Pressetext zu 30 Jahre FiBL – mehr als du denkst
Frick, 22. August 2003
Mit 30 noch immer im Wachstum
Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in
Frick feiert das 30-jährige Bestehen. Bei der Gründung
1973 wehte ihm ein rauer Wind ins Gesicht. Heute ist es eines der
weltweit bedeutendsten Institute des Biolandbaus und ein Vorzeigebeispiel
für den Forschungsplatz Schweiz.
Das FiBL feiert am Samstag, 23. August 2003 seinen 30. Geburtstag.
Zu diesem Anlass werden die Gäste mit 16 Reisecars in ihren
Wohnregionen in der ganzen Schweiz abgeholt. Die über 1000
Gäste sind Biobäuerinnen und Biobauern, Bioverarbeiter
und Biokonsumentinnen. Auf dem Weg nach Frick besucht jede Bustour
interessante Biohöfe, Verarbeitungsbetriebe und Biorestaurants.
Das FiBL will damit visualisieren, dass Bioforschung nicht nur
am Institutsstandort in Frick, sondern in der ganzen Schweiz statt
findet. Die FiBL-Forscher führen ihre praxisnahen On-farm-Versuche
auf über 200 Biobetrieben im ganzen Land durch. Damit können
die Forscher von den Biobäuerinnen und die Biobauern von den
Forscherinnen lernen.
Einen der wichtigsten Meilensteine in der FiBL-Geschichte konnten
die Fricker Bioforscher im Mai 2002 setzen, am langen und steinigen
Weg zur Anerkennung der biologischen Landwirtschaft. In der weltweit
wichtigsten Wissenschaftszeitschrift „Sciene“ durfte
ein Artikel über die Vorzüge des Biolandbaus punkto Effizienz
und Nachhaltigkeit veröffentlicht werden. Das FiBL und die
weltweite Bioforschung stiegen damit in den Olymp der Wissenschaft
auf.
Prompt hatte diese Publikation jedoch Misstöne zur Folge.
Diese positiven Resultate seien kein Wunder, hiess es von amerikanischen
Forscherkollegen. Die Unterschiede, die im DOK-Langzeitversuch
in Therwil zwischen biologisch-dynamischer, organisch-biologischer
und konventioneller Bewirtschaftung nachgewiesen worden sind, seien
darauf zurückzuführen, dass die Forscherinnen und Forscher
am FiBL vom Biolandbau überzeugt seien. In Wirklichkeit spiele
es gar keine Rolle, ob ein Stickstoffatom mineralischer oder organischer
Herkunft sei. Punkt.
Solche Anfeindungen mögen heute skurril klingen. Bei der
Gründung des FiBL vor 30 Jahren waren sie aber an der Tagesordnung.
Noch 1970 beurteilte der Bundesrat Bioforschung als irrelevant
und daher unnötig, der Biolandbau wurde als Sand im Getriebe
der Agrarindustrie wahrgenommen, eine Randerscheinung extremistischer
Kreise, die jeder naturwissenschaftlichen Grundlage entbehrt.
In diesem Umfeld gründeten unentwegte Wissenschafter, Geschäftsleute
und Landwirte 1973 die Stiftung zur Förderung des biologischen
Landbaus, die als ersten Versuchsbetrieb den Bruderholzhof in Oberwil
BL übernehmen konnte. Der erste Direktor, Hardy Vogtmann,
der unterdessen als Präsident des deutschen Bundesamtes für
Naturschutz Karriere machte, betrieb das FiBL zunächst als
Einmannbetrieb. Sein Büro befand sich im ehemaligen Knechtenzimmer
des Bruderholzhofes.
Bald sollte er aber andere Forscher um sich scharen können
und der Platz wurde knapp. Zwei Mal zog das Institut in Oberwil
in grössere Gebäude um. Als auch die Villa auf dem Bernhardsberg
zu klein wurde, wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuletzt
in Baracken notdürftig untergebracht waren, kam es 1997 zum
grossen Umzug in die Gebäude der vormaligen Landwirtschaftsschule
Frick im Kanton Aargau, wo es jetzt auch schon wieder eng wird.
Bis 1985 der erste Beitrag der öffentlichen Hand floss, finanzierte
sich das FiBL ausschliesslich über Projekte und Spendengelder.
Einerseits hing dadurch das Fortbestehen stets von der Qualität
der Arbeit und dem Goodwill der spendebereiten Bevölkerung
ab, andererseits war das Institut dadurch in der Nichtlandwirtschaftlichen
Bevölkerung von Beginn weg sehr gut verankert und lernte früh,
Forschungsprojekte zu akquirieren; eine Stärke, die dem FiBL
in Zeiten, da der Bund in der landwirtschaftlichen Forschung sparen
muss, zugute kommt. Heute erhält das FiBL bei einem Jahresbudget
von 13 Millionen Franken fünf Millionen vom Bund.
Auch das breit angelegte Tätigkeitsfeld des Instituts hat
historische Wurzeln. Heute wird am FiBL geforscht, das aus der
Forschung gewonnene Wissen allgemeinverständlich aufbereitet
und durch Beratung und Bildung an die Biobäuerinnen und Biobauern
weiter gegeben. In Umfragen zur Wissensvermittlung erntet der Fricktaler
Betrieb jeweils sehr gute Noten. Diese Vielfalt der Tätigkeiten
verdankt das Institut dem Umstand, dass es vor Jahren ausser dem
FiBL niemand gab, der sich um die spezifische Beratung, Aus- und
Weiterbildung der Biobauern kümmern mochte.
Seit Mitte der 1990er Jahre engagiert sich das FiBL zunehmend
auch im Ausland, in der EU, den Ländern des Südens und
in Osteuropa. Die internationale Ausrichtung prägte das FiBL
seit seiner Gründung. In den 1970er Jahren beherbergte es
das Sekretariat der Ifoam, des weltweiten Biodachverbandes, vom
FiBL aus gingen wichtige Impulse für die Schaffung internationaler
Biorichtlinien, und bereits vor 25 Jahren startete das erste Beratungsprojekt
in Bolivien. Vor zwei Jahren erhielt das FiBL in Frick eine Schwester,
ein FiBL in Berlin und Frankfurt. Ein zweites Schwesterchen dürfte
demnächst folgen – in Österreich.
Bildmaterial
für Presse (Printqualität)
FiBL
Milestones von 1973 bis 2003
Weitere
Informationen: Urs
Niggli
Pressemitteilung
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