|
|
Salmonellen im biologischen Landbau
Einleitung
|
| Immer wieder tauchen in den Medien
Meldungen über Salmonellen in Eiern, Eierspeisen oder ungenügend
gekochten Fleischspeisen auf. Die entsprechenden Produkte
müssen vernichtet werden. – Handelt es sich hier tatsächlich
um ein Problem von biologisch bewirtschafteten Hühnerställen,
wie Stimmen auch aus dem Ausland antönen? |
|
Verdacht
|
| Dennis T. Avery (Direktor des
Center for Global Food Issues und Senior Fellow des Hudson
Institute) weist in seinem Artikel in American Outlook (1998)
auf einen nicht gezeichneten Beitrag in Consumer Reports (1998)
hin. Demnach sei in den USA unter Freilandhühnern eine erhöhte
Zahl von Salmonellen-Verseuchungen festgestellt worden. |
|
Fakten
|
|
Salmonellosen sind Krankheiten bei Mensch und Tier, die
durch Darmbakterien der Gattung Salmonella ausgelöst werden.
Salmonellen können je nach Typ an bestimmte Tierarten oder
an den Menschen adaptiert sein. Nicht wirtsadaptierte Salmonellen
jedoch können vom Tier auf den Menschen übertragen werden.
In diese Gruppe gehören Salmonella Enteritidis, eine in
der Schweiz meldepflichtige und zu bekämpfende Tierseuche,
sowie S. Typhimurium. Enteritidis ist der vorherrschende
Salmonellose-Erreger unter den ans Bundesamt für Gesundheitswesen
gemeldeten Erkrankungen. Sein Anteil an den Isolaten betrug
59,5 %, der von S. Typhimurium lag bei 12,9 % (1999).
Die akuten und kurzfristigen Symptome beim Menschen sind
Durchfall, Krämpfe, Fieber und Erbrechen. Längerfristig
kann es zu chronischer Arthritis kommen. Für Risikogruppen
wie Säuglinge, alte und aidskranke Menschen kann eine Erkrankung
lebensgefährlich sein. Bei den Tieren können eine wenig
entwickelte Darmflora oder eine gestörte Darmflora die Erkrankung
an Salmonellen fördern. Die Salmonellen vermehren sich in
diesem Falle stark, lösen entzündliche Reaktionen im Darmgewebe
aus und treten unter Umständen sogar ins Blutsystem über.
Die Folgen sind Fieber und eine starke Schwächung des Tieres.
Mit dem Kot können so grosse Mengen an Salmonellen in Lebensmittel
gelangen oder von anderen Tieren aufgenommen werden. Salmonellen
kommen überall vor und es gibt verschiedenste Übertragungswege.
Für eine Übertragung auf den Menschen sind vor allem kontaminierte
oder fehlerhaft aufbewahrte Lebensmittel verantwortlich.
Eier und Rohei-haltige Speisen, aber auch das Geflügel selber
sind die wichtigsten Risikofaktoren für S. Enteritidis.
S. Typhimurium hingegen kommt hauptsächlich in rohem Fleisch
und nicht ausreichend gekochten Fleischprodukten von Rindern
und Schweinen vor, aber auch in der Milch und in Milchprodukten
(Burrow, 1998).
Verseuchte Speisen sind nicht als solche erkennbar, da
sie sich im Aussehen und Geschmack nicht von unverseuchten
unterscheiden. Bei der Ansteckung mit dem Erreger sind sowohl
die Übertragung von infizierten Elterntieren auf die nachfolgende
Kükengeneration als auch die Ansteckung der Hühner im Kontakt
mit einer belasteten Umwelt von Bedeutung. S. Enteritidis
nimmt in der Eierproduktion eine Sonderstellung ein. Infizierte
Elterntiere können erregerhaltige Eier produzieren, einerseits
durch besiedelte Geschlechtsorgane der Henne und andererseits
durch eine Kontamination der Eischale während der Kloakenpassage.
Während den Salmonellen die Vermehrung im Eiweiss durch
Ei-eigene Substanzen verunmöglicht wird, finden sie im Eigelb
beste Bedingungen vor. Die unmittelbarste Salmonellen-Übertragung
von Huhn zu Huhn geschieht über das Picken in kontaminiertem
Kot oder Einstreu (Nüesch, 1999).
Eine Rolle spielt auch die Übertragung zwischen Henne und
Hahn via kontaminierte Kloake oder kontaminierten Samen
(Reiber et al., 1995a und 1995b). F
ür den Neueintrag des Erregers in die Legehennenpopulation
können kontaminierte Mäuse- und Rattenpopulationen, Wildvogelbestände,
Hausfliegen sowie Futtermittel verantwortlich sein (Nüesch,
1999).
Bei der zunehmenden Bedeutung von S. Enteritidis als Lebensmittelvergifter
und Geflügelerreger in den vergangenen 15 Jahren müssen
alle Übertragungswege berücksichtigt werden, wenn es darum
geht, Infektionsketten zu durchbrechen:
|
- In der Produktion
In einem ersten Schritt gilt es, eine Einschleppung des
Erregers durch Futtermittel, kontaminierte Mäuse- und
Rattenpopulationen sowie Wildvogelbestände zu verhindern.
Die Übertragung in den Legehennenställen lässt sich durch
gründliche und fachgerechte Reinigung und Desinfektion
stark eindämmen. Tiere sollten keinerlei Stress unterliegen
und ein optimales Angebot an Futter, Tränke und Strukturierung
erhalten. Junghennen sollten nur aus zuverlässiger Aufzucht
zugekauft werden.
|
- In der Verarbeitung
Es gilt, auf dem Transportweg und bei der Lagerung eine
Kühlkette aufrecht zu erhalten. Die Eier und Eiprodukte
sollten möglichst frisch und kühl zum Konsumenten gelangen.
Eine Kühltemperatur von < 5 °C muss eingehalten werden.
Nur küchentechnisch und hygienisch korrekter Umgang mit
rohen Eiern oder Rohei-Speisen kann eine Erkrankung ausschliessen.
Infizierte Eier dürfen nur nach ausreichender Erhitzung
verwendet oder müssen vernichtet werden. Als Bruteier
kommen sie nicht mehr in Frage. Zu gross ist das Risiko,
dass aus salmonellenhaltigen Eiern Küken schlüpfen, die
ebenfalls Salmonellenträger sind.
|
|
Bedeutung im Biolandbau
In der Schweiz nimmt die Anzahl der Salmonellosen seit
1992 kontinuierlich ab (Schmid und Baumgartner, 1999). Von
sporadisch vorkommenden Salmonellosen in der Schweiz gehen
29 % auf Infektionen im Ausland zurück (Schmid et al., 1996).
In Europa hingegen breitet sich zurzeit eine Salmonellen-Epidemie
aus, die saisonal bedingt im Sommer ein Maximum an Erkrankungen
hervorrufen kann. Man muss sich aber bewusst sein, dass
längst nicht alle Salmonellen-Infektionen erkannt und gemeldet
werden. Die Schweizer Elterntierhalter stellen durch eine
intensive Überwachung (amtlich vorgeschrieben und privatwirtschaftlich
ergänzte Kontrollen) sicher, dass Junghennen salmonellenfrei
sind. Die Kontrolle von importierten Tieren ist zudem besonders
streng. Die Konzepte für die Salmonellenhygiene sind für
die konventionelle und biologische Produktion dieselben.
In jahrelangen Betriebskontrollen (Kt. Aargau) waren verseuchte
Herden in der Freilandhaltung nicht häufiger als in Haltungen
ohne Auslauf, die konventionelle Produktion war gleichermassen
betroffen wie die Labelproduktion. Diese Untersuchungen
zeigen, dass es sich hier um ein generelles Hygieneproblem
und kein biospezifisches Problem handelt. Die Überwachung
der Eierproduktion in der Schweiz basiert auf der Tierseuchenverordnung.
Diese schreibt für alle Halter von 50 oder mehr Legehennen
vor, Eier (oder Blutproben) erstmals in der dreissigsten
Lebenswoche und ab dann halbjährlich auf Antikörper gegen
S. Enteritidis untersuchen zu lassen.
|
Schlussfolgerung
|
|
Das Auftreten von Salmonellen-Erregern und die Salmonellosen
sind keine biospezifischen Probleme. Gerade weil sich das
Problem des Salmonellenbefalls von Legehühnern nicht einer
bestimmten Haltungsform oder Zuchtlinie zuschreiben lässt,
ist es entscheidend, dass sich alle an der Überwachung und
Bekämpfung beteiligen. Die Qualitätssicherung ist deshalb
ein wichtiges Hilfsmittel und in der Schweiz mit den entsprechenden
Erfolgen sehr gut verankert. Zudem können sich die Konsumentinnen
und Konsumenten mit entsprechenden Massnahmen schützen.
|
| |
- Anonym. 1998. Chicken: What you don’t know can hurt
you. Consumer Reports 3, 03/1998. http://www.consumerreports.org/Special
/ProductSafety/ Reports/9803chk0.htr, zitiert am 21.08.2000.
Avery, D.T. 1998. The hidden dangers in organic food.
American Outlook, Fall 1998, 19-22.
- BAG, 2000. Salmonella und Campylobacter – die Situation
im Jahr 1999. Bulletin Bundesamt für Gesundheitswesen
21, 400-403.
- Nüesch, I. 1999. Epidemiologie und Prävention Eier-assoziierter
Salmonellosen. Dissertation ETH Zürich, 239 Seiten.
- Reiber, M. A. und Conner, D. E. 1995a. Effect of maiting
activity on the ability of Salmonella enteritidis to persist
in the ovary and oviduct of chickens. Avian Disease 39,
323-327.
- Reiber, M. A., Conner, D. E. und Bilgili, S. F. 1995b.
Salmonella colonization and shedding patterns of hens
inoculated via semen. Avian Disease 39(2), 371-322.
- Schmid, H., Burnens, A.P., Baumgartner, A. und Oberreich,
J. 1996. Risk factors for sporadic salmonellosis in Switzerland.
European Journal of Clinical Microbiology and Infectious
Diseases 15, 725-732.
- Schmid, H. und Baumgartner, A. 1999. Salmonella enterica
serovar enteritidis in Switzerland: Recognition, development,
and control fo the epidemic. In: Salmonella enterica serovar
enteritidis in humans and animals, Saeed, A.M. (ed.).
Iowa State University Press, Ames. pp. 81-89.
|
|
|
nach oben |
 |
 |
|
|
|
©
2008
FiBL Forschungsinstitut für biologischen
Landbau
Last Update
12.11.2003
| Comments: webmaster@fibl.org
|
|
|
|