Im Bioackerbau dreht sich alles um den Stickstoff
Stickstoff ist auf Biobetrieben oft Mangelware. In der Praxis
verbreiten sich neue, kostengünstige Lösungen zur Pflanzenernährung
immer mehr. Am einfachsten aber auch am teuersten ist der Einsatz
von organischen Handelsdüngern. Eine weitere Methode ist die
Kompostierung, welche besonders auf biologisch-dynamisch geführten
Höfen eine lange Tradition hat. Die Nährstoffgehalte
können je nach Zusammensetzung des Ausgangsmaterials beträchtlich
variieren, darum ist beim Einsatz von grösseren Mengen eine
Analyse vorteilhaft. Eine Tonne Kompost (ungefähr 2 m³)
enthält durchschnittlich 6 kg Stickstoff (wovon allerdings
nur 0,5 kg bis 1,5 kg verfügbar sind), 3,2 kg Phosphor, 4
kg Kalium, 3 kg Magnesium und 30 kg Calcium (Rindermist hat ähnliche
Werte, der Stickstoff ist jedoch schneller verfügbar). Am
besten wird der Kompost schon der vorgängigen Gründüngung
verabreicht. Versuche haben gezeigt, dass der verfügbare Stickstoff
nach einer Kompostgabe im ersten Jahr sinkt und erst im zweiten
und dritten Jahr wieder ansteigt. Ein Grünkompost wirkt anders
als ein Mistkompost. Kompost lässt sich sehr vielseitig im
Gemüse-, Acker- und im Futterbau einsetzen, weil er sich durch
eine gute Pflanzenverträglichkeit auszeichnet und von den
Regenwürmern rasch in den Boden eingemischt wird. In zahlreichen
Versuchen konnte die positive Wirkung von Komposten auf die Bodengesundheit
und auf das Pflanzenwachstum nachgewiesen werden. Diesen Vorteilen
stehen der hohe Arbeitsaufwand sowie der Platzbedarf für die
Kompostierung gegenüber. Untersuchungen des FiBL haben gezeigt,
dass die Verluste an organischer Substanz während der Kompostierung
ohne weiteres etwa 40 % betragen können, bei der Aufbereitung
von Stapelmist betragen sie nur etwa 20 %. Hinzu kommen bei schlecht
vor Regen geschützten Komposten hohe Verluste an Stickstoff
und Kalium (bis zu 60 %). Durch eine optimierte Kompostierung mit
gut abgedeckten Mieten können die Stickstoff- und Kaliverluste
auf ein vertretbares Mass reduziert werden. Auch der Arbeitsaufwand
kann durch eine gute Mechanisierung (Mistkran, Seitenstreuer zum
Aufsetzen) vermindert werden.
Am 18. Januar 2005 findet am FiBL die Ackerbautagung unter dem
Titel „Wie sag ich ‘s meinem Boden?“ statt. Dabei
stehen verschiedene Fragen zu Nährstoffversorgung und Hofdüngern
im Blickpunkt: Wie ist es möglich die Stickstoffeffizienz
des verfügbaren Stickstoffes zu verbessern? Gibt es eine Möglichkeit über
eine geschickte Fruchtfolgegestaltung mit viel Leguminosenanbau
den Stickstoffhaushalt zu verbessern? Wie wirken die einzelnen
Hofdünger? Wie steht es mit der Hofdüngeraufbereitung?
Der Kurs richtet sich besonders an viehschwache Betriebe aber auch
an solche, die neue Methoden wie das Eindrillen der Gülle
oder den Einsatz von Biogas-Gülle ins Auge fassen und sich
mit der Effizienz der Hofdünger beschäftigen.
Hansueli
Dierauer, FiBL Frick
Weitere Informationen
Bioackerbautagung
2005: Wie
sag ich’s meinem Boden – Nährstoffversorgung
im Bioackerbau
FiBL-Studie:
Auswirkungen von Komposten und Gärgut
auf die Umwelt, die Bodenfruchtbarkeit sowie die Pflanzengesundheit
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