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Rotenon im biologischen Landbau

Einleitung

Pestizide stehen schon seit längerem im Verdacht, dass sie, nebst anderen gewichtigen Faktoren wie Alter und genetische Veranlagung, ein Risiko für den Ausbruch der parkinsonschen Krankheit darstellen. Eine Studie der Stanford Universität hat gezeigt, dass Anwender von Pestiziden häufiger an Parkinson erkranken als Kontrollpersonen.

 

Verdacht

Verschiedene Medien haben kürzlich von Laborversuchen mit Rotenon berichtet. In diesen Laborversuchen wurde gezeigt, dass Ratten Parkinson-ähnliche Symptome entwickeln, wenn ihnen Rotenon in hohen Mengen (1–12 mg/kg Körpergewicht) in den Blutkreislauf gegeben wird (Betarbet et al., 2000; Giasson et al., 2000)

 

Fakten

Wirkungsweise: Rotenon ist ein biologisches Pestizid und wird aus der Derris-Wurzel gewonnen (Familie der Leguminosen, heimisch in Südostasien, Süd- und Zentralamerika). Rotenon ist ein Kontakt- und Frassgift, das Lähmungen bewirkt, welche für kleine Insekten tödlich sind. Grössere Insekten hingegen können überleben. Es kann als Pulver oder Flüssigkeit gegen Thrips, Kartoffelkäfer, Blattläuse, Blattsauger, Kohlweissling und Frostspanner eingesetzt werden.

Im Freiland wird Rotenon sehr rasch zerstört (3–6 Tage). Bei der Ernte ist Rotenon deshalb bereits abgebaut, da es bis spätestens 7 Tage vor der Ernte angewendet werden darf. Zudem wird Rotenon vom Menschen vergleichsweise schlecht über die Nahrung aufgenommen. Personen, die Rotenon anwenden, sind dem Risiko der Aufnahme ausgesetzt. Dies kann den Einsatz von Rotenon als Pflanzenschutzmittel betreffen oder auch zur Behandlung von Haustieren.

Für die Bekämpfung von Schädlingen an Säugetieren (z.B. Flöhe) sind in der Schweiz im Biolandbau keine Produkte mit Rotenon zugelassen.

 

Bedeutung im Biolandbau

In der Schweiz sind bis anhin zwei Rotenon-haltige Produkte im Biolandbau zugelassen. Eines wird auf 2001 vom Hersteller vom Markt genommen, da es kaum mehr verwendet wird. Gegenwärtig wird überprüft, ob Rotenon-haltige Pflanzenschutzprodukte im Biolandbau generell zurückgezogen werden sollen. Die Labelinhaber werden innerhalb der nächsten Wochen darüber zu entscheiden haben. Die Entscheidung wird unter anderem davon abhängen, wie das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) die Situation einschätzt.

 

Schlussfolgerung

Eine Gefährdung der Konsumentenschaft ist unwahrscheinlich, da das Rotenon bei der Ernte der biologischen Produkte längst abgebaut ist. Im Gegensatz zu Rotenon dauert der Abbau von chemisch-synthetischen Insektiziden wegen ihrer chemisch-physikalischen Stabilität wesentlich länger. Deshalb können in Nahrungsmitteln vielfach Pestizidrückstände gefunden werden. Für die Volksgesundheit ist in erster Linie die langjährige und weitverbreitete Anwendung von chemisch-synthetischen Pestiziden von Bedeutung: Neuere Studien belegen, dass die Anwendung der rund 400 in der Schweiz im konventionellen Anbau zugelassenen Pestizide zu Sorge Anlass gibt. Nebst den wissenschaftlich dokumentierten Auswirkungen auf die parkinsonsche Krankheit wurden auch Veränderungen des menschlichen Hormonhaushaltes (Testosteron) nachgewiesen. Diese neuen Untersuchungen bestätigen die langjährige Kritik der Biobauern: Chemisch-synthetische Pestizide haben erhebliche Nebenwirkungen auf Umwelt und Gesundheit.

 

Literatur

  • Betarbet, R., Sherer, T.B., MacKenzie, G., Garcia-Osuna, M., Panov, A.V. und Greenamyre, J.T. 2000. Chronic systemic pesticide exposure reproduces features of Parkinson's disease. Nature Neuroscience 3, 1301-1306.
  • Giasson, B.I. und Lee, V.M.-Y. 2000. A new link between pesticides and Parkinson's disease. Nature Neuroscience 3, 1227-1228.
  • Nelson, L. 2000. Technical Report, Beyond Pesticides/National Coalition Against the Misuse of Pesticides, Vol. 15, No. 7, July 2000.

 

Näheres

Dr. Lucius Tamm, FiBL

 
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© 2008 FiBL Forschungsinstitut für biologischen Landbau
Last Update 12.11.2003 | Comments: webmaster@fibl.org