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Bacillus thuringiensis (Bt) im biologischen Landbau
Einleitung
Neuere Studien aus den USA und Frankreich deuten auf eine
potenzielle Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch Bacillus
thuringiensis (Bt) hin. Das FiBL hat die Verdachtsmomente
geprüft. Fazit: Bt ist und bleibt eines der sichersten Pflanzenschutzmittel
überhaupt.
Verdacht
Resultate aus einer Studie der Universität Cincinnati,
USA (College of Medicine; Bernstein et al., 1999) lassen
vermuten, dass eine Langzeitanwendung von Bt allergische
Reaktionen und Asthma bei Landarbeitern auszulösen vermag.
Grundsätzlich zeigten Personen, die mit Bt-gespritzten
Pflanzen in Berührung kamen, eine erhöhte Allergiesensitivität.
Reagierten vor der Ernte nur etwa 8 % auf einen Hauttest,
so waren es vier Monate später 70 %. Viele der Probanden
wiesen auch Antikörper im Blut auf, die eine beginnende
Allergie signalisieren können.
In französischen Versuchen mit Labormäusen wurde gezeigt,
dass eine konzentrierte Lösung mit Bt H34 eine Entzündung
der Haut hervorrufen kann. Bei gesunden Mäusen heilten diese
Veränderungen spontan, bei einer Kontrollgruppe mit unterdrücktem
Immunsystem hingegen nahmen die Läsionen zu, und das Bakterium
konnte auch weiterhin nachgewiesen werden.
Dieser spezifische Bt-Stamm (B. thuringiensis subsp. konkukian
(Serotyp H34)), der in keinem der handelsüblichen Spritzmittel
enthalten ist, wurde aus der Fleischwunde eines in Bosnien
schwer verwundeten französischen Soldaten isoliert (Hernandez
et al., 1998).
Weitere Versuche, bei denen höchste Konzentrationen des
isolierten Bt-Stammes in die Atemwege von Mäusen geträufelt
wurden, zeigten, dass die Tiere innerhalb von acht Stunden
innerlich verbluteten. Wurden den Mäusen Sporen kommerziell
eingesetzter Stämme (Serotyp 3a3b und H14) in der gleichen
Konzentration verabreicht, hatte das ebenfalls für 80 %
der Tiere tödliche Folgen (Hernandez et al., 1999).
Fakten
Wirkungsweise
Bacillus thuringiensis (Bt) ist ein sporenbildendes, aerobes
Bodenbakterium. Bt enthält Proteinkristalle, welche aus
mehreren d -Endotoxinen bestehen können. Letztere definieren
die insektenpathogene Wirkung eines Bt-Stammes.
Zu Beginn des Jahres 1999 waren 67 Subspezies bekannt (Lereclus
et al., 1993).Damit Bt-Präparate wirken können, müssen sie
verschiedene Stufen innerhalb einer empfindlichen Insektenlarve
durchlaufen. Aufgrund des basischen Darmmilieus und den
dort vorherrschenden reduzierenden Bedingungen wird der
aktive Teil des Bt-Präparates aufgelöst. Durch enzymatische
Spaltungen entsteht das biologisch aktive Toxin im Darm.
Dieses bindet an spezielle Rezeptoren im Mitteldarm des
Insektes.
Es folgt die Einlagerung des Toxins in die Membran des Darmepithels,
so dass es zuerst zur Porenbildung und später zur Zellauflösung
und zum Tod des Insekts kommt.Die nur bedingt selektive
Wirkung von Bt-Toxinen ist bekannt; es können auch Nichtzielorganismen
betroffen sein. Bt-Präparate sind alleine aufgrund der gezielten
Anwendung bei Schädlingsbefall spezifisch. Somit ist der
zeitliche Einsatz des Bt-Produktes für die Spezifität verantwortlich
(Meadows, 1993). UV-Strahlen und Regenabwaschung sorgen
für eine schnelle Inaktivierung des Präparates (Behle et
al., 1997).
Bedeutung der französischen Studie
Die französische Studie mit dem Serovar H34 lässt einige Fragen
offen. So ist bekannt, dass Labormäuse empfindlicher auf Manipulationen
reagieren als Wildstämme. Zudem waren die
getesteten Konzentrationen des Serovars H34 zur Erzielung
der tödlichen Effekte an den Mäusen übertrieben hoch. Mit
der gewählten Versuchsanordnung in dieser Studie wird die
Situation im Feld nicht ausreichend wiedergegeben. Die in
der Pflanzenschutzpraxis eingesetzten Bt-Stämme zeigen auch
eine weniger starke Hämolysinbildung als das getestete
Wundisolat. Es ist zudem erstaunlich, dass die französische
Arbeitsgruppe keine entsprechenden Versuche zur Ausbildung
der Hämolysinbildung gemacht hat. Würde man annehmen,
dass der Mensch gegenüber Bt-Hämolysinen in gleichem Masse
empfindlich ist wie Labormäuse, so bräuchte es eine 1200-mal
höhere Dosis (1.2 x 1011 Zellen), um tödliche Effekte zu
erzielen. Und erst noch mit einem Stamm, der in der Praxis
nicht zum Einsatz kommt.
Bedeutung im Biolandbau
In der Schweiz sind zurzeit zehn Bt-Produkte für den Biolandbau
zugelassen (Tamm et al., 2000) und fünf zusätzliche Produkte
für die IP (Pflanzenschutzmittel, 2000; Tabelle 1). Bei
den
Bt-Produkten handelt es sich um die wichtigsten Insektizide
für die Bekämpfung von Kohlweisslingen, Kartoffelkäfern
und Trauermücken im Biolandbau.
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Tabelle 1: Bt-Produkte und ihre Anwendungsgebiete
im biologischen Anbau
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| Bacillus thuringiensis var. |
Produkt
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Anwendungsgebiet
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Wartefrist
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| Bio |
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| Aizawai |
Turex |
W: Traubenwickler |
Reben: 3 Wo |
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G (Kohl): Kohlweisslinge, -eule,
-schabe |
Gemüse: 7 T |
| Israeliensis |
Skeetal |
Setzlingszucht: Trauermücken |
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Solbac |
Z im Gewächshaus |
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Solac Tabs |
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| Kurstaki |
Dipel |
O: Frostspanner, Gespinstmotte
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Reben: 3 Wo |
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Delfin |
Reben: Traubenwickler |
Gemüse: 7 T |
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Natura Raupenmittel |
G (Kohl): Kohlweissling, -eule,
-schabe |
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Baktur |
Ge: Gespinstmotten, Spanner, Trägspinner
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| Tenebrionis |
Novodor |
Gemüse: Kartoffelkäfer |
Aubergine: 7 T |
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Ecotech top |
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Kartoffeln: 3 Wo |
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Anwendungsgebiet: G = Gemüsebau, O = Obstbau;
W = Weinbau, Ge = Gehölze; Z = Zierpflanzenbau; S = Forstwirtschaft;
Wartefrist: T = Tage, Wo = Wochen
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Schlussfolgerungen
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Erntegut von Pflanzen, die mit Bt behandelt worden sind,
stellt für die Konsumierenden klar kein Risiko dar. Zwar
sind in der Literatur einige wenige Infektionen der Augen
sowie Wundinfektionen beschrieben.
Diese klinischen Raritäten kamen immer nur durch spezielle
Voraussetzungen zustande. Solche waren auch in jenem Fall
gegeben, der schliesslich zu den Arbeiten von Hernandez
et al. geführt hat.
Es wird auch klar, dass der in der französischen Studie
untersuchte Serovar H34 nichts mit den im Pflanzenschutz
verwendeten Stämmen zu tun
hat. Zudem kommen die Konsumentinnen und Konsumenten nie
mit Rückständen von Bt-Präparaten in Berührung, da solche
Präparate sehr schnell in der Umwelt abgebaut werden.
Weiter wurden auf Anraten des Bundesamtes für Gesundheitswesen
(BAG) Massnahmen zum Schutze vor dem Einatmen von Fremdstoffen
und -organismen in derPflanzenschutzanleitung für den integrierten
und den biologischen Reb- und Obstbau verankert. Bt-Präparate
werden seit Jahren in grossen Mengen im Pflanzenbau angewendet
und es haben sich keine Probleme ergeben. Bt ist nach wie
vor eines der sichersten Pflanzenschutzmittel überhaupt.
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Literatur
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- Behle, R.W., McGuire, M.R. und Shasha, B.S. 1997. Effects
of sunlight and simulated rain on residual activity of
Bacillus thuringiensis formulations. Journal of Economic
Entomology
90, 1560-1566.
- Bernstein, I.L., Bernstein, J.A., Miller, M., Tierzieva,
S., Bernstein, D.I., Lummus, Z., Selgrade, J.K., Doerfler,
D.L. und Seligy, V.L. 1999. Immune response in farm workers
after exposure to Bacillus thuringiensis pesticides. Environmental
Health Perspectives 107, 575.
- Hernandez, E., Ramisse, F., Ducoureau, J.-P., Cruel,
T. und Cavallo, J.-D. 1998. Bacillus thuringiensis subsp.
konkukian (serotype H34) superinfection: Case report and
experimental evidence of pathogenicity in immunosuppressed
mice. Journal of Clinical Microbiology 36, 2138-2139.
- Hernandez, E., Ramisse, F., Cruel, T., le Vagueresse,
R. und Cavallo, J.-D. 1999. Bacillus thuringiensis serotype
H34 isolated from human and insecticidal strains serotypes
3a3b and H14 can lead to death of immunocompetent mice
after pulmonary infection. FEMS Immunology and Medical
Microbiology 24, 43-47.
- Lereclus, D., Delécluse, A. und Lecadet, M.-M. 1993.
Diversity of Bacillus thuringiensis toxins and genes.
In: Entwistle, P.F., Byiley, M.J. und Higgs, S. (Hrsg.),
Bacillus thringiensis, an Environmental Biopesticide:
Theory and Practice. Chichester. 37-69.
- Meadows, M.P.1993. Bacillus thuringiensis in the environment:
Ecology and risk assessment. In: Entwistle, P.F., Byiley,
M.J. und Higgs, S. (Hrsg.), Bacillus thuringiensis, an
Environmental Biopesticide: Theory and Practice. Chichester.
193-220.
- Pflanzenschutzmittel. 2000. FAW und BLW, 377 Seiten.
- Tamm, L, Maurer, V. und Alföldi, T. (2000). Hilfsstoffliste:
Zugelassene Hilfsstoffe für den biologischen Landbau.
FiBL. 42 Seiten.
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Näheres
Dr.
Lucius Tamm, FiBL
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©
2008
FiBL Forschungsinstitut für biologischen
Landbau
Last Update
12.11.2003
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