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Vorläufige Stellungnahme zur Problematik
der Bekämpfung von Maul- und Klauenseuche (MKS)
(Entsprechend der Sachlage und vorhandenen
Erkenntnisse am 10.4.2001)
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Die Maul- und Klauenseuche
ist eine schwere Infektionskrankheit der Klauentiere, die
für die betroffenen Individuen mit erheblichen Leiden
verbunden ist. In der Regel erkrankt ein sehr grosser Teil
eines Bestandes (hohe Morbidität). Es ist auffällig,
dass das derzeit grassierende Virus was absolut untypisch
ist auf alle Klauentiere gleichermassen übergreift.
Der Erreger der MKS kommt
weltweit in sieben verschiedenen Arten (Serotypen) vor,
zwischen denen keine immunologischen Kreuzreaktionen bestehen.
Selbst innerhalb der Serotypen ist die immunologische Kreuzreaktion
zwischen einzelnen Varianten nicht immer gegeben. Das heisst,
ein Tier, welches (beispielsweise nach einer überlebten
Infektion oder auch nach einer erfolgreichen Immunisierung
gegen einen Typ) eine wirksame Immunität gegen einen
Serotyp (oder eine Variante) aufweist, kann dennoch an einem
anderen Serotyp (oder einer anderen Variante) erkranken.
Sowohl geimpfte Tiere als auch Tiere, die eine MKS-Erkrankung
durchgemacht haben, können lange Zeit das Virus ausscheiden
und andere Tiere anstecken. Das MKS-Virus ist widerstandsfähig
gegenüber Austrocknung, Kälte und hoher Salzkonzentration
(Pökeln). Unter solchen Bedingungen können sich
Viren monatelang halten. In Stallschmutz, Mist und Jauche
bleiben die Erreger bis zu zwei Wochen infektiös. Eine
Inaktivierung erfolgt bei pH <6.0 und bei Temperaturen
> 60°C.
Von vielen Seiten wird derzeit die Bekämpfungsstrategie
der in Europa galoppierenden Maul- und Klauenseuche kritisiert.
Schwerpunkte der Kritik sind das Festhalten am 10 Jahre
alten Impfverbot sowie an den Keulungen betroffener Bestände
und angrenzender Betriebe. Die Bilder aus Grossbritannien
sprechen ohne Frage eine deutliche und grausame Sprache.
Dennoch, obwohl das Virus inzwischen Kontinentaleuropa erreicht
hat, breitet es sich hier nicht annähernd so rasant
aus, wie in Grossbritannien. Es sind bis zum heutigen Tag
2 Fälle aus Frankreich und 18 Fälle aus den Niederlanden
bekannt, wobei in den Niederlanden 17 der 18 Fälle
in einem räumlich sehr begrenzten Gebiet aufgetreten
sind. Falls keine weiteren Fälle auftreten, soll Frankreich
am 21. April wieder als seuchenfrei eingestuft werden. Nach
jetzigem Kenntnisstand ist ein grosser Viehmarkt, der am
22. Februar stattgefunden hat («New Market»),
eine der wesentlichen Ursachen der flächenbrandartigen
Verbreitung der Viehseuche. Dabei war bereits am 19. Februar
der Ausbruch der Seuche in England bekannt geworden!
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Die MKS eignet sich nicht, einfache Schwarz-Weiss-Rezepte
zu verfolgen. Deshalb erinnern wir an folgenden Tatsachen:
- Bei der Aufhebung der Impfpflicht Anfang der 90er Jahre
gab es ein Aufatmen bei den Rinderhaltern. Von Seiten
der Bauernschaft wurden die mit grossen Problemen (wie
z.B. Verkalbungen, hoher Arbeits- und Kostenaufwand)
behafteten Impfaktionen verteufelt und das Impfverbot
ausdrücklich begrüsst.
- Trotz Seuchenausbrüchen ausserhalb Europas und
dem bereits stattfindenden Desaster in England ist das
Hauptansteckungsrisiko, nämlich der massive Tierverkehr,
gar nicht oder viel zu spät beseitigt worden. Noch
immer ist die Erteilung von Sondergenehmigungen für
Tiertransporte das tägliche Brot der Amtsveterinäre.
- Der Biolandbau ist an den Hauptursachen der Verbreitung
des Virus, dem Tiervermarktungs-Tourismus, den Produktionskonzentrationen
und den extremen Besatzdichten praktisch unbeteiligt.
Trotzdem sind die biologischen Tierhalter von den Seuchenbekämpfungsstrategien
stark betroffen, weil die räumliche Kopplung zum
konventionellen Landbau eng ist und die Biobauern bei
seuchenpolizeilichen Massnahmen keinen eigenen Weg gehen
dürfen. Der Ruf nach Massnahmen zum Schutz der Tiere
und zur Abschaffung von Massentötungen von seiten
der Biobauern ist deshalb verständlich.
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Ist es sinnvoll, vorsorglich alle potentiell gefährdeten
Tiere zu impfen (Flächenimpfung aller Klauentiere in
Kontinentaleuropa)?
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| Was bedeutet Impfung grundsätzlich? |
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Die Impfung im Fall der Maul- und Klauenseuche
bedeutet, dass den Tieren ein inaktivierter Erreger unter
die Haut gespritzt wird. Dazu wird zuvor das Virus in Zellkulturen
vermehrt und später mit speziellen Chemikalien inaktiviert,
dass heisst die Viren werden so behandelt, dass sie sich
nicht mehr vermehren sollten.
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Seit Ausbruch der Maul- und Klauenseuche
wird immer wieder über den Einsatz sogenannter Markerimpfstoffe
diskutiert. Diese Impfstoffe lassen eine Unterscheidung
zu zwischen geimpften Tieren und Tieren, die eine Infektion
mit dem Seuchenerreger durchlebt haben. Markerimpfstoffe
können zudem gentechnisch hergestellt sein.
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Aktuell liegt keine wissenschaftliche
Veröffentlichung darüber vor, dass ein wirksamer
Markerimpfstoff gegen MKS existiert. Ebenfalls ist eine
Zulassung eines solchen Impfstoffes derzeit nicht beantragt.
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| Was bewirkt eine Impfung? |
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Bei 80-90% der geimpften Tiere stellt
sich in Abhängigkeit von Tierart und den eingesetzten
Impfstoffen im Falle der Maul- und Klauenseuche nach 5 bis
21 Tagen eine wirksame Immunität ein, die rund 4 Monate
vorhält. Man unterscheidet bei MKS-Impfstoffen zwischen
monovalenten Impfstoffen, das sind Impfstoffe, die nur gegen
einen Serotyp wirksam sind, und polyvalenten Impfstoffen;
diese wirken gegen mehrere Serotypen. Grundsätzlich
muss bemerkt werden, dass eine Impfung um so wirksamer wird,
je weniger verschiedene Erregerarten sie umfasst und je
weniger inaktiviert das Impfvirus ist. Keine Impfung bietet
für alle geimpften Tiere einen vollständigen Schutz.
Das Risiko, dass eine Erkrankung bei einem geimpften Tier
nach Kontakt mit dem Erreger ausbricht, vermindert sich
jedoch. Auch ein geimpftes Tier kann so an Maul- und Klauenseuche
erkranken, oder, was seuchenhygienisch noch bedenklicher
ist, nach Kontakt mit dem Erreger zu einem unerkannten Ausscheider
werden. In der Vergangenheit kam es durch den Einsatz nicht
genügend inaktivierter Viren immer wieder zum Seuchenausbruch
aufgrund von Impfungen.
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Durch die Impfung als solche kann es zu
Allergien, Störungen der Trächtigkeit (Verwerfen)
sowie lokalen Reaktionen an der Impfstelle kommen.
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| Auch eine Impfung birgt also Risiken. |
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Welche Auswirkungen hätte eine Flächenimpfung?
- Mit Impfstoffen ohne Marker geht der
Überblick über die Seuchensituation völlig
verloren und der eigentliche Erreger könnte sich
schleichend, aber unkontrollierbar, ausbreiten. Es käme
möglicherweise auf unabsehbare Zeit immer wieder
zu MKS-Ausbrüchen. MKS-freien Ländern ist verständlicherweise
das Importrisiko zu gross, und sie werden den Import von
Klauentieren und von solchen erzeugter Lebensmitteln unterbinden.
- Impfungen mit den bekannten Impfstoffen
haben immer wieder zu Impferkrankungen durch nicht ausreichend
inaktivierte Viren geführt. In den 80er Jahren trat
in Italien eine landesweite Epidemie als Folge von Impfkampagnien
auf. Das Risiko ist um so grösser, je mehr Tiere
geimpft werden.
- Die Impfstoffherstellung birgt nachgewiesenermassen
Risiken. Während der Impfzeit der 60er bis 80er Jahre
wurden die meisten Ausbrüche der MKS in unmittelbarer
Nähe zu Impfstoff-Werken verzeichnet. Ein unrühmliches
Beispiel sind die beiden MKS-Seuchenausbrüche in
der Nähe eines Werkes bei Hannover 1988 und 1989.
Auch hier gilt, das Risiko ist um so grösser, je
mehr Impfstoff produziert wird.
- Es ist zum heutigen Zeitpunkt nicht
davon auszugehen, dass aktuell auf genügend Impfdosen
zurückgegriffen werden kann. Die jetzige Variante
ist für alle Klauentierarten gleichermassen virulent.
Das bedeutet, es müssten nicht nur wie seinerzeit
Rinder, sondern auch Schweine, Schafe und Ziegen grossflächig
geimpft werden. Im Zuge der jetzigen Epidemie würde
die Zeit für die Herstellung solcher Mengen an Impfstoffen
nicht ausreichen, zumal jede Charge auf Sicherheit geprüft
werden müsste. Das bedeutet, dass pro Charge bis
zur Freigabe ca. 3 Wochen vergehen. In Deutschland stehen
aktuell rund 1,1 Mio Dosen Impfstoff für ca. 46 Mio.
Klauentiere zur Verfügung (wobei jedoch erst seit
Beginn dieser Woche sicher ist, dass dieser auch wirklich
wirksam ist). In der Schweiz leben rund 3,5 Mio. Klauentiere,
und es stehen 300'000 Impfdosen zur Verfügung. In
ganz Europa sind es ohne Wildtiere schätzungsweise
300 Mio. Klauentiere. Zu berücksichtigen bleibt zudem,
dass eine solche Impfung in regelmässigen Abständen
wiederholt werden müsste, um langfristig wirksam
zu sein. Insbesondere müssten zum Beispiel regelmässig
alle Mastschweine geimpft werden.
- Im Falle eines Seuchenausbruches müssten
dennoch alle Tiere des Bestandes getötet werden,
um eine Ausbreitung zu verhindern.
- Selbst wenn Markerimpfstoffe verfügbar
wären, ist der Einsatz aus Sicht des biologischen
Landbaus abzulehnen, wenn gentechnisch veränderte
Krankheitserreger zum Einsatz kommen.
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Wenn wir zum heutigen Zeitpunkt davon
ausgehen würden, dass sich die MKS wie ein Flächenbrand
über ganz Kontinentaleuropa ausbreitete, könnte eine Flächenimpfung
(so sie den überhaupt durchführbar wäre) möglicherweise
aktuell viele Tiere vor der Keulung bewahren, erheblich
mehr Tiere wären aber über einen langen Zeitraum den Impfrisiken
ausgesetzt. Derzeit breitet sich glücklicherweise
die Seuche jedoch nicht in befürchtetem Ausmass und
befürchteter Geschwindigkeit in Kontinentaleuropa aus,
und die ergriffenen Schutzmassnahmen scheinen zu greifen.
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Überdies würde eine Flächenimpfung
gegen das in Umlauf befindliche Virus nicht gegen einen
Seuchenzug mit einem anderen Serotyp (oder einer anderen
Variante) der Maul- und Klauenseuche schützen. Gleichzeitig
gegen alle Serotypen und Varianten der Maul- und Klauenseuche
eine wirksame Immunität zu erimpfen, ist nicht möglich.
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Eine Flächenimpfung gegen MKS kann
zudem ein durch Tiertransporte und hohe Viehdichte bedingtes
Ausbreitungsrisiko anderer Seuchen nicht unterbinden.
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| Was sollte im Fall eines Seuchenausbruchs
geschehen?
Kann
man die Herden einfach durchseuchen lassen?
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Durseuchen heisst, dass alle Tiere eines
Bestandes nach einem Ausbruch der Erkrankung dem Virus ausgesetzt
bleiben und ein grosser Teil der Tiere auch tatsächlich
erkranken wird (siehe oben). Untersuchungen aus Indien haben
gezeigt, dass leistungsbetonte Rassen mit erheblich schwereren
klinischen Folgen zu rechnen haben als Robustrassen. In
Westeuropa machen die leistungsbetonten Rassen den mit Abstand
grössten Teil der Klauentierpopulation aus; auch im
Biolandbau werden noch in grossem Umfang (oft auch mangels
Alternativen) solche Tiere eingesetzt. Es sind also derzeit
weder die Leiden für das einzelne erkrankte Tier, noch
der Anteil an Tieren, die während einer solchen Durchseuchung
sterben, kalkulierbar. Es käme darüber hinaus
zu erheblichen Leistungseinbussen der Tiere, und nach der
Durchseuchung würde die Leistung deutlich unter dem
Ausgangslevel bleiben. Während einer Durchseuchung
würden Erreger in grossem Umfang ausgeschieden, darüber
hinaus ist absehbar, dass einzelne Tiere über Jahre
den Erreger ausscheiden (beim Rind sind Fälle bekannt,
bei denen der Erreger über 24 Monate ausgeschieden
wurde). Beide Faktoren würden die Ausbreitung des Virus
erheblich begünstigen.
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Nach einer Durchseuchung sind die Tiere
zwar vor einer erneuten Infektion mit dem aktuellen Serotyp
der Maul- und Klauenseuche durch Immunität mindestens
6-9 Monate geschützt, nicht jedoch gegen andere Serotypen,
die in Europa viel häufiger vorkommen als der derzeit
grassierende Asiatische Typ
Aus den oben genannten Gründen ist
es schon aus ethischen Gesichtspunkten verständlich,
dass MKS-freie Länder mit grösster Vehemenz Importe
von potentiell infektiösem Material (also Fleisch und
Milch und alle daraus produzierten Lebensmittel, sowie jegliche
lebenden Tiere) aus Ländern, in denen die MKS vorkommt,
verhindern werden.
Eine Durchseuchung ist also schon
allein aus Gründen des Wohlergehens der Tiere abzulehnen.
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Welche Strategien können ergriffen
werden, um die Anzahl an Tieren, die im Seuchenfall getötet
werden müssen, auf ein absolutes Minimum zu beschränken?
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Fachleute sind sich einig, dass man betroffene
Bestände im Seuchenfall töten muss, um die Ausbreitung
der Seuche zu begrenzen.
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Es stellt sich jedoch die Frage, was mit
den umliegenden Betrieben geschieht, ob und in welchem Umkreis
ebenfalls Bestände getötet, unter Quarantäne
gestellt oder geimpft werden sollten.
Welches Vorgehen eignet sich bei unmittelbar
an den Seuchenbestand angrenzenden Beständen? Welches
kann auf Betrieben im weiteren Umkreis um den Seuchenherd
eine Ausbreitung der Seuche vermeiden helfen?
Die Ringimpfung würde unter bestimmten
Voraussetzungen ein möglicherweise probates Mittel
sein, um die Seuche einzudämmen und eine möglichst
grosse Zahl von Tieren vor der unmittelbaren Keulung zu
bewahren. In den Gebieten, in denen die Ringimpfung vollzogen
wird, gelten die gleichen seuchenhygienischen Regeln wie
in der Kernzone des Seuchenausbruchs.
Es bleibt zu diskutieren, was mit den
Ringimpflingen geschehen soll. Grundsätzlich gilt auch
für Ringimpfungen, dass sie keinen absoluten Schutz
bieten, es also auch im Impfring zu Impfdurchbrüchen
kommen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass erstens 14 Tage
vergehen, bis eine ausreichende Immunität gebildet
ist, und zweitens gerade in zentraleren Bereichen des Impfrings
potentiell schon infizierte Tiere stehen, bei denen möglicherweise
zwar der Ausbruch der Krankheit, nicht jedoch die Erregerausscheidung
unterbunden wird. Ein Impfring müsste also, um wirksam
zu sein, eine entsprechende Grösse haben und unter
eine langfristige konsequente und strenge Quarantäne
gestellt werden. Wahrscheinlich werden die geimpften Tiere
aber auch gekeult, da es derzeit keine gangbare Methode
gibt, Ausscheidertiere zu identifizieren.
Auch die Quarantäne von Betrieben ohne
Impfung, wie sie derzeit gehandhabt wird, ist eine Möglichkeit,
die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Die Quarantäne
bietet dabei den Vorteil, dass anhand der Blutserologie
jederzeit zwischen Tieren, die mit dem Erreger in Berührung
gekommen sind (und somit als potentielle Ausscheidertiere
betrachtet werden müssen) und MKS-freien Tieren unterschieden
werden kann, was bei Ringimpfungen nicht möglich ist.
Letztlich bleibt zu überdenken, wie sinnvoll
oder vermeidbar die Tötung von an Seuchenbetriebe angrenzenden
Beständen ist, auf denen klinisch gesunde und serologisch
negative Tiere stehen.
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Vorgehen im Grenzbereich vor Seuchenausbruch?
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Es wird diskutiert, eine Firewall im grenznahen
Seuchenfall durch Impfungen von Beständen entlang der
Grenze zu betroffenen Regionen aufzubauen. Eine solche Massnahme
ist grundsätzlich der Ringimpfung gleich zu setzen
mit allen aufgezeigten Argumenten.
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Offene Fragen zur Ringimpfung
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Es gibt zu den aufgeführten Fragekomplexen
in Bezug auf eine mögliche Ringimpfung viele Unklarheiten,
die nur nach Abwägung aller Risiken und Kenntnisse
beantwortet werden können. Zu klären gilt:
- Welchen Schutz in welchem Zeitraum bietet eine Ringimpfung
für die Ringbestände und die Betriebe hinter
dem Ring?
- Wie verhalten sich Tiere, die sich im Ring vor der Impfung
infiziert haben? Schützt der Impfstoff vor Infektion
oder nur vor Krankheit? Sind damit Ringimpflinge potentielle
Virusträger, bei denen die Krankheit nur nicht zum
Ausbruch kommt?
- Wie lange soll die Quarantäne währen?
- Was passiert hinterher mit den Ringimpflingen im Falle
keiner neuen Seuchenausbrüche? Wer schlachtet die
Tiere unter welchen Bedingungen? Müssen die Tiere
getötet (gekeult) werden?
- Im Falle einer Produktionsrückkehr der Ringimpflinge:
Wie stellt sich die rechtliche und epidemiologische Seuchenlage
in der betroffenen Region (Nation) in Zukunft dar?
- Was passiert bei zu lange währender Quarantäne mit Tieren,
die geschlachtet werden sollen? Wie ist in einem Ringimpfbetstand
die Seuchensituation bei drohender Überfüllung zu bewerten?
Kann das Risiko für einen Impfdurchbruch in diesem Fall
überhaupt kalkuliert werden? Ist dabei zumindest in Schweinebeständen
nicht mit einem Schneeballeffekt zu rechnen (Impfen à
Überfüllung à Infektionsdruck durch Virusausscheider steigt
à MKS-Ausbruch à neue Ringimpfung....)?
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Viele dieser Fragen sind bislang ungeklärt
und müssten geprüft und möglicherweise in
Form einer Risikobewertung beantwortet werden. Das Szenario
ist nach jetzigem Kenntnisstand nur kontrollierbar, wenn
Ringimpflinge später getötet werden bzw. in der
Ringregion bis zu ihrer Schlachtung mit anschliessender
regionaler Vermarktung verbleiben.
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Schlussfolgerungen
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Aus ethischen Gründen hat für
uns die Gesunderhaltung und das Wohlergehen aller europäischen
Klauentiere (inklusive der Wildtiere) erste Priorität.
Primäres Ziel jeder Aktion im Rahmen der MKS-Bekämpfung
sollte es also sein, möglichst viele Tiere vor dieser
Erkrankung zu bewahren. Dieses primäre Ziel ist aufgrund
oben angeführter Argumente weder durch das Durchseuchen
noch durch die Impfung aller mitteleuropäischer Klauentierbestände
zu erreichen.
Die derzeitige Situation in Kontinentaleuropa
lässt erwarten, dass Vorsorgemassnahmen, wie konsequenteste
Einschränkung des belebten und unbelebten Verkehrs
im ländlichen Raum allein in der Lage sein müssten,
die Seuche in Grenzen zu halten. Insbesondere die Schweiz
mit ihren geringen Besatz- und Hofdichten bietet hierfür
gute Voraussetzungen, sollte es hier überhaupt zu einem
Seuchenausbruch kommen.
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Kurzfristige:
- Drastisch(er)e Einschränkungen des Vieh- und Personenverkehrs
auf und zwischen allen Klauentiere haltenden Betrieben
bzw. sonstigen mit Klauentieren in Berührung kommenden
Orten in Europa (Stand-Still). Ausnahmebewilligungen
sollten nur mit grösster Restriktion erteilt werden.
- Intensivierung der Hygienemassnahmen an allen mit Klauentieren
in Berührung kommenden Orten.
- Keulung betroffener Bestände.
- Gegebenenfalls und in Abhängigkeit von Einzelfall
und Situation regionale oder betriebsspezifische Impf-
und/oder Quarantäneprogramme.
Mittelfristige:
- Drastische Einschränkung und bessere Überwachung
von Tiertransporten.
- Verbot von Langstreckentransporten.
Langfristige:
- Regionalisierung und Ökologisierung der Landwirtschaft.
Dabei steht die dezentrale Haltung von Tieren in artgerechten
Ställen und mit ständigem Zugang zu freiem Auslauf
im Vordergrund.
- Eine Verminderung der allgemeinen Viehdichte und alle
Massnahmen zur Förderung der Tiergesundheit führen
zu einer erheblichen Risikominimierung.
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Unsere gegenwärtige Einschätzung
begründet sich auf eine Abwägung aller Risiken
gemäss der Kenntnisse, die uns bis heute vorliegen.
Wir möchten versuchen, die Diskussion zu entemotionalisieren.
Es müssen Fakten beleuchtet werden, wobei nicht Meinungen
zu Schnellschüssen entarten dürfen, die danach
unumkehrbar sind. Niemand, der unter Abwägung aller
Risiken der Tötung betroffener und für die Ausbreitung
der Seuche in Frage kommender Tiere zustimmt, tut dies leichten
Herzens. Wenn sich eine Lösung finden lässt, (ring-)geimpfte
Tiere dem Markt zugänglich zu machen, ohne das Risiko
einer Seuchenausbreitung wesentlich zu erhöhen, werden
wir dies massiv unterstützen.
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FiBL (Frick, CH)
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FiBL (Berlin, D)
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- Dr. Jörg Spranger
- Dr. Peter Klocke
- Dr. Hubertus Hertzberg
- Michael Walkenhorst
- Christophe Notz
- Irena Marc
- Ulrike Biegel
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- Dr. Anita Idel
- Christian Fidelak
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©
2008
FiBL Forschungsinstitut für biologischen
Landbau
Last Update
01.09.2003
| Comments: webmaster@fibl.org
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