Wie sag ich’s meinem Boden?
Nachlese zur Bioackerbautagung 2005
Mit dem „Jahr des Bodens“ will das FiBL für eine
nachhaltigere Bodenbewirtschaftung sensibilisieren. Auch die diesjährige
Ackerbautagung stand ganz in diesem Zeichen. Themen zu Pflanzenernährung
und Bodenfruchtbarkeit lockten am Dienstag, den 18. Januar 90 Besucherinnen
und Besucher an die Ackerbautagung nach Frick. Grössenteils
waren es Bäuerinnen und Bauern, die auf die neusten Forschungsergebnisse
und Erfahrungen aus der Praxis gespannt waren.
Nach einer kurzen Begrüssung durch Hansueli Dierauer, (FiBL-Beratung)
startete die Tagung gleich mit einem brisanten Thema. Paul Mäder,
Leiter der FiBL-Fachgruppe Anbautechnik „Einjährige
Kulturen“ stellte die Ergebnisse aus jahrelanger Forschungsarbeit
vor. Im DOK-Versuch in Therwil werden die Auswirkungen von biologisch-dynamischen,
biologisch-organischen und konventionellen Anbausystemen auf Boden
und Pflanzen untersucht. Erwartungsgemäss hat sich gezeigt,
dass mit Kompost und Gülle gedüngte Böden eine bessere
Stickstoffnachlieferung haben als rein mineralisch gedüngte
Böden. Die biologische Aktivität der Böden stieg
in der Reihenfolge der Anbausysteme mineralisch, bio-organisch
und bio-dynamisch. In der gleichen Reihenfolge nahm die Stabilität
der Bodenkrümel zu. Über 21 Jahre verzeichnete der Humusgehalt
des Bodens einzig im biologisch-dynamischen System unter Verwendung
von Mistkompost eine Zunahme. Das wohl bemerkenswerteste Resultat
lieferten Versuche des Agroscope RAC Changins. Hofdünger nur
oberflächlich in den Boden eingemischt und nicht untergepflügt
steigerten den Getreide- und Maisertrag um 17%.
Spätestens im Vortrag von Jacques Fuchs, (FiBL) zeichnete
sich der Mistkompost als Renner in Sachen Bodenfruchtbarkeit ab.
Ein qualitativ hochwertiger Kompost, so Fuchs schützt die
Pflanzen vor Krankheiten. Die positiven Erfahrungen mit Kompost
einiger Landwirte im Saal wurden damit wissenschaftlich untermauert.
Der folgende Teil der Tagung galt nun mehr dem Erfahrungsaustausch
von Seiten der Praktiker. Hermann Fritz, Landwirt und Berater von
Bio Ernte Austria zeigte, dass man mit einem Leguminosenanteil
von 30%, Getreide- von 40% und Hackfruchtanteil von ca. 30% in
der Fruchtfolge durchaus eine positive Stickstoffbilanz auf einem
viehlosen Biobetrieb erhalten kann. Interessant war das eigens
zusammengestellte Gründüngungsgemenge mit Platterbse,
Sommerwicken, Ackerbohnen, Phazelia, Alexandrinerklee und Sonnenblume.
Kaspar Günthardt, Biobauer aus Dällikon überzeugte
mit seinem Gülleausbringverfahren auf dem Brüederhof.
Da er seine Gülle aus der Biogasanlage gerne bei feuchtem
Wetter ausbringt, wenn die Nährstoffverluste gering sind,
hat er sein eigenes System entwickelt. Auf seinen Feldern sind
3 Meter breite Kunstwiesenstreifen als Fahrpisten angelegt. So
kann Günthardt mit Doppelrädern und dem 15m-Schleppschlauchverteiler,
ohne Schäden an der Bodenstruktur zu verursachen, auch bei
feuchteren Bodenverhältnissen Gülle ausbringen. Was für
Diskussionsstoff sorgte, waren die unterschiedlichen Meinungen
bezüglich der Qualität der anaerob entstandenen Gülle
aus der der Co-Fermentation und aus den konventionellen Privatabfällen.
Aus biodynamischer Sicht berichtete der Biobauer Rainer Sax von
seiner arbeitsextensiven Mist-Kompostierung. Mit einem selbsthergestellten
Fladenpräparat als Kompoststarter bringt er einen optimalen
Rotteverlauf im Misthaufen in Gang. Ein wichtiger Grundsatz ist
für ihn, den Mist locker anzusetzen, damit die Kompostbakterien
genügend Sauerstoff zum Arbeiten erhalten. Mitgebrachte Kostproben
von verrottetem Mist machten das Resultat anschaulich und riechbar.
Allerneuste Technik demonstrierte Ernst Spiess der FAT in Tänikon.
Eine Eindrillvorrichtung für aufkonzentrierte Gülle,
kombiniert mit einem Kartoffellegeautomat. Aus einem Gülletank
wird direkt beim Setzen oder Hacken die Gülle hinter den Schar
in den Boden befördert. Das Besondere an diesem Gerät
ist, dass nur wenig, dafür mit einem speziellen Verfahren
(Umkehrosmose) aufkonzentrierte Gülle verwendet wird. Ob dieses
Verfahren im Biolandbau zugelassen werden kann, muss noch diskutiert
werden.
Den Abschluss der Vortragsrunde machte Martin Lichtenhahn der
FiBL-Beratung. Der Einsatz von organischen Handelsdüngern
war bis anhin nur bei den Spezialkulturen ökonomisch sinnvoll.
Durch den Preisabschlag während der letzten Monate könnte
der Einsatz auch bei den herkömmlichen Marktfrüchten
(Mais, Kartoffeln und Getreide) an Bedeutung gewinnen. Zwar ersetzen
sie auf keinen Fall die Hofdünger, doch können sie als
Ergänzung interessant werden, da sie vielseitig einsetzbar
sind und kostengünstig ausgebracht werden können.
Vom Kompost zur Gülle bis hin zum organischen Handelsdünger – die
diesjährige Ackerbautagung hat gezeigt, dass dem Biolandbau
heute mehr Türen in Sachen Nährstoffversorgung offen
stehen. Trotz dieser vielen Möglichkeiten unser „Kapital
Boden“ zu ernähren, sollte eine möglichst vielfältig
gestaltete Fruchtfolge und die Rückführung von hochwertigem
organischem Material die Basis für eine langfristige Bodenfruchtbarkeit
und oberste Priorität des Biolandbaus bleiben.
Autoren: Carmen Triaca und Daniel Böhler
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Ansprechpartner
am FiBL: Daniel
Böhler und Hansueli Dierauer
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