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Klaus-Peter Wilbois

Klaus-Peter Wilbois
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Leguminosen und Vielfalt: Eiweißpflanzenanbau mit naturverträglichen Anbaukonzepten

Körnererbsen wie die hier gerade bunt blühende Winterform, gehören zur großen Pflanzenfamilie der Leguminosen. Sie fördern die Artenvielfalt, helfen die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern und dienen als hochwertiges Tierfutter. Foto: Klaus-Peter Wilbois, FiBL
Blühende Körnererbsen

Eiweißpflanzen, auch Leguminosen genannt, tragen in hohem Maße zur Vielfalt auf heimischen Äckern bei: Es gibt eine große Bandbreite an Sorten, die in unterschiedlichen Anbausystemen als Futter- oder Körnerleguminosen, als Untersaat, Zwischen- oder Hauptfrucht oder zusammen mit Gemengepartnern angebaut werden können. Daneben bieten sie eine Reihe von Verwertungsmöglichkeiten. Leguminosen eigenen sich besonders für einen natur- und ressourcenschonenden Anbau. Weil sie Luftstickstoff binden, wird der Boden, auf dem sie wachsen, mit Stickstoff angereichert. In der Fruchtfolge verbessern sie die Bodenstruktur. Darüber hinaus bietet der Leguminosenanbau Nahrung sowie Rückzugs- und Lebensraum für eine Vielzahl von wildlebenden Insekten, Vögeln und anderen Tieren.

Aufgrund der vielfältigen positiven Leistungen der Leguminosen hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ins Leben gerufen. Es soll praxistaugliche Anbaukonzepte sammeln, mit denen der Leguminosenanbau nachhaltig und naturverträglich in vielfältige Fruchtfolgen integriert werden kann. Dazu werden Wissen und Erfahrungen sowohl aus der Forschung als auch aus der landwirtschaftlichen Praxis zusammengetragen. Sogenannte „Best-Practice-Betriebe“ sollen ihre erfolgreichen Ideen an andere weitergeben. Es handelt sich um Betriebe, die auf unterschiedlichen Standorten verschiedene Leguminosen und Gemenge in ihren Betriebsablauf integrieren. Die im Projekt zusammengetragenen Konzepte sollen das Interesse wecken, den Leguminosenanbau auf dem eigenen Betrieb auszuweiten beziehungsweise überhaupt auszuprobieren. Das Ziel ist, zu zeigen, dass es für (fast) jeden Betrieb eine passende Leguminose gibt, die in das Anbau- und Verwertungskonzept passt und sich gleichzeitig positiv auf die Biodiversität auswirkt. Am Ende der Projektlaufzeit Mitte 2014 werden die naturverträglichen Anbaukonzepte dieser Modellbetriebe in einem Praxishandbuch veröffentlicht. Das Projekt wird von einem Team aus Agrarwissenschaftlern des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) und des Fachgebiets Ökologischer Land- und Pflanzenbau der Universität Kassel-Witzenhausen bearbeitet.

Hintergrund

Der Anbau von Leguminosen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Mais-, Raps oder Getreideanbau sind kurzfristig betrachtet oftmals wirtschaftlicher für den Betrieb. Unkraut, Krankheiten sowie Schädlinge können beim Leguminosenanbau Probleme bereiten und die Erträge, vor allem bei Körnerleguminosen, schwanken in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen beträchtlich. Darüber hinaus ist die Verwendung von Import-Soja als hochwertiger Eiweißträger in der Futtermittelproduktion einfach zu handhaben und immer noch vergleichsweise preisgünstig.

Wer so kalkuliert, rechnet allerdings einseitig. Denn mit fundiertem Hintergrundwissen und der für den Standort und den für die betrieblichen Gegebenheiten geeigneten Anbautechnik kann der Anbau von Luzerne, Klee, Ackerbohne, Körnererbse, Lupine und Co. nicht nur eine spannende anbautechnische Herausforderung sein, sondern auch eine durchaus wirtschaftlich lohnende Option. Einerseits, weil der Trend zu regionaler und gentechnikfreier Fütterung von Milch- und Fleisch produzierenden Tieren immer stärker wird. Andererseits, weil der Leguminosenanbau mehr leistet, als zunächst am jeweiligen Ertrag erkennbar ist: Der Anbau von heimischen Eiweißpflanzen kann die natürliche Biodiversität sowie die genetische Vielfalt in der Agrarlandschaft erhöhen und trägt zugleich zu wichtigen Ökosystemdienstleistungen bei. Denn Leguminosen benötigen z.B. keinen energieaufwendig hergestellten Stickstoffdünger, um gut zu gedeihen. Durch den Eintrag von Luftstickstoff in den Boden führt der Leguminosenanbau über das eigene Wachstum hinaus auch zu höheren Erträgen mit vermindertem Düngerbedarf in der Folgefrucht. Durch die Pfahlwurzeln der Leguminosen wird der Boden auch in tieferen Schichten gelockert. So werden für andere Pflanzen nicht erreichbare Nährstoffe wieder verfügbar gemacht. Der Anbau von Leguminosen lockert auch die Fruchtfolge auf, was wiederum dazu beiträgt, Vermehrungszyklen von Schädlingen und Krankheiten zu durchbrechen und manchem hartnäckigen Unkraut auch ohne Pflanzenschutzmitteleinsatz wieder Herr zu werden.