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Escherichia coli im Biolandbau
Einleitung |
| Der Bakterienstamm Escherichia
coli O157:H7 macht in Nordmerika immer wieder Schlagzeilen
im Zusammenhang mit gefährlichen Lebensmittelvergiftungen.
In der Schweiz ist dieser Stamm (noch) nicht bekannt. Dennoch
melden sich immer wieder Stimmen, die gehäuftes Vorkommen
von bakteriellen Verunreinigungen mit dem biologischen Landbau
in Verbindung bringen.
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Verdacht: |
| Dennis T. Avery (1998), Direktor
des Center for Global Food Issues und Senior Fellow des
Hudson Institute, verurteilt den biologischen Landbau unter
anderem aufgrund seiner These, dass Menschen, die biologisch
produzierte Nahrungsmittel verzehren, bis zu acht Mal mehr
gefährdet seien, sich eine Lebensmittelvergiftung durch
den gefährlichen Stamm E. coli 0157:H7 einzuhandeln. Diese
gehäuften bakteriellen Erkrankungen in den USA seien auf
die Verwendung von tierischem Dünger im Biolandbau zurückzuführen.
Der verwendete Dünger werde ungenügend lange kompostiert
und zeichne sich durch eine Anhäufung von gefährlichen Bakterien
aus. Zusätzlich würden Bioproduzenten dieses Problem noch
fördern, indem sie keine Konservierungsmittel verwenden,
ihre Produkte keiner Pasteurisation unterziehen und keine
Desinfektionsmittel zur bakteriellen Bekämpfung anwenden.
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Fakten: |
Wirkungsweise
In Amerika, Kanada, Grossbritannien und Japan ist aus einer
Palette von mehreren hundert Stämmen der Bakterienstamm
Escherichia coli O157:H7 am meisten verbreitet. In Zentraleuropa,
Australien und Südamerika jedoch sind andere Stämme im Vormarsch.
Obschon die meisten Stämme harmlos sind und im Darmtrakt
von gesunden Menschen und Vieh angesiedelt sind, produziert
E. coli O157:H7 so genannte Verotoxine, die beim Menschen
zu gefährlichen Infektionen führen können (USA: jährlich
etwa 8000–16'000 Infektionen und 160–400 Todesfälle; Anonym,
1996). Erreger können beim Schlachtvorgang von Rindern ins
gesunde Fleisch gelangen. Die meisten Krankheitsfälle sind
im Zusammenhang mit dem Verzehr von Hamburgern in Fast-Food-Ketten
in den USA beschrieben worden (Bell et al., 1994). Neben
Kontaminationen von Rohmilch und Rohmilchprodukten (via
infizierte Kuheuter oder kontaminierte landwirtschaftliche
Geräte) konnte der Stamm O157:H7 auch bei Obst und Gemüse
nachgewiesen werden (Del Rosario und Beuchat, 1995; Taormina
et al., 1999).
Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass kontaminierte
Lebensmittel den grössten Teil der bakteriellen Infektionen
verursachen, doch weisen Forscher auch immer wieder darauf
hin, dass die Bedeutung der Kontamination von Mensch zu
Mensch nach wie vor unklar ist (RKI, 1999, für Gemeinschaftseinrichtungen
wie Spitäler, Altersheime etc.). Die Kontaminationswege
und deren jeweilige Bedeutung sind also zum Teil noch unklar.
Symptome treten normalerweise erst zwei Tage nach dem Verzehr
kontaminierter Produkte auf und werden so oftmals nicht
mehr auf diese zurückgeführt. Mit einfachen Massnahmen lässt
sich die Verbreitung des Stammes O157:H7 jedoch vermindern.
Da die Erreger ihren Ursprung
häufig in gesunden Haustierbeständen haben können (Rinder,
etc.), befassen sich Forschungsprojekte mit geeigneten Präventionsmassnahmen
bereits in der Tierhaltung, in der Milchgewinnung sowie
während des Schlachtprozesses. Im Haushalt wird dringendst
geraten, entsprechende Hygienemassnahmen zu befolgen.
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Bedeutung im Biolandbau: |
| Die Literatur kann Averys Vorwürfe
an den Biolandbau nicht erhärten. So gibt es keine wissenschaftliche
Untersuchung, die nachweisen könnte, dass E. coli oder andere
Lebensmittel-bürtige Krankheiten wegen des biologischen
Anbausystems auf dem Vormarsch wären. Es ist längst bekannt,
dass durch den unsorgfältigen Gebrauch von Hofdüngern kterielle
Krankheitserreger zum Auslöser von Krankheiten des Menschen
werden können.
Der Gebrauch von Hofdünger (Gülle und Mist) ist eine in
allen Anbausystemen übliche ökologische Methode der Nährstoffrückführung.
Für biologisch produzierte Lebensmittel bestehen umfassende
Anbau- und Verarbeitungsrichtlinien, die von den Anbauverbänden
oder vom Gesetzgeber festgelegt worden sind.
Der Biolandbau hat den Anspruch, den Nährstoffkreislauf
auf dem Betrieb möglichst geschlossen zu halten. So wird
der anfallende Hofdünger aus dem Tierbestand hauptsächlich
im Futterbau und Ackerbau wiederverwendet. Der Viehbesatz
pro Flächeneinheit ist im Biolandbau geringer als in der
IP und auch regional besser angepasst. Massentierhaltung
mit ihrem hohen Potenzial an Krankheitskeimen ist im Biolandbau
verboten.
Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass durch den konsequenten
Verzicht auf Mineraldünger und den gezielten Einsatz von
Hofdünger die Gefahr einer Nitratbelastung des Grundwassers
reduziert ist. Zudem wird die Bodenstruktur verbessert und
dadurch die Erosionsneigung vermindert. Weil der Biolandbau
konsequent auf chemisch-synthetische Stickstoffdünger verzichtet,
spart diese Landbauform grosse Mengen an Energie zur Erzeugung
dieser Dünger ein. Im Hinblick auf eine nachhaltige Produktion
und aus ökologischer Sicht ist die Förderung der Bodenfruchtbarkeit
durch Hofdünger höchst bedeutungsvoll.
Dies zeigt sich in einer höheren biologischen Aktivität
und einem vermehrten Humusaufbau sowie in einem gesteigerten
antiphytopathogenen Potenzial der Böden (Krankheitsabwehr).
Aus Hygienegründen werden Hofdünger im Biolandbau gezielt
aufbereitet. Kompostierung, Belüftung und Lagerung steigern
auch den Düngewert und fördern die Pflanzenverträglichkeit.
Speziell durch die Lagerung von Komposten lässt sich eine
verstärkte Reduktion der mikrobiellen Keimzahlen erreichen
(Metzler, 2000) und mit dem Alter des Komposts verstärkt
sich dessen krankheitsunterdrückende Wirkung. Für Kulturen,
die direkt dem menschlichen Konsum zugeführt werden, gelten
spezifische Richtlinien: So ist Gülle vor der Pflanzung
oder Saat auszubringen, kein direkter Einsatz für Blattgemüsearten,
keine Güllegaben später als sechs Wochen vor der Ernte (Lichtenhahn,
1998).
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Schlussfolgerung |
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Der E. coli Stamm O157:H7, der in den USA zu immer häufigeren
und teils lebensbedrohenden Erkrankungen führt, ist in der
Schweiz nicht verbreitet. Das Problem der gefährlichen E.
coli-Stämme ist klar nicht im Biolandbau und beim Gebrauch
von Hofdüngern begründet. Die Ursache ist vielmehr im Mangel
an Hygiene während der Nahrungsmittelgewinnung und -verarbeitung
zu suchen. Die Aufbereitung des anfallenden Hofdüngers vermindert
das Risiko einer bakteriellen Verunreinigung von Lebensmitteln.
Es gelten besondere Restriktionen für die Aufbereitung und
den Einsatz und von Hofdüngern, insbesondere in Kulturen,
die direkt dem menschlichen Konsum zugeführt werden (Obst
und Gemüse). Der Einsatz von Hofdünger in der Schweiz ist
fachlich fundiert und führt unter Berücksichtigung der geltenden
Vorschriften zu keinen Problemen. Das Rezyklieren von Hofdünger
ist sowohl in biologischen als auch integrierten Anbausystemen
ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Bewirtschaftung. |
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Literatur |
- Anonym. 1996. Food Safety. Information on foodborne
illnesses. GAO/RCED-96-96. United States General Accounting
Office.
- Avery, D.T. 1998. The hidden dangers in organic food.
American Outlook, Fall 1998, 19-22.'
- Bell, B.P., Goldoft, M. und Griffin, P.M. 1994. A multistate
outbreak of Escherichia coli O157:H7-associated diarrhea
and hemolytic-uraemic syndrome from hamburgers: the Washington
experience. Journal of the American Medical Association
272, 1349-1353.
- Del Rosario, B.A. und Beuchat, L.R. 1995. Survival and
growth of enterohemorrhagic Escherichia coli O157:H7 in
cantaloupe and watermelon. Journal of Food Protection
58, 105-107.
- Metzler, A. 2000. Harmful organisms and their metabolites.
In: Potenzielle Schadorganismen und Stoffe in Futtermitteln
sowie in tierischen Fäkalien. S. 5-55. Deutsche Forschungsgemeinschaft,
DFG (Hrsg.). Wiley-VCH Verlag GmbH, Weinheim, Deutschland.
- RKI Robert Koch Institut. 1999. Ratgeber Infektionskrankheiten
6. Folge: Infektionen durch enterohämorrhagische Escherichia
coli (EHEC). Epidemiologisches Bulletin 31, 227-230.
- Taormina, P.J., Beuchat, L.R. und Slutsker, L. 1999.
Infections associated with eating seed sprouts: an international
concern. Emerging Infectious Diseases 5, 624-634
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Näheres
Dr.
Lucius Tamm, FiBL
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2008
FiBL Forschungsinstitut für biologischen
Landbau
Last Update
12.11.2003
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