Berater-Info: Artikelserie zum Thema Eutergesundheit
Umstellung auf ein biokonformes Eutergesundheitskonzept (2/3)
Eine Eutergesundheitsstrategie, welche ausschliesslich auf die Behandlung mit Antibiotika baut, ist für Biobetriebe nicht vertretbar. Aus ökologischer sowie aus tierethischer Sicht sind die Biobetriebe aufgefordert, vorbeugende Massnahmen zu ergreifen, um den Einsatz von Antibiotika auf ein minimales Mass zu reduzieren.
Ein biokonformes Vorgehen zur Sanierung von Euterkrankheiten einhaltet eine klare Analyse aller die Tiergesundheit beeinflussenden Faktoren auf dem Betrieb, deren Gewichtung und schrittweise Sanierung. Ohne Berücksichtigung der auslösenden Faktoren erweisen sich Sanierungen kaum als nachhaltig. Werden nur die augenfälligsten Faktoren wie z.B. schlechte Melkbarkeit oder verdorbenes Futter eruiert oder saniert, ist der Sanierungserfolg selten befriedigend.
Für den Sanierungserfolg bei Euterproblemen ist es wichtig die Ausbreitungswege der Erreger in einer Tiergruppe oder im ganzen Stall zu kennen. Bei kuhbezogenen Keimen kann durch die Einführung melkhygienischer Massnahmen, wie dem Zitzentauchen, die Verbreitung im Bestand gestoppt werden. Bei Umweltkeimen lässt sich mit Veränderungen im Haltungssystem, wie die Pflege der Liegeboxen, die Infektionshäufigkeit vermindern. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die regelmässige Auswertung der Eutergesundheitsdaten, welche durch die Zuchtverbände und oder Tierärzten angeboten werden. Folgend die sechs Schritte zu einer nachhaltig guten Eutergesundheit:
- Eutergesundheit des Bestandes ermitteln
- Ziele Definieren, Strategien planen
- Mastitisbegünstigende Faktoren ermitteln und sanieren
- Sanierungsmassnahmen am Einzeltier durchführen
- Einführung einer Bestandesbetreung
- Therapien ohne Antibiotika einbeziehen
Schritt 1: Eutergesundheit des Bestandes ermitteln
Ausgangspunkt jeder Bestandessanierung ist die Definition des IST-Zustandes. Diese Definition sollte einerseits das Problembewusstsein schärfen und ist andererseits wichtig zur Festlegung des Sanierungsplanes. Die wahren Probleme zeigen sich oft erst nach dem Zusammentragen und Auswerten der Daten, welche die Eutergesundheit eines Bestandes betreffen. Es ist daher nützlich die folgende Checkliste für den eigenen Bestand sorgfältig durchzugehen:
- Wie hoch ist der Anteil der MLP-Probentag-Ergebnisse mit mehr als 100'000 Zellen je ml im vergangenen Jahr?
- Bei wie vielen Tieren wurde im vergangenen Jahr ein Mastistisbehandlung durchgeführt?
- Wie viele Tiere mussten wegen schlechter Eutergesundheit verkauft werden?
- Wie viele Tiere wurden im vergangenen Jahr mit antibiotikahaltigen Trockenstellern trocken gestellt?
- Erfolgten im vergangenen Jahr Milchgehaltsabzüge wegen hohen Zellzahlen in der Gesamtmilch?
- Ist die Eutergesundheit Ihrer Meinung nach noch verbesserungswürdig?
Schritt 2: Festlegung der Sanierungsziele
Vor der Einführung eines Sanierungskonzeptes müssen für die Verbesserung der Eutergesundheit Ziele festgelegt werden. Diese müssen messbar und realistisch sein. Grosse Ziele sollten in Betrieben mit schlechter Ausgangslage nur längerfristig anvisiert werden. Als Zielgrössen können die Zellzahl in der Gesamtmilch, die Anzahl Tiere mit monatlichen Zellzahlen über 100'000 Zellen pro ml Milch oder die Zahl der erforderlichen Behandlungen dienen. Am aussagekräftigsten ist eine Kombination dieser Kriterien. Im Verlauf einer Bestandessanierung, sollten die Massnahmen in kurzfristige, mittelfristige und langfristige Sanierungsschritte eingeteilt werden. Kurzfristig kann z.B. ein augenfälliger Mangel der Melktechnologie beseitigt werden, mittelfristig kann z.B. die Fütterung der Milchleistung der Kühe besser angepasst werden und langfristig könnte ein Stallum- oder –neubau als Sanierungsschritt.
Quelle: Der Text ist eine Auszug aus dem FiBL-Merkblatt "Eutergesundheit im Milchviehbetrieb"
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FiBL-Merblatt: Eutergesundheit im Milchviehbetrieb
Ansprechpartner am FiBL: Fritz Heil, Klaus Böhler
Fachgruppe Tiergesundheit
FiBL-Beratung Schweiz
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