FiBL-Medienmitteilung
IFOAM fordert 100 Millionen Euro für Forschung
im Biolandbau
(13.11.2001) Die Forschung für die biologische
Landwirtschaft werde durch die EU seit Jahrzehnten vernachlässigt,
schreibt die EU-Gruppe der Weltbioorganisation IFOAM in einem offenen
Brief an die EU-Landwirtschaftsminister und Parlamentarier. Gemäss
dem Rahmenprogramm für 2002 bis 2006, über das der Ministerrat bis
Ende Jahr entscheiden will, soll es noch schlimmer kommen. Die Gentechforschung
soll mit über zwei Milliarden Euro gefördert werden, die Biolandbau-Forschung
kriegt nur noch Brosamen. So gefährde Brüssel die Ziele der Agrarpolitik
der Mitgliedstaaten und setze die Leaderrolle Europas im weltweit
wachsenden Biomarkt aufs Spiel, kritisiert der Dachverband. Er fordert
100 Millionen Euro für die Forschung im Biolandbau. Diese Woche
diskutiert das Europäische Parlament die Anträge der Kommission.
Die Verteilung der EU-Forschungsgelder für die
Landwirtschaft stehe in krassem Widerspruch zur EU-Agrarpolitik,
kritisiert die EU-Gruppe der internationalen Bio-Dachorganisation
IFOAM in einem offenen Brief an die EU-Parlamentarier und die Agrarminister
der EU-Staaten. Das Ziel der Länder, in den nächsten zehn Jahren
15 bis 20 Prozent Biolandbau zu erreichen, lasse sich nur umsetzen,
wenn die Biolandbau-Forschung in der Lage sei, diesen ehrgeizigen
Prozess mit hoher fachlicher Kompetenz zu begleiten. Wenn die Biobauern
und Bioverarbeiter hingegen fachlich unzureichend unterstützt würden,
seien die europäischen Agrarmärkte in Zukunft am weltweit boomenden
Biomarkt nicht mehr konkurrenzfähig, heisst es weiter.
Gegenwärtig fliessen nur gerade 2 Prozent der EU-Agrarforschungsgelder
in die Biolandbau-Forschung, die durch die EU seit jeher vernachlässigt
wurde. Und dieser unhaltbare Zustand soll gemäss Rahmenprogramm
für die Jahre 2002 bis 2006 noch schlimmer werden. In dieser Periode
gedenkt die EU die Forschung im Biolandbau nur noch im Bereich der
Lebensmittelsicherheit zu unterstützen. Es sei absurd, die gesamte
Biolandbau-Forschung unter diesem Programmpunkt laufen zu lassen,
kritisiert die IFOAM. Die Lebensmittelsicherheit sei nur eine von
vielen Facetten des Biolandbaus. Vordringlich sei die Forschung
in anderen Bereichen, etwa die Ermittlung der Hemmnisse, welche
die Landwirte in der EU davon abhalten, auf Biolandbau umzustellen.
Die IFOAM verlangt daher einen eigenen Programmpunkt Biolandbau,
unter dem solche Projekte laufen könnten, mit einem Budget von 100
Millionen Euro. Dieser Betrag entspräche 17 Prozent des vorgesehenen
Budgets für die Lebensmittelsicherheit. Die Förderung des Biolandbaus
soll als eigener Aktionspunkt vorrangig in die vorgeschlagene Liste
der Politik orientierten Forschungsprioritäten aufgenommen werden,
in einem speziellen Forschungsaktivtätsprogramm im 6. Rahmenprogramm,
in dem ein Budget von 440 Mio Euro vorgesehen ist.
“Das ganze Rahmenprogramm krankt an einer äusserst
technologieorientierten Sichtweise,” bedauert der Schweizer IFOAM-Vertreter
Otto Schmid vom Forschungsinstitut für Biolandbau FiBL in Frick.
Je näher ein Forschungsprojekt an der Praxis sei, desto geringer
sei die Chance, dass es unterstützt werde. Interdisziplinäre Projekte,
die vernetztes Denken erfordern, hätten daher einen schweren Stand.
Vor diesem Hintergrund sei auch verständlich, dass die EU die Genom-Forschung
mit riesigen Summen fördert und die Forschung im Biolandbau praktisch
leer ausgeht.
Der 230 Seiten starke Entwurf des Forschungsprogramms
liegt zur Zeit dem Europaparlament zur Beurteilung vor. Die IFOAM
hofft, dass noch Korrekturen zugunsten des Biolandbaus vorgenommen
werden. Nach Fahrplan soll der Ministerrat das Rahmenprogramm bis
Ende Jahr verabschiedet haben.
Für weitere Auskünfte
Otto Schmid und Dr. Urs Niggli, Forschungsinstitut
für biologischen Landbau (FiBL),
CH- 5070 Frick
Tel. 062 865 72 72
E-Mail admin@fibl.ch
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