallen wird bearbeitet und eine Belegsammlung wird angelegt.
- Erste quantitative, autökologische Analysen werden durchgeführt, wobei die Seltenheit der Arten (meistens aufgrund der Handfänge festgelegt) durch diese quantitativ, statistisch gesicherte Resultate aus Bodenfallen relativiert, bestätigt oder neu erfasst wird (Grundlage für die Erschaffung der Roten Liste).
- Biogeographische und autökologische Angaben werden aus verschiedenen Werken erhoben und in die Datenbank integriert (siehe Beispiel Lomechusa emarginata).
- Die erste Artenliste der Kurzflügelkäfer der Schweiz wird erstellt und laufend aktualisiert. Die nomenklatorischen Korrekturen und Anpassungen in CSCF-Datenbank werden durchgeführt.
Phase 2 (2011 bis 2016)
Im Hauptprojekt werden umfangreiche Feldarbeiten umgesetzt und eine erste Version der "Roten Liste der bodenlebenen Makroarthropoden" publiziert.
Beispiel für biogeographische und autökologische Angaben
Eine seltene Kurzflügelkäferart Lomechusa emarginata (Paykull, 1789)
Europa, besonders in Mitteleuropa und im angrenzenden Nord- und Südeuropa. Eine Myrmekophile Art, die als Gast (Symphile) in den Nestern der Ameise Formica fusca (Grauschwarze Sklavenameise) ihre Entwicklung durchmacht. Die frisch geschlüpften Käfer verlassen im Herbst (meist September) das Formica-Nest, halten sich einige Tage ausserhalb des Nestes auf (Quarantäne), um den Formica- Nestgeruch zu verlieren und die Erhärtung ihres Chitinkleides abzuwarten und bleiben dann den Herbst und Winter hindurch in den Nestern anderer Ameisenarten wie Myrmica rubra (Rote Gartenameise, Variationen laevinodis und ruginodis). Im Frühjahr (April-Mai) kehren sie zu Formica fusca zurück und lassen dort ihre Larven aufziehen. Manchmal ist L. emarginata (früher Atemeles emarginatus) auch in den Nestern von Formica sanguinea (Blutrote Raubameise) oder Polyergus rufescens (Amazonenameise) angetroffen worden, aber nur dann, wenn Formica fusca als deren Sklaven vorhanden waren. Manchmal wurden sie auch bei Lasius-Arten (L. flavus, L. alienus) gefunden. Besonders in den Formica rufa- und Myrmica-Nestern, die an Waldrändern oder auf offenen Lichtungen angelegt sind. Vielfach werden einzelne Individuen unter Steinen, aus Laub- und Moos-Gesieben ohne Ameisen gesammelt, oder schwärmende und angeflogene Individuen gefangen. Die Art kommt im Mitteleuropa März bis Juni und dann vereinzelt von August bis Oktober vor. In der Schweiz wurden bisher 5 Individuen im extensiven Grünland und Pioniervegetation nachgewiesen.

