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Thema: Biodiversität

Biodiversität auf www.fibl.org

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Sibylle Stöckli
(Dr. sc. ETH)

Departement für Nutzpflanzenwissenschaften
FiBL
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CH-5070 Frick

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Lukas Pfiffner
(Dr. phil-nat, Ing.Agr. ETH)

Departement für Nutzpflanzenwissenschaften
Leitung Pflanzenschutz-Entomologie & Agrarökologie
FiBL
Ackerstrasse 113
CH-5070 Frick

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Fax +41 (0)62 865-7273
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Umsetzung von Biodiversität in der landwirtschaftlichen Praxis

Mit Vielfalt punkten - Bauern beleben die Natur

Naturschutz in der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft spielt eine zentrale Rolle in der Erhaltung der biologischen Vielfalt (Biodiversität). Auf grossen Teilen der Agrarflächen finden jedoch nur noch wenige Arten ausreichende gute Lebensbedingungen. Entsprechend wurde in den letzten Jahren versucht, Landwirtschaftsgebiete ökologisch wieder aufzuwerten. Die bisher angewandten agrarpolitischen Instrumente und Massnahmen zeigen diesbezüglich jedoch zu wenig Wirkung. Um diese Situation zu verbessern, braucht es neue und innovative Bewertungs- und Beratungsinstrumente. Zudem müssen typische Tier- und Pflanzenarten des Kulturlandes durch standort- und artspezifische Massnahmen gefördert werden.

Ziel des Projektes

Ziel des Projektes "Mit Vielfalt punkten – Bauern beleben die Natur" ist eine naturfreundliche und wirtschaftlich starke Landwirtschaft, welche die Existenz der im Kulturland heimischen Tier- und Pflanzenarten sichert und gleichzeitig der Schweizer Landwirtschaft durch Abgeltung ihrer Naturschutzleistungen einen neuen, an den Standort gebundenen und dadurch exklusiven Einkommenszweig eröffnet.

Projektbeschreibung

Mit einem neuen Punktesystem sollen die Leistungen von Landwirten zur Förderung der natürlichen Vielfalt bewertet werden. Es gewichtet das Vorhandensein sowie die Qualität und Lage verschiedener Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Das Punktesystem soll Bauern aufzeigen, wo und wie sie ihre Leistung für die Biodiversität verbessern können, und der Politik als Instrument dienen, um die landwirtschaftlichen Direktzahlungen vermehrt an quantifizierbare Leistungen für die Biodiversität zu knüpfen. Auf 133 Betrieben validieren wir, ob die mittels Punkten bewertete Leistung eines Betriebs effektiv mit der Artenvielfalt korreliert. Weiter beurteilen wir auch die standort- und artspezifischen Massnahmen zur Förderung typischer Tier- und Pflanzenarten des Kulturlandes.

Leitarten
sind Tier- und Pflanzenarten, deren Vorkommen naturnahe und überdurchschnittlich artenreiche Lebensräume anzeigen. Für jeden Betrieb werden regional vorkommende, passende Leitarten erhoben. Sie ermöglichen den Bewirtschaftenden, ihre Leistungen gezielt auf die Ansprüche der ausgewählten Arten auszurichten. Die Eignung des Leitartensystems als Beratungsinstrument wird im Rahmen des Projektes "Mit Vielfalt Punkten" überprüft.

Grossen Wert legt das Projekt auf die Weiterbildung und die Beratung der Landwirte und Berater. In einem neuen Beratungsansatz soll durch eine gezielte, betriebsspezifische Beratung die Biodiversität effizienter gefördert werden als durch bisherige Ansätze. Die Landwirte können so ihre ökologischen Leistungen gezielt auf ihre lokalen Gegebenheiten ausrichten und dadurch optimieren. Es werden ein Handbuch, eine Internetseite mit Entscheidungshilfen, sowie Kurzfilme als anschauliche und praktische Planungsinstrumente zur Umsetzung von Biodiversitätsfördermassnahmen entwickelt.

Eine sozioökonomische Analyse untersucht die finanziellen Effekte der Instrumente für Landwirte und Bund.

Die Erfahrungen aus dem Projekt fliessen in die Politikberatung ein. Die Erkenntnisse des Projekts werden die Weiterentwicklung der schweizerischen Agrarpolitik beeinflussen und so noch grössere, flächigere Wirkung erzielen. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit wird in der Bevölkerung und bei politischen Entscheidungsträgern die Wertschätzung der Biodiversität im Kulturland und damit die Bereitschaft zu deren Entgeltung dieser Mehrleistung durch die Landwirte erhöht.

Ausführlicher Projektbeschrieb (329.5 KB)

Flyer (287.3 KB)

Ergebnisse

Bei 133 Betrieben im Talgebiet  wurden die Anzahl Punkte, die angebauten Kulturen, die Biodiversitätsförderflächen (Qualität, Grösse, Verteilung) erfasst. Von 2009-2011 wurden auf der ganzen Betriebsfläche Pflanzen, Heuschrecken, Tagfalter und Brutvögel kartiert.  Insgesamt hat sich gezeigt, dass das Punktesystem ein einfach zu erfassender Indikator ist, und dass eine gute Korrelation zwischen diesem Indikator und der auf dem Betrieb vorhandenen Biodiversität besteht. Momentan analysieren wir, welche ökologischen Massnahmen die Biodiversität auf dem Betrieb bestimmen.

Von den Betrieben, die 2009 untersucht wurden, erhielten 24 Betriebe eine gesamtbetrieblicheh Beratung. Konkrete Ziele zur ökologischen Aufwertungen basieren auf den bestehenden naturnahen Strukturen und diversen ökonomischen Berechnungen. Diese Ziele wurden in einer Vereinbarung für jeden beratenen Betrieb aufgelistet und unterzeichnet. Bei der Beratung hat sich das Leitartensystem als wertvolles Instrument erwiesen. Gemäss den Vereinbarungen sollte die Fläche der Biodviersitätsfördermassnahmen von 8.9 auf 13.5% der landwirtschaftlichen Nutzfläche gesteigert werden. Die Fläche der Biodiversiättsfördermassnahmen mit Qualitätsstufe II sogar von 3.3 auf 8.5%. Eine Zwischenevaluation 2012 hat gezeigt, dass die meisten der vorgesehenen Massnahmen bereits umgesetzt wuden. Die letzte Kartierung der Pflanzen und Tiere 2015 soll dazu dienen, die Wirkung der Beratung auf die Biodiversität zu überprüfen.

Umsetzung

Mit Unterstützung durch das FiBL und die Vogelwarte wird das Punktesystem auch schon breit in der Praxis eingesetzt. Zum Einsatz kommt das Punktesystem bei der Optimierung von Bio-Betrieben im Rahmen des Projektes "Förderung der Biodiversität auf Knospehöfen". BIO SUISSE hat einen dem Punktesystem ähnlichen Massnahmekatalog Biodiversität entwickelt.  Ab spätestens 1.1.2015 müssen alle Knospe-Betriebe mindestens 12 Massnahmen aus diesem Katalog erfüllen. Ein fast identisches Punktesystem wird von der IP Suisse im Rahmen des Migroslabes TerraSuisse eingesetzt. Die neuen Erkenntnisse des Projektes werden auch in die Weiterentwicklung der schweizerischen Agrarpolitik einfliessen.

Projektdauer

2008 bis 2016

Projektleitung

Projektpartner

Zusammenarbeit

Finanzierung

  • MAVA Stiftung
  • Sophie und Karl Binding Stiftung
  • Avina Stiftung
  • Ernst Göhner Stiftung
  • Vontobel-Stiftung
  • Stiftung Dreiklang
  • Bundesamt für Umwelt (BAFU)
  • Bundesamt für Landwirtschaft
  • IP-Suisse
  • Bio Suisse

Publikationen

  • Mit Vielfalt punkten – Bauern beleben die Natur - Jahresbericht 2014
    Birrer, Simon; Chevillat, Véronique; Graf, Roman; Hagist, Dominik; Home, Robert; Jenny, Markus; Pfiffner, Lukas; Stöckli, Sibylle and Zellweger-Fischer, Judith (2014) Mit Vielfalt punkten – Bauern beleben die Natur - Jahresbericht 2014. Schweizerische Vogelwarte, Sempach & Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Frick .
  • Biodiversity at the farm scale: A novel credit point system
    Birrer, Simon; Zellweger-Fischer, Judith; Stoeckli, Sibylle; Korner-Nievergelt, Fränzi; Balmer, Oliver; Jenny, Markus and Pfiffner, Lukas (2014) Biodiversity at the farm scale: A novel credit point system. Agriculture, Ecosystems and Environment, 197, pp. 195-203.
  • Motivations for implementation of ecological compensation areas on Swiss lowland...
    Home, Robert; Balmer, Oliver; Jahrl, Ingrid; Stolze, Matthias and Pfiffner, Lukas (2014) Motivations for implementation of ecological compensation areas on Swiss lowland farms. Journal of Rural Studies, 34, pp. 26-36.
  • Motivations pour la réalisation de mesures de compensation écologique
    Jahrl, Ingrid; Rudmann, Christine; Pfiffner, Lukas and Balmer, Oliver (2012) Motivations pour la réalisation de mesures de compensation écologique. Recherche Agronomique Suisse, 3 (4), pp. 208-215.
  • Motivationen für die Umsetzung von Ökoausgleichsmassnahmen
    Jahrl, Ingrid; Rudmann, Christine; Pfiffner, Lukas and Balmer, Oliver (2012) Motivationen für die Umsetzung von Ökoausgleichsmassnahmen. Agrarforschung Schweiz, 2012, 3 (4), pp. 208-215.
  • Mit Vielfalt punkten - Bauern messen Biodiversität
    Jenny, Markus; Stöckli, Sibylle; Birrer, Simon and Pfiffner, Lukas (2013) Mit Vielfalt punkten - Bauern messen Biodiversität. [Credit points for diversity on farmland - Farmers measure biodiversity.] HOTSPOT, 28, p. 24.
  • The credit point system: an innovative approach to enhance biodiversity on...
    Jenny, Markus; Zellweger-Fischer, Judith; Balmer, Oliver; Birrer, Simon and Pfiffner, Lukas (2013) The credit point system: an innovative approach to enhance biodiversity on farmland. Aspects of Applied Biology , 118, pp. 23-30.
  • Mit Vielfalt punkten – Jahresbericht 2013
    Birrer, Simon; Chevillat, Véronique; Graf, Roman; Hagist, Dominik; Home, Robert; Jenny, Markus; Pfiffner, Lukas; Stöckli, Sibylle and Zellweger-Fischer, Judith (2013) Mit Vielfalt punkten – Jahresbericht 2013. Schweizerische Vogelwarte, Sempach & Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Frick.
  • Ökologische Vorrangflächen fördern Kulturlandvögel
    Birrer, Simon; Jenny, Markus; Korner-Nievergelt, Fränzi; Meichtry-Stier, Kim; Pfiffner, Lukas; Zellweger-Fischer, Judith and Zollinger, Jean-Luc (2013) Ökologische Vorrangflächen fördern Kulturlandvögel. [Ecological compensation areas promote farmlandbirds.] In: Julius-Kühn-Archiv (442), pp. 138-150.
  • Mit Vielfalt punkten Jahresbericht 2011
    Birrer, Simon; Balmer, Oliver; Chevillat, Véronique; Graf, Roman; Hagist, Dominik; Jahrl, Ingrid; Jenny, Markus; Pfiffner, Lukas and Zellweger-Fischer, Judith (2012) Mit Vielfalt punkten Jahresbericht 2011. [Scoring with diversity - Summary 2011.] Schweizerische Vogelwarte, CH-Sempach und Forschungsinstitut für biologischen Landbau, CH-Frick .
  • Mit Vielfalt punkten Jahresbericht 2010
    Birrer, Simon; Balmer, Oliver; Chevillat, Véronique; Graf, Roman; Hagist, Dominik; Jahrl, Ingrid; Rudmann, Christine; Jenny, Markus and Pfiffner, Lukas (2010) Mit Vielfalt punkten Jahresbericht 2010. Schweizerische Vogelwarte, CH-Sempach und Forschungsinstitut für biologischen Landbau, CH-Frick .
  • Mit Vielfalt punkten Jahresbericht 2009
    Birrer, Simon; Balmer, Oliver; Chevillat, Véronique; Fischer, Judith; Graf, Roman; Jenny, Markus; Pfiffner, Lukas and Rudmann, Christine (2009) Mit Vielfalt punkten Jahresbericht 2009. Schweizerische Vogelwarte, Sempach und Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Frick .
  • Gesamtbetriebliche Beratung steigert Qualität und Quantität von...
    Chevillat, Véronique; Balmer, Oliver; Birrer, Simon; Doppler, Verena; Graf, Roman; Jenny, Markus; Pfiffner, Lukas; Rudmann, Christine and Zellweger-Fischer, Judith (2012) Gesamtbetriebliche Beratung steigert Qualität und Quantität von Ökoausgleichsflächen. [Whole-farm advisory increases quality and quantity of ecological compensation areas.] Agrarforschung Schweiz, 2012, 3 (2), pp. 104-111.
  • Leitartenkarten für mehr Vielfalt im Kulturland
    Pfiffner, Lukas and Graf, Roman (2010) Leitartenkarten für mehr Vielfalt im Kulturland. bioaktuell, 1/10, p. 20.
  • Mit Leitarten die Vielfalt fördern
    Pfiffner, Lukas and Graf, Roman (2010) Mit Leitarten die Vielfalt fördern. Ökologie & Landbau, 155 (3/2010), pp. 46-48.